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HALTIKON: 50 Jahre Gastgeberin in der «Sagi»

Wie die Jungfrau zum Kind kam Maria Schilliger (78) zum Landgasthof zur Säge. Dass die Küssnachterin von einem Tag auf den anderen hier Wirtin wurde, kommt nicht von ungefähr.
Edith Meyer
Maria Schilliger ist als Gastgeberin in der «Sagi» nie ohne ihr Serviertüchlein unterwegs. (Bild: Edith Meyer)

Maria Schilliger ist als Gastgeberin in der «Sagi» nie ohne ihr Serviertüchlein unterwegs. (Bild: Edith Meyer)

Seit 50 Jahren ist das Restaurant Sagi eine Institution in Haltikon. Und seit 50 Jahren wirkt die 78-jährige Maria Schilliger als Gastgeberin.

Das Traditionshaus ist nur noch jeden Donnerstagabend geöffnet. Umso mehr ist es ein willkommener Treffpunkt für auswärtige und einheimische Gäste. Schmuck und festlich präsentiert sich der kleine Saal, gemütlich die Gaststube.

Eine Wirtin der alten Schule

Maria Schilliger ist eine Wirtin der alten Schule. Sie nimmt sich Zeit, alle Gäste einzeln zu begrüssen, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln und sie auch zu verabschieden. Maria Schilliger weiss, dass die Gäste nicht nur Speis und Trank, sondern auch ihre Herzlichkeit schätzen. Für sie sei es wichtig, dass der Betrieb gepflegt und schön dekoriert sei. Und das lebt Maria Schilliger mit Leib und Seele vor.

Geboren und aufgewachsen auf dem Hof Seeheim in Küssnacht, lernte sie als junge Frau 1962 Walter Schilliger kennen – und blieb der Liebe wegen in Haltikon. «Ich dachte mir, Heiraten ist super, aber ich will auf gar keinen Fall wirten.

Doch es kam anders. Ihr Schwiegervater Ernst Schilliger überredete sie schliesslich, die «Sagi» zu übernehmen, und baute den vorderen Teil des Restaurants um. An die Anfänge erinnert sich Maria Schilliger gut: «Ich fing mit 20 Franken Tagesumsatz an und investierte jeden Franken, den ich einnahm, in den Betrieb.» Höhepunkt waren für sie als Gastgeberin jeweils die Chilbi und die Fasnacht in Haltikon. Als drei ihrer vier Kinder schulpflichtig wurden, wollte Maria Schilliger den Betrieb aufgeben. «Ich dachte mir – das geht nicht, arbeiten und Kinder erziehen.» Eigentlich habe sie in diesem Moment nur für ihren Mann und ihre Kinder da sein wollen. Ihr ältester Bruder stimmte sie mit seinen Argumenten um. «Er sagte mir damals, nicht zu arbeiten, sei keine Versicherung für eine bessere Erziehung oder ein besseres Familienleben.» Und er habe sie gefragt, was sie mache, wenn die Kinder aus der Schule seien. «Das leuchtete mir damals ein.» Diesen Schritt hat Maria Schilliger nie bereut. «Unsere Lebensform hat niemandem geschadet. Ich würde es wieder gleich machen.» Überhaupt habe sie in ihrem Leben viel mehr Glück als anderes gehabt. «Ich bin stolz auf meine Familie.» Maria Schilliger beschreibt sich selbst als einen Menschen, der da sei, wenn jemand etwas brauche, und immer ein offenes Ohr habe. «Meine schlechten Eigenschaften halten sich in Grenzen. Das Leben ist ein Geben und Nehmen», fügt sie hinzu.

«Ein Gast hörte nicht auf zu motzen»

Wer seit einem halben Jahrhundert wirtet, hat auch mal einen unzufriedenen Gast, oder? Maria Schilliger lacht und bejaht. «Es ist viele Jahre her. Ein Gast hörte nicht auf zu motzen. Ich ging an seinen Tisch und sagte: ‹Darf ich Sie fragen, warum Sie so aggressiv und explosiv sind?› Er schaute mich an, streckte mir die Hand entgegen und antwortete: ‹Mein Name ist Müller, ich arbeite beim Circus Knie und putze die Elefanten.›» Natürlich habe das nicht der Wahrheit entsprochen. Maria Schilliger klopfte dem Gast auf die Schulter und sagte ihm: «Ich habe es in meinem Leben nicht so weit gebracht, um im Knie arbeiten zu dürfen. Aber einen Esel habe ich auch schon bedient.» Alle hätten gelacht ausser sie zwei. Später habe sie dann von diesem Gast erfahren, warum er so wütend gewesen war. Mit der «Sagi» hatte es nichts zu tun.

Es sind die lustigen Geschichten, die Maria Schilliger in Erinnerung bleiben. Einmal habe eine Serviertochter einem Gast Wein über die Hosen geschüttet. Natürlich sei der Mann im ersten Moment wütend geworden. «Ich bot ihm an, die Hosen zu waschen und zu tumblern.» Sie vergesse nie, wie ihr Gast einwilligte und dann in Hemd und roten Unterhosen seelenruhig am Tisch sass. «Er war überglücklich, als ich ihm seine Hose zurückgab.» So gäbe es noch viele Anekdoten zu erzählen. Immer wieder fragen Leute Maria Schilliger, wie lange sie noch arbeiten wolle. «Ich antworte ihnen: ‹So Gott will.›» Unterstützung hat sie von allen Seiten. «Meine Tochter Maja, unsere Köchin Lydia, unser Kellner Andre und meine zwei Enkelkinder Andrea und Rahel helfen jeweils am Donnerstagabend im Restaurant mit.» Daneben arbeitet Maria Schilliger in der Kantine der Schilliger Holz AG mit. «Ich schöpfe die Menüs und wünsche allen persönlich en Guete.»

Neben der Arbeit kümmert sich Maria Schilliger leidenschaftlich gerne um Blumen, schwimmt und tanzt mit Senioren Line Dance zu Countrymusik. Spricht Maria Schilliger übers Tanzen, strahlt sie. «Ich liebe englischen Walzer, Tango und Foxtrott. Tanzen ist für mich die schönste Sportart.»

Und ihr berufliches Erfolgsrezept? «Immer freundlich, flexibel, zuvorkommend und hilfsbereit sein.» Dann öffnet sie die geschnitzte Lärchenholztüre und begrüsst einen Gast. Ihr 50-Jahr-Jubiläum feiert Maria Schilliger nicht. Sie arbeitet wie gewohnt weiter. Ihr einziger Wunsch: «Mein Serviertüchlein und die Jasskarten muss mir meine Familie in die Ewigkeit mitgeben.»

Edith Meyer

kanton@luzernerzeitung.ch

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