GESCHICHTE: Luzerner Polizist stellt legendäres Bild nach

44 Jahre ist es her, als der Nidwaldner Polizeifotograf Arnold Odermatt (91) seinen Kollegen an einem autofreien Sonntag gebeten hat, für ihn den Handstand zu machen. Seither hat sich der Polizeialltag massiv verändert. Wir haben die Szene nachgestellt.

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Ein Polizist der Luzerner Polizei macht einen Handstand. (Bild: Pius Amrein (Horw, 3. Februar 2017))

Ein Polizist der Luzerner Polizei macht einen Handstand. (Bild: Pius Amrein (Horw, 3. Februar 2017))

Es brauchte einige Überzeugungsarbeit bis der Nidwaldner Fotograf Arnold Odermatt seinen Kollegen dazu überreden konnte, doch es hat sich gelohnt. Das Bild von dem Polizisten im Handstand aus dem Jahr 1973 hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt – nicht erst seit es in einer Retrospektive der Photobastei in Zürich ausgestellt wird. Entstehen konnte es dank der Benzinkrise 1973, als die Hauptstrassen an drei autofreien Sonntagen zur Fussgängerzone wurden.

Bilder: Ausschnitt Buchcover "Feierabend"/Pius Amrein

Seit die Aufnahme gemacht wurde, hat sich viel verändert – nicht nur im Bereich der Fotografie, wie das Farbbild unseres Fotografen Pius Amrein zeigt, das am Freitag aufgenommen wurde. Sofort fällt ins Auge: Während früher ein Handstand noch leicht gekrümmt daher kam, setzt man heute einen ganz anderen, strammeren Stil. Für die Hommage Modell gestanden ist ein junger Luzerner Polizist und langjähriger Kunstturner – an seinem freien Tag wohlgemerkt. In den 1970er-Jahren war von Polizisten allerdings noch in ganz anderen Bereichen privater Einsatz gefragt. Nicht nur wurde von vielen selbstverständlich erwartet, dass sie sich in ihrer Freizeit aktiv am Dorf­leben beteiligen. Um ihre Arbeit erledigen zu können, mussten sie sogar ihre eigene Schreibmaschine mitbringen. Kurt Graf, Sprecher der Luzerner Polizei, erinnert sich: «Das war noch so, als ich in den 1980er-Jahren anfing. Pro Jahr bekam man dafür 100 Franken – wobei rund 95 Franken für die Wartung draufgingen.»

Ehefrauen als Hilfspolizistinnen

Auch die Ausrüstung war damals noch eine ganz andere. Die Polizisten trugen nur eine Pistole auf sich. Heute gehören ein Pfefferspray, ein Mehrzweckstock und ein persönliches Funkgerät ganz selbstverständlich dazu. Besonders Letzteres hat die Arbeit der Polizei massiv erleichtert. «Früher übernahm so manche Ehefrau die Aufgabe einer Hilfspolizistin. Alarmiert wurde über den privaten Telefonanschluss. Wenn der Ehegatte auswärts war, hatte seine Frau ihm die Informationen telefonisch weiterzuleiten», erinnert sich Kurt Graf.

Die Aufgabenteilung hat sich ebenfalls verändert. «Um 1973 waren die Dienstwagen noch mit Krankenbarren ausgerüstet. Wurde ein Polizist an einen Unfallort gerufen, hatte er zuerst die Verletzten ins Spital zu bringen, bevor er sich um die Spurensicherung kümmern konnte», sagt Graf. Heute übernimmt der Rettungsdienst diese Aufgabe.

Trotz der zunehmenden Spezialisierung sind viele Polizisten weiter Generalisten – wie auch der junge Mann auf dem aktuellen Bild. Er hat sich zwar für das Foto zur Verfügung gestellt, will sich aber nicht mit seinem Namen ins Rampenlicht rücken. Er vertritt die vielen weiteren Polizisten, die tagtäglich im Einsatz stehen und noch den gleichen Auftrag erfüllen wie vor 44 Jahren: für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. «Jeden Tag bekommt man es mit neuen Situationen zu tun, kein Tag ist wie der andere», sagt der 33-Jährige auf die Frage, was er an seinem Beruf schätzt.

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch