Guugger und ihr Instrument – vier Fasnächtler über die Beziehung zu ihrem Begleiter

Sie schränzen, sie wirbeln und klingen manchmal sogar filigran: Die Instrumente einer Guggenmusig. Ihre Besitzer haben uns erzählt, welche Beziehung sie zu ihnen pflegen.

Pascal Studer
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Jil Burri und ihre Trompete

Jil Burri, 21 Jahre, seit zwei Jahren Trompeterin bei der Rasselbandi Horw (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 4. März 2019)

Jil Burri, 21 Jahre, seit zwei Jahren Trompeterin bei der Rasselbandi Horw (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 4. März 2019)

Bunt ist ihr Fasnachtsgewand. Bunt bemalt sind auch ihre Fingernägel. Doch ihre Trompete, die ist schwarz. Handelt es sich dabei etwa um ein Protestsignal, so etwas wie eine subtile Ankündigung eines anstehenden Instrumentenwechsels? «Nein, auf keinen Fall», sagt Jil Burri und lacht. «Ich spiele sehr gerne Trompete. Oft kann unser Register die Hauptmelodie spielen. Das macht schon Spass.» Jil Burri ist in einer Musikerfamilie aufgewachsen und ist Sängerin. Doch während einer knappen Woche zelebriert sie zusammen mit der Rasselbandi Horw und ihrer fast pechschwarzen Trompete die Fasnacht.

Es ist eine Zeit, die sie sichtlich geniesst: «Eigentlich bin ich wegen der Musik Mitglied der Rasselbandi. Aber besonders schön ist der Zusammenhalt in unserem Verein.» So findet sie auch nicht, dass das perfekte Trompeten-Register perfekt zusammenspielen muss. Vor allem zwischenmenschlich muss es perfekt zusammenpassen. «Klar hat die Fasnacht viel mit Musik zu tun. Aber viel wichtiger ist mir, dass die Rasselbandi wie eine zweite Familie für mich geworden ist.» Es schwingt fast schon ein melancholischer Unterton mit, wenn sie sagt: «Ich bin ein bisschen traurig, dass die Fasnacht fast schon vorbei ist.»

Angelo Burri und seine «Chochi»

Angelo Burri, 55 Jahre, seit 20 Jahren Schlagzeuger bei den «Noggeler» (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 4. März 2019)

Angelo Burri, 55 Jahre, seit 20 Jahren Schlagzeuger bei den «Noggeler» (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 4. März 2019)

Sie ist schwer. Sie ist umständlich. Sie macht einem das Leben nicht leicht. Nach so einem verheerenden Fazit sollte man meinen: «Chochi» spielen, das will doch niemand. Und trotzdem steht er hier und lächelt vor der Treppe der Hofkirche zufrieden in das bunte Fasnachtstreiben. Angelo Burri scheint mit der Wahl seines Instruments gar nicht unglücklich: «Ich habe schon immer ‹Chochi› gespielt. Etwas anderes will ich nicht», sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: «Etwas anderes kann ich eigentlich auch gar nicht.»

Das Verhältnis eines Schlagzeugers zu seinem Instrument ist oft ambivalent. Einerseits ist es sowohl für Zuhörer als auch Spieler beliebt für seine umherwirbelnden Schlägern und konsequenten Rhythmen, die gerade in einer Guuggenmusig schon fast brachiale Züge annehmen. Andererseits ist da das umständliche Schleppen und Tragen, das Auseinandernehmen und wieder Zusammenbauen. Trotzdem muss Angelo Burri etwas überlegen, welches andere Instrument ihn überhaupt reizen würde. «Trompete», sagt er dann. Vielleicht, weil sie ihm das melodiöse Spielen ermöglichen würde. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass der passionierte «Chochi»-Spieler Angelo Burri dann endlich nicht mehr schleppen müsste.

«Adidas» und sein Sousafon

«Adidas», 48 Jahre, langjähriger Sousafonist der Borggeischter Roteborg (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 4. März 2019)

«Adidas», 48 Jahre, langjähriger Sousafonist der Borggeischter Roteborg (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 4. März 2019)

Seinen richtigen Namen wollte «Adidas» nicht verraten. Doch bei seinen Gefühlen zu seinem Instrument ist er transparent und gibt unumwunden zu: «Ich liebe es, Sousafon zu spielen.» Bei der Betrachtung dieses riesigen Blasinstruments fragt man sich allerdings: Spielt man Sousafon? Ist das Arbeit? «Es stimmt: Um Sousafon zu spielen, braucht man zwei grosse Lungenflügel», bestätigt «Adidas», während die Strähnen seiner roten Perücke umhertanzen. Starke Lungen seien ihm zum Glück angeboren. Doch man tut Sousafonisten Unrecht, wenn man sie nur auf einen voluminösen Brustkorb reduziert.

Das Instrument ermöglicht durchaus musikalisch wertvolle Facetten. «Der schöne Klang des Sousafons hat mich immer überzeugt. Es ist sehr tief und gibt einer Guuggenmusig einen groovigen Bass.» Je mehr «Adidas» über seine Liebe zu seinem Instrument spricht, umso mehr wird klar: Das Spielen des Sousafons lernt man nicht einfach so zwischen Konfetti, Kafi Chrüüter und Urknall. «Adidas» sagt schmunzelnd: «Ich bin nicht mehr aktives Mitglied, sondern Ehrenmitglied. Ich muss daher nicht mehr so viel üben.» Als er vor rund 30 Jahren erstmals für die Borggeischter Sousafon gespielt hat, sei dies aber anders gewesen.

Nathalie Graber und ihr Eufonium

Nathalie Graber, 30 Jahre, seit fünf Jahren Eufonistin bei den Rüsssuuger Ämme (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 4. März 2019)

Nathalie Graber, 30 Jahre, seit fünf Jahren Eufonistin bei den Rüsssuuger Ämme (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 4. März 2019)

Bei der Betrachtung des ungewöhnlichen Instruments, welches Nathalie Graber beim Pavillon vor dem Vierwaldstättersee in den Händen hält, drängt sich eine Frage sofort auf: Was genau ist ein Eufonium? «Es ist weder ein Horn noch ein Bariton und bewegt sich in der Guuggenmusig klanglich zwischen der Trompete und dem Sousafon», erklärt sie. Ein perfektes Bindeglied zwischen den Extremen also. Und daher vielseitig einsetzbar: «In unseren Liedern kann ich sowohl die Trompeten als auch das Sousafon-Register musikalisch ergänzen», erklärt Nathalie Graber.

Seit sie vor fünf Jahren den Rüsssuuger beigetreten ist, spielt sie Eufonium. Vorher hat sie bei einer anderen Guuggenmusig bereits Posaune gespielt. Doch das Instrument passte ihr nicht. Die Posaune «schränzte» zu sehr: «Mir gefällt der Klang des Eufoniums besser.» Der Klang des Instruments sei aber auch leiser. Läuft ihr Register daher Gefahr, von den Zuhörern überhört zu werden? «Das glaube ich nicht», sagt sie und ergänzt mit einem schelmischen Lächeln: «Wir sind insgesamt acht Eufonisten. Uns hört man schon.» Nathalie Graber scheint ihr Instrument gefunden zu haben und sagt entsprechend: «Ich bleibe meinem Instrument treu. Auch nächste Fasnacht.»