HANDBALL: Die «Emotionale» gegen die «Grosse»

Zug gegen Nottwil ist auch das Duell zwischen Katrine Morell (23) und Laura Innes (24). Beide Teams setzen im heute beginnenden Playoff-Final auf ausländische Goalies.

Stephan Santschi
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Wer gewinnt das Torhüterinnen-Duell? Katerine Morell (Spono Nottwil/links) oder Laura Innes (LK Zug)? (Bild: Michael Wyss)

Wer gewinnt das Torhüterinnen-Duell? Katerine Morell (Spono Nottwil/links) oder Laura Innes (LK Zug)? (Bild: Michael Wyss)

Katerine Morell (23)

Ramon Schärli, Nottwils Sportchef, war vorsichtig, als er sich vor der Saison zur Verpflichtung von Katrine Morell äusserte. Es handle sich nicht um einen Toptransfer, der neue Goalie aus Dänemark sei eher eine Ergänzung. Ein paar Monate später sagte Trainer Mirko Funke über die gleiche Spielerin: «Sie kann sich in ein Spiel hineinsteigern. Sie versteht es, ihre Paraden zu verkaufen. Dann ballt sie die Faust, sorgt auf der Tribüne für Emotionen. Aus einer Abwehrquote von 35 oder 40 Prozent werden so gefühlte 50 Prozent. Solch eine Spielerin haben wir uns immer gewünscht.»

Au-pair-Mädchen in Reidermoos

Zwei Aussagen, die zeigen: Katrine Morell hat in Nottwil voll eingeschlagen. Die 23-jährige Dänin kam im letzten Sommer aus der Hafenstadt Naestved, rund 90 Kilometer von Kopenhagen entfernt, in die Schweiz. Sie trat bei einer Familie in Reidermoos eine Stelle als Au-pair-Mädchen an und entschied sich damit gegen ein Studium (Ernährung und Sport) in Dänemark. «Es war ein guter Entscheid. Alles ist perfekt hier», sagt Morell. In Reidermoos macht sie tagsüber die Arbeit in einem Haushalt mit vier Kindern, in Nottwil fördert sie abends ihre handballerischen Qualitäten. Die haben sich seit ihrem Wechsel zu Spono verbessert, findet Morell selber. «In Dänemark habe ich viel an der Zusammenarbeit mit dem Block gearbeitet. Bei Spono wird hingegen oft der freie Abschluss trainiert. Gerade bei Gegenstössen oder Würfen vom Kreis habe ich deshalb Fortschritte gemacht», erzählt die 1,70 Meter grosse Torhüterin, die bei Silkeborg-Voel in der 3. und 2. dänischen Liga spielte. Die Kommunikation in Nottwil war von Beginn weg kein Problem, weil Goalietrainerin Claudia Dissing in Dänemark spielte und Dänisch spricht.

«Das ist keine Show»

Doch wie ist das nun mit den Emotionen, die sie ins Spiel bringt und die Spono-Trainer Mirko Funke so schätzt? Morell lacht und sagt: «Das ist keine Show, das ist echt. So war ich immer. Auf diese Weise komme ich zu Energie. Meine Teamkolleginnen haben das positiv aufgenommen. Sie wissen, dass hinter ihnen ein Goalie steht, der die Bälle halten kann.» Abgeschaut habe sie dieses Verhalten bei Kasper Hvidt, dem ehemaligen dänischen Weltklassekeeper. Zufrieden gibt sie sich mit dem bisher Erreichten aber nicht. Morell will den Nottwilerinnen mit ihren Paraden nun zum Sprung an die Spitze des Schweizer Handballs verhelfen. Heute Abend beginnt in Zug der Playoff-Final in der Meisterschaft (Best of 5), am übernächsten Wochenende trifft man im Halbfinal des Schweizer Cups ebenfalls auf die Zugerinnen. «Unser Topteam ist auf jeder Position bereit. Wir freuen uns sehr auf die Finalzeit», sagt Katrine Morell.

Laura Innes (24)

Wer der Favorit ist? Sicher wir. Ich sage nie, dass der Gegner der Favorit ist. Das wäre doch doof.» Zugs Goalie Laura Innes erläutert mit der ihr eigenen Offenheit die Ausgangslage für den heute beginnenden Playoff-Final gegen Spono Nottwil (19.30, Sporthalle). Und das ist auch gut so. Schliesslich ist Zug der Titelverteidiger, schliesslich steigt Zug dank dem ersten Rang in der Finalrunde mit dem Heimvorteil in die Best-of-5-Serie. Doch Innes weiss auch, dass das Kräfteverhältnis sehr ausgewogen ist: «Am Ende hat nur die Tordifferenz über Rang eins entschieden. Es wird ein mega-enger Kampf werden.»

Innes: Dank Olympia zum Handball

Die 24-jährige Engländerin ist einer der Gründe für die aktuelle Vormachtstellung des LK Zug. Mit ihren 1,82 Metern ist sie im Tor eine imposante Erscheinung. «Ich habe mittlerweile viel mehr Präsenz im Tor», sagt Innes und führt dies auf Torhüter-Trainer Lubomir Svajlen, den ehemaligen Goalietrainer des Schweizer Männer-Nationalteams, zurück. «Taktisch und technisch lerne ich viel von ihm. Das ist wichtig, weil ich nie eine Grundschulung hatte. Ich habe sehr spät mit Handball begonnen. In England musste ich einfach die Bälle halten, egal wie», erzählt Innes.

Zum Handball stiess Innes im Vorfeld der Olympischen Spiele in London im Jahr 2012, als der Gastgeber sich anschickte, eine konkurrenzfähige Truppe zusammenzustellen. Man war auf der Suche nach gross gewachsenen Spielerinnen. Und fand unter anderem Laura Innes, die sich im Internet mit einem Bewerbungsschreiben angeboten hatte. «Mit 18 Jahren verliess ich mein Zuhause und ging mit der britischen Auswahl nach Dänemark in die Vorbereitung», berichtet Innes. Schliesslich verpasste sie das 14er-Kader für Olympia nur knapp. Ausschlaggebend für das Scheitern waren drei Bandscheibenvorfälle und eine Rückenoperation, die Innes während eineinhalb Jahren ausser Gefecht gesetzt hatten. Deshalb absolvierte sie in ihrer ersten Saison für den LKZ im Jahr 2010 auch nur ein einziges Spiel.

Ausbildung zum Personal Trainer

2012, nach Olympia, kehrte sie zum LK Zug zurück und gewann sogleich den Meistertitel. Neben dem Sport arbeitete sie zunächst als Au-pair-Mädchen, nun ist sie in einer zweisprachigen Kinderkrippe angestellt, ab Sommer erhofft sie sich nach abgeschlossener Ausbildung eine Stelle als Personal Trainer. Sportlich avancierte sie im Tor des LKZ zum besten Goalie in der Schweiz. Der Rücken behindere sie nicht mehr, versichert Innes. Die in Leeds geborene und in Birmingham aufgewachsene Engländerin ist also bereit, wenn es heute darum geht, gegen Spono den ersten Sieg einzufahren. Als Favorit, versteht sich.