Grosse Unterschiede bei Spital-Finanzen

Viele Schweizer Spitäler zehren stark von ihrem Eigenkapital. In Nid- und Obwalden, Uri und Luzern ist die Situation sehr uneinheitlich.

Franziska Herger
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Das Eigenkapital zahlreicher Schweizer Spitäler sinkt, hauptsächlich aufgrund von unterdurchschnittlicher Profitabilität. Dies zeigt eine neue Studie des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC). Für die Studie wurden 44 Schweizer Akutspitäler untersucht, darunter das Kantonsspital Nidwalden, das Kantonsspital Uri und das Luzerner Kantonsspital. In einzelnen Fällen sind die Eigenkapitalquoten laut Studie bedrohlich tief gesunken. «In den nächsten Monaten und Jahren sind einige Sanierungsfälle zu erwarten.» Denn während eine hohe Eigenkapitalquote auf finanzielle Stabilität hindeutet, verschlechtert eine niedrige die Verschuldungskapazität.

Die Eigenkapitalquote bezeichnet den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital, also an der Bilanzsumme. Der Durchschnittswert der 2018 untersuchten Spitäler beträgt 43 Prozent. Die Studienautoren erachten eine Eigenkapitalquote von 40 Prozent als gut, eine unter 20 Prozent sei kritisch, sprich berge Konkurs- oder Sanierungsgefahr. Wie steht es in den Spitälern von Ob- und Nidwalden und den umliegenden Kantonen um das Eigenkapital?

Nidwalden top, auch Uri zufrieden

Die Studie geht auf die Zahlen der einzelnen untersuchten Spitäler nicht ein. Eine Nachfrage beim Kantonsspital Nidwalden ergibt, dass sich dieses in Sachen Eigenkapital keine Sorgen machen muss. Die Quote per Ende 2018 lag wie bereits im Vorjahr bei 89 Prozent. Man habe das Eigenkapital in den letzten Jahren stets äufnen können, sagt Spitaldirektor Urs Baumberger. «Damit haben wir genügend Mittel für Investitionen, etwa in die Infrastruktur.» Daran werde sich auch nichts ändern, wenn das Kantonsspital Nidwalden 2021 im Zuge des Zusammenschlusses mit dem Luzerner Kantonsspital zur gemeinnützigen AG wird. «Die Strukturen sind im Aktionärsbindungsvertrag so vorgegeben, dass wir auch in Zukunft agil bleiben.»

In Uri sind die Zahlen tiefer, doch Fortunat von Planta, Direktor des Kantonsspitals (KSU), ist zufrieden. Die Eigenkapitalquote per Ende 2018 betrug 33 Prozent, ein Anstieg von 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. «Wir hatten letztes Jahr mit einem Plus von 1,5 Millionen Franken aufgrund sehr vieler Grippefälle ein sehr gutes Jahresergebnis», begründet von Planta die Zunahme. Das neue Spitalgesetz, das seit 2018 in Kraft ist, sieht explizit vor, dass das KSU Eigenkapital aufbauen können muss, indem es allfällige Gewinne behalten kann, bis das Eigenkapital 20 Prozent des Jahresumsatzes erreicht.

Der Um- und Neubau des Kantonsspitals Uri für 121 Millionen Franken, der im Frühling startete, werde sich langfristig nicht negativ auf das Eigenkapital auswirken. Vielmehr werde sich dieses gemäss Businessplan mittelfristig leicht erhöhen, so der Direktor. «Die Produktivitätssteigerung durch den Neubau kann die höhere Miete für die Spitalgebäude kompensieren. Wir gehen zum Beispiel von fünf auf zwei Bettenstationen zurück.»

Sinkende Quote in Obwalden

Das Eigenkapital des Kantonsspitals Obwalden ist zwischen 2017 und 2018 von 5,4 auf 1,4 Millionen Franken gesunken. Die Eigenkapitalquote lag laut Geschäftsbericht per Ende 2018 bei 9 Prozent, gegenüber 29 Prozent im Vorjahr. Grund sei die Streichung des entsprechenden Standortbeitrags im Jahr 2017 bei der gleichzeitigen Verrechnung einer Miete von 3,5 Millionen Franken, sagt Spital-CEO Andreas Gattiker.

Doch die Eigenkapitalquote spiele für das Kantonsspital Obwalden keine Rolle. «Anders als die allermeisten der in der Studie untersuchten Akutspitäler sind wir unselbstständig, ohne eigenständige Bilanz oder Anlagevermögen. Wir sind – anders als die Kantonsspitäler Nidwalden und Uri – eine Abteilung des Kantons. Die Spitalgebäude gehören, wie auch in Uri, dem Kanton, weshalb sie in der Bilanz nicht erscheinen. Damit ist die Eigenkapitalquote wenig aussagekräftig und kaum mit derjenigen anderer Spitäler zu vergleichen.»