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Heidi Z’graggen auf dem Rütli: «Hier liegt die Seele der Schweiz»

Über 2000 Besucher haben auf der Rütliwiese den Geburtstag der Schweiz gefeiert. Das diesjährige Motto: Die Milizarbeit.
Julian Spörri
Heidi Z'graggen, Regierungsrätin Kanton Uri, spricht waehrend der Bundesfeier auf dem Rütli. (KEYSTONE/Alexandra Wey, Rütli, 1. August 2019)

Heidi Z'graggen, Regierungsrätin Kanton Uri, spricht waehrend der Bundesfeier auf dem Rütli. (KEYSTONE/Alexandra Wey, Rütli, 1. August 2019)

Um Punkt 8.40 Uhr verlässt das Motorboot Brunnen die gleichnamige Schiffsstation in Richtung Rütli. Viele der Personen an Bord tragen rot-weisse Kleidung oder ein Edelweisshemd, manche haben auch eine Schweizer Fahne dabei. Das überrascht nicht: Die Passagiere wollen zur 1.-August-Feier auf der Rütliweise. Das erste Schiff ist gut gefüllt – dies, obwohl das Fest erst um 11.30 Uhr eröffnet wird.

«Wir sind auf diesem Schiff, weil wir mit dem Tellchor auf der Rütliwiese für unseren Auftritt proben müssen», sagt Vreni Aepli aus Amriswil im Kanton Thurgau. Von dort bringt der Chor nicht nur seine Musik mit, sondern auch Äpfel, die an die Festbesucher verteilt werden – zum Beispiel an Stefan Streit. Der Burgdorfer sagt: «Wir sind früh angereist, damit wir sicher einen Parkplatz kriegen.» Halb im Spass fügt er hinzu:

«Jetzt wollen wir uns natürlich die besten Plätze auf der Rütliwiese sichern.»

Das ist eine gute Idee, wie sich später herausstellen sollte. Die Bundesfeier hat dieses Jahr nämlich einen Rekordaufmarsch erlebt. 2200 Personen hatten sich für den Besuch des Rütlis angemeldet – im Vorjahr waren 1600 Personen vor Ort. Passend zum Motto «Milizarbeit als Engagement für die Gesellschaft» haben zwei Verbände die Feier mitgestaltet: der Schweizerische Gemeindeverband (SGV), der das «Jahr der Milizarbeit» lanciert hat, und der Schweizerische Feuerwehrverband, der heuer sein 150-Jahre-Jubiläum feiert. «Beide Verbände konnten ihre Mitglieder sehr aktiv mobilisieren, sodass erstmals interessierte Gäste abgelehnt werden mussten », sagt Lukas Niederberger, Geschäftsleiter der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), die den Anlass wie jedes Jahr organisiert.

Die Zuschauer klatschen zu früh

Je höher die Sonne steigt, desto belebter wird die Rütliwiese: Während sich die Kinder auf der Hüpfburg austoben, trinken die Erwachsenen einen Kaffee oder öffnen den selbst mitgebrachten Weisswein. Dann beginnt die Musikgesellschaft Brunnen mit dem «Altdorfer Tellenmarsch» – die Feier ist offiziell eröffnet. Jetzt nehmen die letzten Besucher ihre Plätze ein. Der Präsident der SGG, Jean-Daniel Gerber, begrüsst alle – und wird mitten in seiner Aufzählung der Anwesenden von klatschenden Zuschauern unterbrochen. Als Gerber sein Grusswort abschliesst, fügt er darum hinzu: «Jetzt könnt ihr applaudieren.» Dafür erntet er die ersten Lacher.

Hoch lebe die Schweiz! Das weisse Kreuz auf rotem Grund war heute das wahrscheinlich beliebteste Symbol in der ganzen Schweiz – und natürlich vor allem auf dem Rütli. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)Hoch lebe die Schweiz! Das weisse Kreuz auf rotem Grund war heute das wahrscheinlich beliebteste Symbol in der ganzen Schweiz – und natürlich vor allem auf dem Rütli. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)
Viele Schaulustige zog es heute auf das Rütli. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)Viele Schaulustige zog es heute auf das Rütli. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)
Das Wetter meinte es gut mit den Besuchern, die Sonnenbrillen waren aufgesetzt. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)Das Wetter meinte es gut mit den Besuchern, die Sonnenbrillen waren aufgesetzt. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)
Bei so einer Bundesfeier darf natürlich auch die Politik-Prominenz nicht fehlen: Heidi Z'graggen nach ihrer Rede mit einem Blumenstrauss. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)Bei so einer Bundesfeier darf natürlich auch die Politik-Prominenz nicht fehlen: Heidi Z'graggen nach ihrer Rede mit einem Blumenstrauss. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)
Einst war die Urnerin Bundesratskandidatin, heute sprach sie an einem geschichtsträchtigen Ort zum Schweizer Volk. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)Einst war die Urnerin Bundesratskandidatin, heute sprach sie an einem geschichtsträchtigen Ort zum Schweizer Volk. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)
Das Rütli ist auch immer ein guter Ort, um Traditionen zu pflegen. Hier wartet Lisa Stoll lächelnd auf ihren Auftritt mit dem Alphorn. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)Das Rütli ist auch immer ein guter Ort, um Traditionen zu pflegen. Hier wartet Lisa Stoll lächelnd auf ihren Auftritt mit dem Alphorn. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)
Ein grosser Kraftakt und trotzdem ein wunderbarer Klang: Lisa Stoll am Alphorn. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)Ein grosser Kraftakt und trotzdem ein wunderbarer Klang: Lisa Stoll am Alphorn. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)
Die Feier stand im Zeichen des Schweizer Milizsystems. Hier hantieren junge Feuerwehrleute mit einem Schlauch. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)Die Feier stand im Zeichen des Schweizer Milizsystems. Hier hantieren junge Feuerwehrleute mit einem Schlauch. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)
Selbst die Kleinsten waren in rot-weisser Montur. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)Selbst die Kleinsten waren in rot-weisser Montur. (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)
Fahnenschwinger auf dem Rütli. Geht es für die Schweiz in den nächsten Monaten auch so hoch hinaus? (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)Fahnenschwinger auf dem Rütli. Geht es für die Schweiz in den nächsten Monaten auch so hoch hinaus? (Bild: Nadia Schärli, Rütli, 1. August 2019)
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Auf dem Rütli wird die Schweiz gefeiert

