Heftige Kritik an der neuen Ausstellung

Gegen die neue Dauerausstellung des Forums Schweizer Geschichte regt sich Widerstand. Ob der spielerischen Art gehe die Relevanz verloren, findet ein Historiker.

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Tote, künstliche Kuh als Symbol für Fehden zwischen den alten eidgenössischen Ständen. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)

Tote, künstliche Kuh als Symbol für Fehden zwischen den alten eidgenössischen Ständen. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)

Während sieben Monaten wurde das Forum Schweizer Geschichte in Schwyz dieses Jahr umgebaut - und am vergangenen Wochenende feierlich eröffnet. 4,25 Millionen Franken wurden in die neue Dauerausstellung «Entstehung Schweiz» vom Eidgenössischen Departement des Innern investiert. Mit verstärkter Interaktivität möchte das Forum Schweizer Geschichte explizit auch Kinder ansprechen.

Das neue Ausstellungskonzept passt jedoch nicht allen. Ein Assistent für mittelalterliche Geschichte an einer Westschweizer Universität kritisiert die Dauerausstellung scharf.

Mit der Ausstellung werde ein falsches Bild von den Anfängen der Schweiz vermittelt werde. «Bei der ganzen ‹spielerischen Art› sind die Korrektheit der Aussage und die Relevanz für die Schweizer Geschichte völlig unter die Räder geraten» so der Historiker. «Das Bild der Schweiz wird vereinfacht und verzerrt dargestellt, die Ergebnisse der Geschichtsforschung der letzten 30 Jahre schlicht ignoriert.»

Erika Hebeisen, Kuratorin im Schweizerischen Nationalmuseum und Historikerin für die frühere Neuzeit, kann die Kritik an der Ausstellung nicht nachvollziehen. «Bei gewissen Personen existiert die Vorstellung, dass Museen Schaufenster der Wissenschaft sein müssen», sagt sie. «Das sehe ich nicht so. Man kann in einem Museum nicht einfach die Wissenschaft abbilden, sonst würden die Wissenschaftler letztlich mit sich selber kommunizieren.»

Vielmehr sehe sie die Ausstellung als eine visuelle Gestaltung zur Wissensvermittlung. Denn Museen könnten nur von den Besuchen von Fachleuten nicht überleben, sie müssten ein breites Publikum ansprechen.

Andreas Oppliger

<em>Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der Zentralschweiz am Sonntag.</em>

Der künstliche Wald als Geschichte der Waldstätte im 12. bis 14. Jahrhundert, mit virtueller Mueseumsführerin und Relikt eines Schwertes. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)
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Esel als Lasttier im 12. bis 14. Jahrhundert. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)
Tote, künstliche Kuh als Symbol für Fehden zwischen den alten eidgenössischen Ständen. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)
Ein Marktstand aus dem 13. Jahrhundert mit Gewürzen und Stoffen. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)
Der künstliche Wald als Geschichte der Waldstätte im 12. bis 14. Jahrhundert, mit künstlichen Bäumen, die sich öffnen lassen. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)
Virtuelle Begehung eines Saumweges. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)
Virtuelle und reale Mueseumsführerin. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)
Schild des Arnold von Brienz aus dem Kloster Seedorf um 1180-1225. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)
Ein lebensgrosse Figur eines Ritters, mit Originalkostümierung von 1390. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)
Ein liturgisches Buch von 1300. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)
Blick in die Ausstellung. (Bild: Keystone)
Blick in die Ausstellung. (Bild: Keystone)
Blick in die Ausstellung. (Bild: Keystone)
Blick in die Ausstellung. (Bild: Keystone)
Blick in die Ausstellung. (Bild: Keystone)
Blick in die Ausstellung. (Bild: Keystone)
Blick in die Ausstellung. (Bild: Keystone)
Blick in die Ausstellung. (Bild: Keystone)
Blick in die Ausstellung. (Bild: Keystone)
Blick in die Ausstellung. (Bild: Keystone)
Blick auf die Ritter-Grabplatte mit Harnischwand (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)
Blick in die Ausstellung (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)
Blick in die Ausstellung (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)
Blick auf den Marktstand (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)
Skriptorium (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)
Medienstation «Kleiner Ritter» Kinder können in der Ausstellung mittelalterliche Waffen und Rüstungen nicht nur ansehen, sondern diese auch anfassen und anziehen. Im «Ritterraum» dürfen sie sich als edle Dame oder mit Helm und Harnisch als Ritter bekleiden und fotografieren lassen. (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)
Olifant: 1199 schenkt Graf Albrecht III. von Habsburg dem Kloster Muri ein kostbares Elfenbeinhorn als Reliquienbehältnis. Kunstvoll beschnitzte Jagd- oder Signalhörner aus Elfenbein sind Insignien der Macht und Statussymbole erster Güte. Die meisten stammen aus byzantinischen oder islamischen Werkstätten. Jagd- oder Signalhorn, 11. Jhd oder 1. Hälfte 12. Jhd., Elfenbein. (Bild: pd/Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer)
Bündnis der Waldstätten: Ein wichtiges Bündnis schliessen Uri, Schwyz und Unterwalden sechs Jahre nach ihrer Formierung als Reichsvogtei «Waldstätten». Der im Dezember 1315 unterzeichnete Vertrag fördert das Wirtschaften am Vierwaldstättersee und sichert den Gotthardtransport. Bündnisurkunde, wohl zeitgenössische Abschrift, datiert 1316 (Bild: pd/Staatsarchiv Obwalden)
Kopfschutz: Der im ausgehenden 14. Jahrhundert von Adligen getragene, rund 2,5 Kilogramm schwere Helm deckt das Gesicht vollständig ab. Um dem Träger das Atmen zu erleichtern, wird das Visier zur «Hundeschnauze» verlängert. Zwei rechteckige, horizontale Sehschlitze gewähren die nötige Sicht. Hundsgugelhelm, um 1400, Eisen getrieben (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)
Ritterliche Repräsentation: Der Schild mit dem Wappen der Herren von Brienz trägt Kampfspuren. Er ist einer der ältesten erhaltenen Schilde des Mittelalters. Das Adelsgeschlecht von Brienz verfügt in der Innerschweiz, also auf dem Weg zum Gotthard, über Lehensrechte. Schild des Arnold von Brienz, Seedorf, 1180-1225, Erlenholz, Leder, bemalt und blattversilbert. (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)
Andacht und Kunst: Das Graduale ist das grösste liturgische Buch. Es vereint die Gesänge der Messe, die vom Chor lateinisch vorge-tragen werden. Das Exemplar aus dem Frauenkloster St. Katharinental gehört zu den bedeutendsten gotischen Kunstwerken seiner Zeit. Dominikanerinnenkloster St. Katharinental, Diessenhofen, um 1300, Pergamenthand-schrift, Einband 15. Jahrhundert. (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)
Adelsgesellschaft: Nur Adlige haben das Recht auf Wappen, auf erbliche Zeichen ihres Geschlechts. Die Wappenrolle zeigt 28 Banner von Bistümern und 559 Wappen von hohen und niederen Adelsgeschlechtern vor allem aus dem Südwesten des Reiches. Im Zentrum das Wappen der Habsburger mit drei übereinanderliegenden roten Blumen. Wappenrolle, wohl Konstanz, um 1330, Pergament (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)
Neue Münzen: Im Hochmittelalter werden in Europa nur Silberpfennige geprägt. Mit dem Aufschwung des Handels steigt der Bedarf nach Münzen mit stabilem und höherem Wert. So prägt Venedig Ende des 12. Jahrhunderts die ersten Silbergroschen im Wert von mehreren Pfennigen. 1252 führen Genua und Florenz Goldmünzen ein, den Genovino und den Fiorino (Gulden). Letzterer ist ein 3,54 Gramm schweres Goldstück, das zum «Dollar» des Spätmittelalters wird. Fiorino d'oro (Gulden), Florenz, 1341, Gold. (Bild: pd/Schweizerisches Nationalmuseum)

