GESUNDHEIT: «Man erfährt viel über den Menschen»

Im Pflegebereich mangelt es an gut ausgebildeten Fachkräften. Zwei junge Pflegefachleute sprechen über ihre Erfahrungen.

Interview Florian Weingartner
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Chantal Arnold arbeitet im Spital Sursee. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Chantal Arnold arbeitet im Spital Sursee. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Auch im Kanton Luzern sind Pflegefachleute gesucht. Besonders Leute mit der höheren Fachausbildung sind rar. Wir begleiten zwei junge angehende Pflegefachleute während ihrer Ausbildung. Chantal Arnold (20, Altishofen) und Sasa Mihajlovic (19, Wolhusen) absolvieren seit Herbst vergangenen Jahres die Diplomausbildung zu Pflegefachleuten Höhere Fachschule (HF) an der Höheren Fachschule Gesundheit
Zentralschweiz (HFGZ). Wir berichten in unregelmässigen Abständen über ihren Ausbildungsalltag.

Seit einigen Wochen sind Sie nach drei Monaten in der Praxis wieder zurück an der Schule. War die Umstellung schwierig?
Sasa Mihajlovic:
Mühe machte mir in den ersten Tagen das lange Sitzen. Bei der Arbeit sind wir ja immer in Bewegung.
Chantal Arnold: Ich hatte keine grossen Schwierigkeiten. Es freute mich auch, meine Schulkolleginnen wiederzusehen, um sich auszutauschen über die Praktikumszeit.
Mihajlovic: Genau, es ist immer spannend, die Schulkollegen wiederzusehen und zu erfahren, was sie in der Praxis erlebt haben.

Womit beschäftigen Sie sich gerade
in der Schule?
Arnold:
Bei mir geht es momentan um Schulung und Beratung. Wir lernen, wie man mit Patienten umgeht bei Instruktionsgesprächen. Da muss man erklären, wie sich die Patienten verhalten sollen, etwa wenn sie Insulin spritzen müssen für zu Hause, welches Material dazu benötigt wird, und so weiter.
Mihajlovic: Wir sind ja in getrennten Klassen, weil ich in der Langzeitpflege bin und Chantal in der Akutpflege ist. Wir sind gerade mit der Gesundheitsförderung beschäftigt, genauer Verhaltensprävention und Verhältnisprävention. Das heisst, was ich selber für meine Gesundheit tun kann und was das Umfeld mir für die Gesundheit bietet.

Wie sieht so ein Unterrichtstag aus?
Arnold:
Im ersten Schulblock im letzten Herbst gab es mehr Vorlesungen im Hörsaal. Da waren wir meist drei bis vier Klassen zusammen. In diesem Schulblock sind wir gehäuft im Schulzimmer. Die Klassen werden aber weiterhin je nach Thema zusammengelegt. Das sorgt für Abwechslung und ermöglicht Erfahrungsaustausch
zwischen den verschiedenen Fachrichtungen.
Mihajlovic: Für Abwechslung sorgen auch immer wieder neue Lehrer. So kommen meist Experten für bestimmte Themen zum Einsatz.
Arnold: Wir beschäftigen uns mindestens einen halben Tag mit demselben Thema, meist sind es sogar ganze Tage.
Mihajlovic: Dadurch lernen wir die Themen vertiefter kennen.

Wie beurteilen Sie die Lehrmethoden? Wird der Stoff anschaulich behandelt, oder ist vieles graue Theorie?
Mihajlovic:
Wir lesen viel vor dem Unterricht. Da ist es einem selber überlassen, wie viel man machen will. Im Unterricht wird dann auf diesem Wissen aufgebaut, etwa mit Gruppenarbeiten. So werden wir gut eingebunden und lernen mehr, als wenn nur der Lehrer referieren würde.
Arnold: Man kann einiges zu Hause über die Online-Lernplattform herunterladen und sich so vorbereiten. Das Lernen wird einem einfacher gemacht, denn es bietet uns Freiraum, und man kann an dem Lernniveau anknüpfen, auf dem man sich gerade befindet.

Sie lernen nun über Wochen viel Neues. In der Praxis anwenden können Sie es aber erst im Herbst. Wie behalten Sie das Gelernte frisch?
Arnold
: Das braucht Selbstinitiative. Man muss den Stoff zu Hause immer wieder anschauen. In einigen Bereichen haben wir im Sommer Prüfungen, da werden wir sicher intensiv daran arbeiten.
Mihajlovic: Bei uns wechseln die Lehrer im Unterricht oft zwischen den verschiedenen Themen, oder sie vernetzen diese. Da muss man das Wissen einfach präsent haben. Natürlich kann man nicht immer
alles wissen, aber man muss zumindest wissen, wo man nachschlagen kann.

Ihre Arbeit verlangt oft Flexibilität bezüglich Arbeitszeiten. Im Schulblock sind Ihre Präsenzzeiten geregelter.
Verändert sich dadurch das Privatleben?
Arnold:
Sicher kann man das Privat leben so besser planen. In der Schule weiss man, was einen erwartet. Wenn man arbeitet, weiss man weniger, ob man am Abend noch genug Energie hat. Dies kann aber herausfordernd und spannend sein.
Mihajlovic: Für dich mag das ein Vorteil sein, für mich nicht. Ich bin oft froh darüber, dass ich Termine unter der Woche vereinbaren kann.

Sprechen Sie eigentlich mit Familie und Freunden über Ihren Berufsalltag? Ist da das Interesse vorhanden?
Arnold:
Ja, das braucht man. Natürlich kann ich mit den Arbeitskollegen darüber reden, aber es braucht auch den Austausch mit dem privaten Umfeld. Es ist interessant, mitteilen zu können, was man erlebt hat. Die Personen in meiner Umgebung können auch davon profitieren.
Mihajlovic: Es ist besonders interessant, mit Schulkollegen und Lehrern darüber zu sprechen, was man im Betrieb erlebt hat. Da kann man zu realen Fällen Fragen stellen. Das hilft mir für die Arbeit weiter.

Was würden Sie jungen Menschen, die vor der Berufswahl stehen, über einen Einstieg im Gesundheitssektor sagen?
Arnold
: Es ist ein spannender und interessanter Beruf, der viel Kontakt zu Menschen bietet.
Mihajlovic: Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, man kann nie nach Schema vorgehen.
Arnold: Man erfährt viel über den Menschen und darüber, wie der Organismus funktioniert. Persönlich hat es mir auch viel gebracht und mir den Zugang zu Menschen vereinfacht.
Mihajlovic: Man muss kommunikativ sein in diesem Beruf. Wer nicht gerne zuhört, ist hier fehl am Platz.