GOLDAU: Waldohreule als Untermieterin beim Bartkauz

Erstmals gibt es Bartkauz-Nachwuchs im Natur- und Tierpark Goldau. Zu ihm gesellt sich eine junge Waldohreule – als Untermieterin sozusagen. Das ist eine ungewöhnliche Tierfreundschaft.

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Die Waldohreule (Mitte) lässt es sich im Nest der Bartkäuze gut gehen. (Bild: pd)

Die Waldohreule (Mitte) lässt es sich im Nest der Bartkäuze gut gehen. (Bild: pd)

Das Bartkauzbrutpaar im Natur- und Tierpark Goldau zieht dieses Jahr zum ersten Mal ein Junges auf. Die fürsorgliche Mutter sitzt Tag und Nacht im Nest. Nach einer Brutzeit von einem Monat ist anfangs Mai ein einziges Junges geschlüpft. Dieses wird von der Mutter gewärmt und gefüttert. Der Bartkauzvater bringt mehrmals täglich Futter zum Nest. So kann sich die Kauzmutter ohne Unterbruch um ihren Nachwuchs kümmern.

Kürzlich hatte das junge Bartkäuzchen Besuch von einer Waldohreule, wie der Tierpark Goldau am Dienstag mitteilt. Der Tierarzt des Natur- und Tierparks Goldau staunte nicht schlecht, als er das Bartkauznest in der Gemeinschaftsvoliere kontrollierte: Als er den Ast einer Tanne zur Seite schob, schaute er in das grosse Gesicht der Bartkauzmutter. Neben ihr fixierte ihn noch ein kleines schlankes Eulengesicht –.da sass eine Waldohreule im Nest des Bartkauzes. Hinter der Bartkauzmutter und der Waldohreule kauerte gut versteckt das junge flaumige Bartkäuzchen.

Waldohreule gefällt warmes Nest der Bartkäuze

Weil Bartkäuze kein eigenes Nest bauen, haben die Tierpfleger des Tierparks Goldau an einem geeigneten und trockenen Platz ein Nest vorbereitet. Bartkäuze benutzen gewöhnlich einen verlassenen Brutplatz einer anderen Vogelart oder legen ihre Eier einfach in die Vertiefung eines Baumstammes. Das frisch zubereitete Nest hat aber auch eine Waldohreule entdeckt. Ihr ist nicht entgangen, dass die Bartkauzmutter immer ein Tischlein-deck-dich zur Verfügung hat. Kurzerhand hat sich die Waldohreule beim Bartkauz sozusagen als Untermieterin eingenistet. Sie profitiert nicht nur vom trockenen Standort, sondern auch vom Catering-Service des Bartkauzmännchen , denn dieser bringt genügend Futter zum Nest, so dass regelmässig etwas für die Waldohreule abfällt. Bartkäuze gehören nicht zu den aggressiven Eulenarten.

Obschon der Bartkauz viel grösser als die Waldohreule ist und diese ohne Probleme als Beutetier überwältigen könnte, gewährt das Bartkauzpaar der Untermieterin Gastrecht. Der Jungkauz gedeiht prächtig und wird bereits in wenigen Tagen das Nest verlassen. Er kann zwar noch nicht fliegen, aber im Klettern ist er bereits routiniert. So wird er in den Bäumen in der Nähe des elterlichen Nestes als sogenannter Ästling herumturnen und sich noch etwa drei Monate lang von seinen Eltern verköstigen lassen, bevor er dann endgültig flügge sein wird.

pd/nop