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Gespaltene Diözese: Zürcher Katholiken fordern Doppelbistum

Die Zürcher Katholiken machen vor Papstbesuch und Bischofswahl Wind für die Schaffung eines Doppelbistums. Davon wären auch die Bistumskantone in der Innerschweiz betroffen. Personal- vor Strukturpolitik lautet einstweilen die Devise.
Balz Bruder
Der Churer Bischof Vitus Huonder bei der Feier zu Ehren von Bruder Klaus. (Bild: Dominik Wunderli (Flüeli-Ranft, 19. August 2017))

Der Churer Bischof Vitus Huonder bei der Feier zu Ehren von Bruder Klaus. (Bild: Dominik Wunderli (Flüeli-Ranft, 19. August 2017))

Die Debatte ist günstig terminiert. Bevor Papst Franziskus am 21. Juni in Genf eintreffen wird, um der Schweiz nach 2004 neuerlich einen Besuch abzustatten, flammt die Diskussion um das gespaltene Bistum Chur wieder auf. Jüngst hat der abtretende Präsident des Synodalrates der Zürcher Katholiken die Idee eines Doppelbistums Chur-Zürich wiederbelebt. Demnach soll Chur zwar Bischofssitz bleiben, der Bischof soll seine Arbeit aber in Zürich tun. So schrieb es kürzlich die «NZZ am Sonntag».

Der Vorschlag ist eine gezielte Provokation aus Zürich, nachdem im vergangenen Jahr sechs der sieben Kantonalkirchen der Diözese (siehe Karte) ein eigenes Bistum Zürich aus ideellen und finanziellen Gründen abgelehnt hatten. Und eine, die mit Blick auf die absehbare Beendigung der Erzfeindschaft zwischen den Zürcher Katholiken und dem Churer Bischof Vitus Huonder zu lesen ist. Denn dieser wird sich auf Geheiss des Papstes – nach zweijähriger Ausdehnung seiner Amtszeit – an Ostern 2019 in den überfälligen Ruhestand verabschieden. Entsprechend gross ist die Unruhe hinter den Kulissen, wer ihm am Churer Hof nachfolgen wird. Vor allem die Huonder-kritischen Kreise sind auf der Hut, wenn es um die voraussichtlich drei Wahlvorschläge geht, die dem Churer Domkapitel vom päpstlichen Gesandten in Bern und der Bischofskongregation unterbreitet werden.

Sonderstellung von Zürich braucht «interne Lösung»

Dass ein Doppelbistum Chur-Zürich das Ei des Kolumbus ist, glauben sie allerdings nicht. Der Schwyzer Alt-Regierungsrat Werner Inderbitzin, Aktuar der Biberbrugger Konferenz, der Vereinigung der Kantonalkirchen Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden im Bistum Chur, sagt: «Eine gesamtschweizerische Neueinteilung der Bistümer wäre zwar nach wie vor die sinnvollste Massnahme, um vernünftige Grössen der Bistümer zu erreichen.» Da es ausser beim Bistum Chur aber keinen Handlungsbedarf gebe, müssten für die Sonderstellung von Zürich «interne Lösungen» gesucht werden. Ein Weihbischof mit Sitz in Zürich, der mit gewissen Vollmachten ausgestattet ist und mit dem Diözesanbischof vertrauensvoll zusammenarbeitet, «kann eine sinnvolle Lösung sein», findet Inderbitzin.

Deutlich wird Andreas Heggli von der unverdrossen für einen Neubeginn werbenden Allianz «Es reicht»: «Schleierhaft» und «nebensächlich» erscheint ihm die Diskussion um ein Doppelbistum. «Aus einem weltfremden Bischof wird noch lange kein menschenverbundener Bistumsleiter, nur weil er von Chur nach Zürich zügelt», sagt Heggli. Weiter sei zu bedenken, dass die übrigen Bistumskantone zu klein seien, um noch ein eigenes funktionierendes Bistum bilden zu können. Für Heggli ist überdies «absolut klar, dass Veränderungen in der Bistumsorganisation und -einteilung nur in Frage kommen, wenn dabei die traditionellen Mitspracherechte bei der Bischofswahl mindestens im bisherigen Umfang erhalten bleiben».

Etwas anderes als die Diskussion um ein Doppelbistum sei dringlich, sagt Allianz-Sprecher Heggli: «Das Bistum Chur braucht nach Bischof Huonder dringend einen Neuanfang, braucht jemanden, der Brücken bauen kann und die von Papst Franziskus vorgeschlagenen Veränderungen nicht ausbremst, sondern umsetzt.» Das sieht der Kapuziner Willi Anderau, Sprecher der reformfreundlichen Pfarrei-Initiative, ähnlich: «Personalprobleme kann man nicht mit geografischen Massnahmen lösen. Solche Scheinlösungen gehen immer daneben.» Oder, mit anderen Worten: «Entscheidend ist, wer auf dem Bischofsstuhl sitzt, nicht, wo der Bischofsstuhl steht», bringt er es auf den Punkt.

Aufpassen, dass Wahlrecht nicht abhanden kommt

Umgekehrt formuliert: «Ein Bischofssitz in Zürich ist überhaupt keine Garantie, dass dort ein vernünftiger Mann eingesetzt wird», sagt Anderau. «Man stelle sich vor, wie die Zürcher reagieren würden, wenn eine Person wie Haas oder Huonder in Zürich sitzen würde. Dann schon noch lieber einen solchen Bischof auf Distanz und einen geeigneten Generalvikar in Zürich.» Abgesehen davon sei die Frage der Neuaufteilung der Bistümer «eigentlich überfällig». Allerdings bewege sich nichts, weil erstens jedes Bistum auf seine Pfründen achte, und zweitens zu Recht die Angst vorhanden sei, angestammte Wahlprivilegien in den Bistümern St. Gallen, Basel und Chur zu verlieren. «Es ist leider zu befürchten, dass die Bischöfe bei einer Neuaufteilung nicht mehr gewählt werden könnten, sondern von Rom ernannt würden», führt Anderau aus.

Das wäre dann fast so schlimm wie das Szenario, das Anderau für die Huonder-Nachfolge schwant: «Das Domkapitel in Chur wird sich einen Deut darum scheren, was Gremien wie Pfarrei-Initiativen oder andere Bewegungen für Vorstellungen und Wünsche haben.» Und weiter: «So wie ich das Domkapitel einschätze, werden sie einen linientreuen Menschen wählen, von dem man nicht allzu viel Bewegung und Unruhe befürchten muss oder – je nach Standpunkt – erhoffen kann.»

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