Heilende Kräuter aus dem Klostergarten

Ein in schönsten Farben blühender Garten gehört zum Kloster Maria-Rickenbach in Niederrickenbach. Bekannt sind die Produkte aus dem Kräutergarten.

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Schwester Brigitta Graf schneidet die Kräuter. (Bild: Rosmarie Berlinger)

Schwester Brigitta Graf schneidet die Kräuter. (Bild: Rosmarie Berlinger)

Blumen, Gemüse, Kräuter bilden die reiche Vielfalt des Gartens des Benediktinerinnen-Klosters auf Niederrickenbach. Kann ein Garten auf einer Höhe von rund 1100 Metern über Meer überhaupt für eine Ernte garantieren? Ja er kann, und das seit bald 100 Jahren.

Im Jahre 1913, als das Kloster arm war, aber viel Schwesternnachwuchs verzeichnete, suchte man nach einer für das Ordensleben passenden Arbeits- und Verdienstquelle. Der damalige Spiritual, Pater Joachim Rütsche aus dem Kloster Engelberg, hatte die Idee, eine Kräuterei einzurichten. Die Frau Mutter und die Schwestern liessen sich davon begeistern. Es wurde entschieden, den schon damals bekannten Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857–1945) als Berater für die Heilpflanzen-Medizin beizuziehen. 1914 reisten sogar zwei Schwestern nach Wangs, um bei Pfarrer Künzle Wichtiges und Wissenswertes über die Heilkräuterkunde zu erfahren und zu studieren. «So wie damals werden unsere vielen Kräuter aus dem Garten sowie diejenigen, die wir in der freien Natur in der Umgebung pflücken, heute noch immer nach der Methode von Kräuterpfarrer Künzle verarbeitet», erzählt Schwester Maria Brigitta Graf. Sie betreut seit 12 Jahren den Kräutergarten und die Kräuterei als umsichtige Verantwortliche, nachdem ihre Vorgängerin Schwester Maria Felizitas Wink altershalber diesen Bereich aufgeben musste.

Ora et labora

Die Schwesterngemeinschaft im Kloster Maria-Rickenbach lebt nach der Regel des heiligen Benedikt: «Ora et labora» – «Bete und arbeite». Diese Regel bestätigt sich bei einem Rundgang mit Schwester Maria Brigitta Graf im Klostergarten eindrücklich. Gerade liegen im Vorbereitungsraum grosse Büschel Odermennig (für Entfettungs-Teemischung) bei der Schneidemaschine bereit. Anschliessend komme dieser wie alle Kräuter zum Dörrprozess auf den sterilen Dachboden, erklärt sie.

Auf der Fortsetzung des Rundgangs gibt es viel zu bestaunen und zu riechen – beispielsweise grosse Beete mit Melisse, Zitronenmelisse, Goldmelisse, Pfefferminze, Thymian, Schafgarbe, Ringelblume, Arnika, Walwurz, Lavendel und andere mehr. «So blaue Lavendelblüten wie bei uns finden Sie sonst nirgends», freut sich die Kräuterverantwortliche Schwester Maria Brigitta Graf.

Schwester Brigitta Graf schneidet die Kräuter. (Bild: Rosmarie Berlinger)

Schwester Brigitta Graf schneidet die Kräuter. (Bild: Rosmarie Berlinger)

Im gleichen Zug erklärt sie, dass die in den klostereigenen Gärten gepflanzten Heilkräuter strikt nach den Methoden des biologischen Anbaus kultiviert und wenn immer möglich selber vermehrt werden, sei es mit der Aussaat gesammelter Samen, Selbstversamung, Wurzelteilung oder mittels Stecklingen. «Für die Qualität der Kräuter sind sehr viele Punkte von Bedeutung», hält Schwester Maria Brigitta fest. Die Inhaltsstoffe von Heilpflanzen würden oft ganz erheblich differieren, wobei die Unterschiede von genetischen Faktoren, vom Klima, von der Bodenqualität und von anderen äusseren Faktoren abhängig seien. Auch der richtige Zeitpunkt der Ernte sei von Bedeutung. Daneben seien ein sorgfältiges Trocknen und die richtige Lagerung ganz wichtig. Aus 10 Teesorten kann der Kunde im Klosterladen auswählen oder die Produkte per Post bestellen.

Helfende Hände im Gemüsegarten

Es ergibt sich auch noch ein Blick in den Gemüsegarten. Schwester Maria Ursula Huser und Ursula Wetter, eine Ferienaushilfe, sind hier bei der Kartoffelernte im Einsatz. «Ein so grosser Garten wie der unsrige gibt viel Arbeit», Schwester Maria Brigitta. «Darum sind wir für helfende Hände von Freiwilligen, die zupacken können, dankbar. Das Leben in der Gemeinschaft strahlt aus und zieht immer wieder Gäste an, die Ruhe suchen oder bereit sind, im Rhythmus des Klosters den Tag zu verbringen, mitzuarbeiten und mitzubeten». – «Ora et labora zwischen Himmel und Erde», ergänzt sie.

Rosmarie Berlinger / Neue NZ

Alte Tradition

Die Segnung der Heilkräuter und Blumen besitzt im Kloster einen hohen Stellenwert. In der früh morgendlichen Messe am Fest Mariä Himmelfahrt (15. August) werden diese vom Priester gesegnet. Einmal weil sie als Gabe Gottes zur Freude und Gesundheit seiner Geschöpfe beitragen, zum andern weil sich in diesem Geschenk die Liebe Gottes zu den Menschen widerspiegelt. Ausgewählte Kräuter und Blumen werden jedes Jahr zur Segnung auf einem Tisch bereit gestellt.

Ursula Wetter, Maria Ursula Huser und Maria Brigitta Graf bei der Kartoffelernte im Kloster Maria Rickenbach. (Bild: Rosmarie Berlinger / Neue NZ)

Ursula Wetter, Maria Ursula Huser und Maria Brigitta Graf bei der Kartoffelernte im Kloster Maria Rickenbach. (Bild: Rosmarie Berlinger / Neue NZ)