Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GOTTHARD: Zwist um den göttlichen Tunnelsegen

Ein Katholik soll bei der Segnung des Neat- Tunnels alle Christen vertreten. Das kommt nicht überall gut an. Nun wollen die Refor­mierten doch auch dabei sein.
Guy Studer
Schon einmal wurde der Gotthard-Basistunnel gesegnet – vor dem Durchstich am 15. Oktober 2010 bei Sedrun. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Schon einmal wurde der Gotthard-Basistunnel gesegnet – vor dem Durchstich am 15. Oktober 2010 bei Sedrun. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Guy Studer

Es geht wieder einmal um eine Segnung im Kanton Uri. Diesmal stehen aber nicht ein Pfarrer aus Bürglen und ein lesbisches Paar im Zentrum der Kontroverse, sondern ein Jahrhundertbauwerk und der ehemalige Abt von Einsiedeln. Doch eines nach dem anderen: Hinlänglich bekannt ist, dass sich der Bund nicht lumpen lässt und für die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels Anfang Juni 9 Millionen Franken budgetiert – 8 Millionen davon stammen aus dem bewilligten Neat-Kredit, 1 Million steuern Sponsoren bei.

Kritik vom CVP-Präsidenten

Neben einem Volksfest und Reden von Bundesräten zählt zu den Feierlichkeiten vom 1. Juni auch die Segnung der neuen, 57 Kilometer langen Doppelröhre. Pater Martin Werlen, bis 2013 Abt des Klosters Einsiedeln, wird diesen Akt am frühen Morgen vor der offiziellen Feier im kleinen Rahmen vollziehen – begleitet von einem Imam und einem Rabbi. Ein Vertreter der reformierten Kirche allerdings fehlt, was prompt für Kritik sorgt. Höchst unsensibel sei dieser Umstand, lässt der Zuger CVP-Nationalrat und Parteipräsident Gerhard Pfister die «Basler Zeitung» wissen. Er erwarte, dass das noch korrigiert werde und die Protestanten doch noch mit einbezogen würden. Auch der Präsident des Hilfswerks der evangelischen Kirchen Schweiz bezeichnet den Entscheid als «politischen Fehler». Tatsächlich aber ist das Vorgehen unter den christlichen Kirchen des Landes so abgesprochen. So ist der Bund hinsichtlich der Tunnelsegnung auf die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) zugegangen. «Die AGCK, in der auch die Reformierten vertreten sind, hat Pater Werlen offiziell delegiert», teilt Olivia Ebinger, Mediensprecherin des Bundesamtes für Verkehr, auf Anfrage mit. «Martin Werlen vertritt also nicht die Katholiken, sondern die Christen.» Vertreten sind in der AGCK nebst Katholiken und Reformierten unter anderem auch die Christkatholiken, die Methodisten, die Baptisten sowie die orthodoxen Kirchen.

Die AGCK hat zwei Beschlüsse gefällt, wie deren Präsident, der christkatholische Bischof Harald Rein, auf Anfrage näher erklärt. Zuerst sei entschieden worden, dass man lediglich einen Vertreter an die Tunnelsegnung sende – als Vertreter aller Kirchen, die in der Arbeitsgemeinschaft vereint sind. Beim zweiten Entscheid wurde der Katholik Martin Werlen bestimmt. «Es hätte auch ein Methodist oder ein Reformierter sein können», sagt Rein.

Auf Anfrage bestätigt auch Pater Martin Werlen dieses Vorgehen: «Die Idee ist, dass die christlichen Religionen miteinander auftreten. In einer Zeit, in der Grenzzäune errichtet werden und sich Länder abgrenzen, ist das ein starkes Zeichen», so Werlen. «Und es ist das erste Mal, dass alle Getauften einen gemeinsamen Vertreter schicken, was ich sehr progressiv finde», zeigt Werlen die Bedeutung des Entscheides auf. «Der Vertreter müsste nicht ich sein», fügt Werlen an. «Für mich ist es kein Problem, wenn uns jemand anderes vertritt, allerdings von der AGCK delegiert.» Ihm sei das Zeichen viel wichtiger, dass alle Christen geeint auftreten würden.

Ein Meinungsumschwung?

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) hatte sich gegenüber der gestrigen «Basler Zeitung» noch einverstanden gezeigt mit dem Entscheid der AGCK: «Abt Martin Werlen kann uns gut repräsentieren», sagte Sprecherin Anne Durrer. Nun scheint dieser Gedanke den Reformierten offenbar doch nicht mehr so zu behagen: «An die Eröffnung des Gotthards gehört eine Vertretung der evangelisch-reformierten Kirche», hiess es gestern auf Anfrage. «Im Augenblick sind wir in Gesprächen mit dem Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation.» Ein Meinungsumschwung also? Weitere Informationen gabs gestern beim SEK nicht, dafür aber von Martin Werlen: «Wenn der SEK nun eine zweite Person schicken möchte, passt das nicht in das Konzept, an dem wir seit sechs Monaten arbeiten», sagt er. Das Konzept müsste von allen bisher Beteiligten neu gemacht werden. Werlen macht keinen Hehl daraus, dass er dies nicht begrüssen würde. «Das widerspricht dem, was wir zum Ausdruck bringen wollen.»

Warum überhaupt eine Segnung?

Für Daniel Annen wiederum sind diese Fragen allesamt zweitrangig. Er stellt die Segnung des Tunnels grundsätzlich in Frage. Annen ist konfessionslos und Präsident der Freidenker Zentralschweiz, einer Vereinigung, die sich unter anderem für die Trennung von Kirche und Staat einsetzt. Er sagt: «Die Tunnelsegnung ist problematisch. Da wird in Anwesenheit von Kindern und Jugendlichen erklärt, dass Gottes Segen für den Tunnel wichtig sein soll.» Dabei sei es ausschliesslich wichtig, den Ingenieuren und den Arbeitern zu danken.

Darauf erwidert Rein: «Die Mehrheit der Schweizer sind Christen. Darum ist es mehr als gerechtfertigt, wenn der Glaube auch bei Tunneleröffnungen eine Rolle spielt.»

Mitarbeit Alexander von Däniken

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.