Kommentar

Giesskannen-Gutscheine als Wirtschaftshilfe sind wenig sinnvoll

Restaurants, Geschäfte, Gewerbebetriebe - während Wochen geschlossen. Um den lokalen Wirtschaftskreislauf anzukurbeln, wollen Städte und Gemeinden nun Einkaufsgutscheine an die Bevölkerung abgeben. Nachhaltig ist eine solche Verteilaktion von öffentlichem Geld aber nicht.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Da dürfte so manch eine oder einer in der Nidwaldner Seegemeinde Hergiswil gestrahlt haben ob dieser Nachricht: Der Gemeinderat will allen Erwachsenen einen Gutschein im Wert von 500 Franken schenken. Dieser kann in den Geschäften, Restaurants, Gewerbebetrieben der Gemeinde eingelöst werden – und soll so den wegen Corona leidenden lokalen Wirtschaftskreislauf ankurbeln. Auch die Stadt Luzern hat 2019 einen satten Überschuss erzielt. Und auch in der grössten Zentralschweizer Kommune überlegt man sich die Abgabe von Gutscheinen – im Wert von 100 Franken.

Die Luzerner Stadtregierung spricht von einer «Konjunkturhilfe». Es stimmt natürlich. Da rund ein Drittel der Schweizer Unternehmen Kurzarbeit zumindest angemeldet hat, haben viele Arbeitnehmer Lohneinbussen. Und das Gewerbe verzeichnet infolge des Lockdowns happige Umsatzverluste. So gesehen sind Liquiditätsspritzen gerade für kleine und mittlere Geschäfte und Betriebe hilfreich.

Bloss: Sind solche Giesskannen-Gutschein-Modelle wirklich sinnvoll und nachhaltig? Zweifel sind angebracht. Denn wenn wir etwas nicht haben, dann dies: Ein Kaufkraft-Problem. Die Leute haben nicht weniger ausgegeben, weil ihnen das Geld fehlt, sondern primär weil es kaum mehr Konsummöglichkeiten gegeben hat. Vereinfacht modelliert: Man finanziert Gutscheine mit Volksvermögen und warnt gleichzeitig, dass wegen der Pandemie Steuergelder fehlen werden – im besten Fall ein Nullsummenspiel.

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