GOTTESDIENST: 1500 Menschen an Trauerfeier für Lucie T.

Am Abdankungsgottesdienst für Lucie haben am Montagnachmittag in Freiburg rund 1500 Menschen teilgenommen. Das Drama bewege die Schweiz und werfe schmerzliche Fragen auf, sagte Bischof Bernard Genoud.

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Der Trauerzug erreicht die Kirche Christ Roi. (Bild EQ)

Der Trauerzug erreicht die Kirche Christ Roi. (Bild EQ)

Der Platz in der Christ-Roi-Kirche war zu klein für die grosse Anzahl Trauernder. Hunderte harrten während des Gottesdienstes auf dem Kirchplatz aus, wo die Trauerfeier mit Lautsprechern übertragen wurde. Der Boulevard de Perolles war vorübergehend für den Verkehr gesperrt. Dutzende Schülerinnen und Schüler schlossen sich nach Schulschluss der Trauergemeinde an. Viele weinten, als das Lied «Lucie» des französischen Sängers Pascal Obispo durch die Lautsprecher ertönte.

«Nur schwer fassbar»
Bernard Genoud, Bischof von Freiburg, Lausanne und Neuenburg, nahm den Sarg des 16-jährigen Au-pair-Mädchens vor der Kirche in Empfang, wo entlang der Kirchenmauer zahlreiche Fotos des Opfers aufgestellt waren. Auf dem mit rotem Tuch bedeckten Sarg lag eine einzige weisse Rose. Mit den Worten Unverständnis, Betroffenheit, Skandal, betäubende Stille und Empörung umschrieb Bischof Genoud die Reaktionen auf das Drama. Der Tod habe die ganze Schweiz bewegt und schmerzliche Fragen aufgeworfen, sagte Genoud, der Lucie getauft und bereits deren Eltern getraut hatte. In solchen Momenten sei der ganze Sinn des Lebens in Frage gestellt. «Es ist nur schwer fassbar, wenn jemand so jung sterben muss, wenn das aufblühende Leben so abrupt vergeht», sagte Genoud. Lucie wurde nach der Abdankungsfeier im engsten Familienkreis im Friedhof St-Leonard in Freiburg beigesetzt.

Grosses Medieninteresse
Der Trauergottesdienst stiess bei den Medien auf grosses Interesse. Zahlreiche Fernseh- und Radiostationen sowie Journalisten aus der ganzen Schweiz begleiteten die Trauerfeier. Weitere Trauernde versammelten sich in der Kirche von Lucies Wohnort Bulle, wo die Trauerfeier ebenfalls übertragen wurde.

Das 16-jährige Au-pair-Mädchen war am vergangenen 4. März verschwunden und wurde vier Tage später im Badezimmer eines 25-jährigen Schweizers in Rieden im Kanton Aargau tot aufgefunden. Der Mann gestand in der Folge Lucie niedergeschlagen und mit einem Messer tödlich verletzt zu haben. Er hatte sein Opfer mit einem fiktiven Modellangebot in seine Wohnung gelockt. Mit der Gewalttat wollte er nach eigenen Angaben wieder ins Gefängnis zurück gelangen. Er sass bereits vier Jahre in einer Arbeitserziehungsanstalt, weil er 2004 eine Frau fast zu Tode gewürgt hatte. Nach dem Tötungsdelikt an Lucie wurde Kritik sowohl an der Arbeit der Behörden als auch an den geltenden Gesetzen laut.

ap