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GOLDAU: Warum Fischotter heute nicht mehr Bus fahren dürfen

Jedes Kind kennt den Natur- und Tierpark in Goldau. Weniger bekannt ist das ungewöhnliche Ehepaar, das sich in seinen Anfängen um die ersten Tiere kümmerte.
Lena Berger
Die Frau des ersten Tierpark-Wärters Werner Schindelholz betreute in ihrem Kassenhäuschen längst nicht nur die zahlenden Gäste. (Bild PD)

Die Frau des ersten Tierpark-Wärters Werner Schindelholz betreute in ihrem Kassenhäuschen längst nicht nur die zahlenden Gäste. (Bild PD)

Seit fast einem Jahrhundert gibt es den Natur- und Tierpark in Goldau. Gestern fand die 90. Generalversammlung des Vereins Natur und Tierpark Goldau statt. Seine Geschichte ist geprägt vom grossen freiwilligen Engagement vieler Mitglieder für die europäische Tierwelt. Gebaut wurde der Park nämlich durch eine kaum zählbare Schar von Handwerkern, die in den 1920er-Jahren für nicht mehr als ein Stück Brot, einen Cervelat und ein Bier jährlich 3000 Stunden im Tierpark gearbeitet haben.

Der Ärger mit den Affen

Die ersten zwei voll angestellten Mitarbeiter waren der Tierpfleger Werner Schindelholz und seine Ehefrau. Während er sich ab 1928 um die Tiere kümmerte und die ersten Gämsen mit der Saugflasche aufzog, hatte seine Gattin tagtäglich während der langen Öffnungszeiten im Kassenhäuschen zu sein. Sie betreute dabei nicht nur die zahlenden Gäste, sondern auch die bettelnden Tiere, wie die Bilder von damals zeigen.

Der Verdienst für diese Arbeit war karg. Das gemeinsame Jahresgehalt betrug bloss 3240 Franken. So ist verbürgt, dass Frau Schindelholz den Präsidenten 1930 um Geld bat, weil sie keine Mittel hatte, um Kleider und Schuhe zu kaufen. Im Tierpark ging es damals aber auch lustig zu. Man nahm sogar Affen auf: Das Kapuzineraffen-Pärchen Peter und Friedel etwa – und Berberaffen von Gibraltar. Sie begeisterten das Publikum mit ihren Kapriolen, trieben aber auch Unfug. So ist überliefert, dass sie 1933 an einem einzigen Tag 20 Brillen «geraubt» haben. Zudem soll ein «toller» Rehbock so manches Unheil angerichtet haben.

Eine besondere Beziehung

Der Tierwärter Werner Schindelholz hatte ein natürliches Gefühl für Tiere. Aus seinem Nachlass gibt es über 900 Fotografien, die er mit seiner Leica im Goldauer Tierpark schoss und die er bei Vorträgen einsetzte. So wurde er zum Sprachrohr und Werber des Parks.

1937 kam es zum Bruch mit der Parkführung, und Werner Schindelholz übernahm eine neue Aufgabe im Berner Tierpark Dählhölzli. Dort stellte er sein Talent als «Tierflüsterer» erneut unter Beweis. Zu Hause zog er einen Fischotter auf. Das Tier war zahm wie ein Hund und begleitete sein Herrchen überallhin – sogar in den Bus. Dort wurde es einmal von Bundesrat Giuseppe Motta liebevoll auf den Schoss genommen, wie dem «Schwyzer Heft 95» zu entnehmen ist. Der Otter und sein Wärter wurden stadtbekannt und zum Werbeobjekt des Tierparks. Das allerdings war einigen eifersüchtigen Wärterkollegen ein Dorn im Auge. Sie bewirkten ein Schreiben von der Polizei und des Baudirektors an Schindelholz, dass «dieses Theater abgestellt» werden müsse. Seither dürfen Fischotter die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr benutzen. Dieser Rückschlag bewegte Schindelholz dazu, sich selbstständig zu machen. Er wurde Rattenfänger. Damit hatte er – ohne den Einsatz von Gift – so viel Erfolg, dass ihm eine Basler Chemiefirma 20 000 Franken für sein Rezept anbot. Schindelholz lehnte aber ab. Und nahm sein Geheimnis mit ins Grab.