Der künstliche Wald als Geschichte der Waldstätte im 12. bis 14. Jahrhundert, mit virtueller Mueseumsführerin und Relikt eines Schwertes. (Bild: Andreas Oppliger / Neue SZ)

Denise Tonella, Historikerin und Mitgestalterin der Ausstellung, erklärt Bundesrat Didier Burkhalter, mit Gemahlin Fridrun Sabin und einer Schulklasse aus Schwyz die Ausstellung, links die Schwyzer Regierungsräte Kaspar Michel und Walter Stählin. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
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Andreas Spillmann, Direktor des Schweiz. Nationalmuseums mit Bundesrat Didier Burkhalter und Gattin Fridrun Sabin sowie Ivan Rickanbacher. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Bundesrat Didier Burkhalter verfolgt mit Interesse die Ausstellung. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Bundesrats-Gemahlin Fridrun Sabin Burkhalter übergibt Geschenke an die Schulklassen. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Bundesrat Didier Burkhalter, mit Gemahlin Fridrun Sabin am Festakt mit einer Delegation von zwei Schwyzer Schulklassen. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Denise Tonella, Historikerin und Mitgestalterin der Ausstellung, erklärt Bundesrat Didier Burkhalter, mit Gemahlin Fridrun Sabin und einer Schulklasse aus Schwyz die Ausstellung, links die Schwyzer Regierungsräte Kaspar Michel und Walter Stählin. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Denise Tonella, Historikerin und Mitgestalterin der Ausstellung, erklärt Bundesrat Didier Burkhalter, mit Gemahlin Fridrun Sabin und einer Schulklasse aus Schwyz die Ausstellung, links die Schwyzer Regierungsräte Kaspar Michel und Walter Stählin. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Denise Tonella, Historikerin und Mitgestalter der Ausstellung, erklärt Bundesrat Didier Burkhalter, mit Gemahlin Fridrun Sabin und einer Schulklasse aus Schwyz die Ausstellung, links die Schwyzer Regierungsräte Kaspar Michel und Walter Stählin. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Bundesrat Didier Burkhalter, mit Gemahlin Fridrun Sabin und die Schwyzer Regierungsräte Kaspar Michel (links) und Walter Stählin am Festakt. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Bundesrats-Gemahlin Fridrun Sabin-Burkhalter übergibt mit Bundesrat Didier Burkhalter Geschenke an die Schulklassen. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Applaus für die Festrede von Didier Burkhalter. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Regierungsrat Kaspar Michel, Fridrun Sabin und Didier Burkhalter sowie Ivan Rickenbacher im Gespräch (von links). (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Bundesrat Didier Burkhalter. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Bild: Erhard Gick / Neue SZ
Regierungsrat Walter Stählin. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Iwan Rickenbacher, Mitglied des Museumsrats. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
umrahmte die Eröffnungsfeier musikalisch: Frölein Da Capo. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)
Festansprache von Andreas Spillmann an der Eröffnungsfeier. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)

Denise Tonella, Historikerin und Mitgestalterin der Ausstellung, erklärt Bundesrat Didier Burkhalter, mit Gemahlin Fridrun Sabin und einer Schulklasse aus Schwyz die Ausstellung, links die Schwyzer Regierungsräte Kaspar Michel und Walter Stählin. (Bild: Erhard Gick / Neue SZ)