Hannes Germann, Präsident Schweizerischer Gemeindeverband und SVP-Ständerat aus Schaffhausen, hebt in seiner Rede die positiven Aspekte der ehrenamtlichen Arbeit hervor: «Die Milizarbeit eröffnet – ob in der Politik, in Vereinen oder anderen Organisationen – neue Horizonte.» Und sie bringe, gerade in einer Zeit der zunehmenden Individualisierung und des Rückzugs in «Social-Media-Parallelwelten», neue und verlässliche Freundschaften. Er betont:

«Die Milizarbeit gehört zur DNA unseres Landes und ist für die Schweiz unverzichtbar.»

Damit der Milizgedanke auch in den nachfolgenden Generationen Bestand hat, präsentiert Germann die Idee der Miliz-Influencer. Das Prinzip dahinter ist einfach: Junge, ehrenamtlich tätige Menschen sollen ihre Altersgenossen für freiwillige Ämter mobilisieren.

Fehlender Nachwuchs ist beispielsweise bei der Feuerwehr Seelisberg ein Thema. Sie präsentiert sich auf der Rütliwiese den Besuchern. Oberleutnant Rolf Huser sagt: «Zu meiner Zeit ist mit 18 Jahren jeder im Dorf in die Feuerwehr gegangen. Heute ist das anders, der Nachwuchs schwankt stark mit den Jahrgängen.» Laurent Wehrli, Feuerwehrverband-Präsident und FDP-Nationalrat aus der Waadt, nimmt die Thematik in seiner Rede auf: « Das Milizsystem bietet allen die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten zum Wohle der Gesellschaft einzusetzen. Lasst uns andere motivieren, dieser Verpflichtung zu folgen.» Wehrli verhehlte aber nicht, dass Freiwilligenarbeit auch Opfer verlange, nicht zuletzt von Seiten der Familien.

Die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen (CVP) spricht in ihrer Festrede – wie könnte es auch anders sein – ebenfalls über die Milizarbeit. Sie weist auf die Bedeutung der Wertschätzung hin: «Wir müssen sicher über bessere Bedingungen für die Milizarbeit diskutieren, wie die Höhe der Entschädigung, Steuerentlastungen oder Anerkennung der Milizarbeit als Weiterbildung. Vordringlich ist aber die Wertschätzung des Einsatzes von so vielen Menschen für die Gemeinden und Vereine.»

Neue Hymne findet weniger Anklang

Abwechselnd in deutscher, englischer und französischer Sprache geht Z’graggen auf die Bedeutung des Rütlis ein: Die Heldengeschichte von Wilhelm Tell sei zwar in das Land der Mythen verwiesen, trotzdem bleibe die Erzählung in unserem Herzen. Die Urnerin führt aus:

«Schlägt in Zürich, in Genf oder in Zug das wirtschaftliche Herz der Schweiz, so liegt auf dem Rütli gleichsam die Seele der Schweiz.»

Bald landet Z’graggen in der Politik: genauer beim «vieldiskutierten Vertrag mit Europa». Die kleine, innovative Schweiz gehe mutig ihren Weg und sei ein verlässlicher Partner in der Mitte Europas, das seine guten Dienste auf der ganzen Welt anbiete. Europa profitiere von dieser Partnerschaft, weil die Schweiz und ihre Bewohnerinnen und Bewohner die Lasten eines Zentrumlandes auch im Interesse Europas tragen würden. Die Festrednerin betont auch den Föderalismus, der glücklich mache und der die Grundlage für den Erfolg unseres Landes sei. Die Rede von Z’graggen wird mit viel Applaus belohnt – und einem föderalistischen Blumenstrauss aus 26 Rosen. Diesen überreicht die Moderatorin Esther Girsberger. Zwischen den Reden sorgt ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für Unterhaltung: Mal treten Fahnenschwinger auf, dann lässt die Alphornistin Lisa Stoll die Zuschauer zurücklehnen. Auch eine Jugendfeuerwehr demonstriert ihr Können.

Nach dem Plädoyer der Gemeindepräsidentin von Illanz/Glion, Carmelia Maissen, folgt der traditionelle Abschluss der Feier: das gemeinsame Singen der Hymne. Wie in den letzten Jahren singen die Feiernden begleitet von der Musikgesellschaft Brunnen zuerst die erste Strophe der Nationalhymne. Weiter geht es mit der neuen Fassung, welche die SGG zur offiziellen Hymne machen will. Letztere stösst aber auf deutlich weniger Anklang – nur vereinzelt wird der Text mitgesungen.

Das ist aber nur eine Randnotiz. Die Zuschauer sind nach der Feier zufrieden: «Die Rütlifeier ist immer ein spezieller Anlass», sagt Urs Ditzler aus Seelisberg. Nächstes Jahr sei er wieder dabei – wie eigentlich immer.

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