Unzählige Jahre freiwillig gearbeitet

Seit Beginn 1925 haben sich viele weitere Persönlichkeiten für den Natur- und Tierpark Goldau engagiert. Zu erwähnen ist dabei etwa Heini Hediger, der als Begründer der Tiergartenbiologie gilt. Oder auch der Tierarzt Felix Weber, der dem Park zu seinem wissenschaftlichen Ruf verholfen hat. Während die Anlage früher primär von Freiwilligen am Laufen gehalten wurde, beschäftigt sie heute 156 Personen in 63 Vollzeitstellen – bei angemessener Entlöhnung wohlgemerkt. Trotzdem kommt dem ehrenamtlichen Engagement bis heute grosse Bedeutung zu. Die Mitglieder der Verwaltungskommission zum Beispiel, das leitende Gremium des Parks, arbeiten alle ohne Entgelt und lassen sich noch nicht mal Spesen zahlen. «Manche der Ehrenmitglieder haben unzählige Jahre gratis für den Tierpark gearbeitet», sagt Vereinspräsident Gottfried Weber. Wie gross der Rückhalt in der Bevölkerung ist, zeigte sich zum Beispiel, als der Orkan «Lothar» im Dezember 1999 rund 80 Prozent des Waldes zerstörte. Mehr als 6500 Franken Material- und Barspenden gingen ein – zudem wurden fast 20 000 Stunden Gratisarbeit zum Wiederaufbau geleistet.

Das Tierparkareal um 1900: In dieser Zeit lebten aufgrund der Gotthardbahneröffnung viele Bähnler in Goldau – sie waren es, die den Park in stundenlanger Fronarbeit aufbauten. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Der erste Tierpark-Plan wurde 1922 vom Zuger Kantonsingenieur Franz Müller gezeichnet. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Für die Einzäunung, die Weganlagen, die geschützten Futterstände und die Spezialgehege wurden 1925 lediglich 40 000 Franken veranschlagt. Möglich war dies nur dank zahlreichen freiwilligen Mitarbeiten. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Die ehemalige Schiffshütte am Blauweiher stand von 1927 bis 1935 – im Hintergrund die an Hollywood erinnernde Werbeschrift des Tierparks. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Frau Schindelholz war die erste festangestellte Kassendame, die sich in den 1930er Jahren zusammen mit ihrem Mann die Gämse mit der Saugflasche aufzog. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Frau Schindelholz kümmerte sich aus dem Kassenhäuschen heraus nicht nur um die bezahlenden Besucher. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
1986 wurde das Inselrestaurant eröffnet, nachdem es wegen der Alkohollizenz jahrelange Streitigkeiten mit den umliegenden Beizern gegeben hatte. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Zwei Jahre später dann wurde die Tierparkschule eröffnet, die zum wissenschaftlichen Ruf des Parks beitrug. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Bis heute ist der Tierpark für die Bartgeier bekannt, deren Voliere 1995 eröffnet wurde. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Seit 1998 werden Bartgeier im Tierpark Goldau auch gezüchtet. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Orkan Lothar zerstörte im Dezember 1999 im Tierpark nicht nur viele Gehege, sondern auch 80 Prozent der Bäume. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Die alte Bärenanlage stand bis 2009. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
2009 wurde dann die neue Bär- und Wolfanlage eröffnet. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
Immer wieder gelingt es dem Tierpark, neue Attraktionen zu eröffnen – 2012 war es die Fischotteranlage. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
2013 folgte die Sumpfschildkrötenanlage... (Bild: pd / Tierpark Goldau)
...und 2014 das Restaurant Grüne Gans. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
2016 eröffnete das MUFU, ein Multifunktionales Gebäude mit Auffang-, Pflege- und Quarantänestation, Futterversorgung und tiermedizinischen Behandlungsräumen. (Bild: pd / Tierpark Goldau)
17 Bilder

Die Geschichte des Tierparks Goldau

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