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HERDENSCHUTZ: Schwyzer Schafe sind dem Wolf ausgeliefert

Wölfe streifen oftmals vom Calandamassiv durch den Kanton Schwyz. Schützen Bauern ihre Tiere mit Hunden, verstossen sie gegen die Leinenpflicht – und können angezeigt werden. Selbst die zuständige Behörde findet das stossend.
Stephanie Zemp
Schutzhunde laufen auf Alpweiden frei herum, um die Herde zu schützen – in Schwyz ist das wegen der Leinenpflicht nicht erlaubt. (Symbolbild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Schutzhunde laufen auf Alpweiden frei herum, um die Herde zu schützen – in Schwyz ist das wegen der Leinenpflicht nicht erlaubt. (Symbolbild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Schwyz kennt als einziger Kanton in der Schweiz eine generelle Leinenpflicht für Hunde. Die Regelung im kantonalen Hundegesetz ist streng: Einzig Hunde beim Viehtrieb sind vom Obligatorium ausgenommen. Keine Ausnahme dagegen gibt es für die Herdenschutzhunde, die das Vieh vor Grossraubtieren wie Wolf oder Luchs schützen sollen. Damit steht das kantonale Gesetz aus dem Jahr 1983 im Widerspruch zu der nationalen Jagdverordnung, welche den Einsatz von Herdenschutzhunden ausdrücklich fördert.

Aus Sicht des Schwyzer Amts für Landwirtschaft, das den Bauern optimale Bedingungen für den Herdenschutz bieten will, ist dies stossend: «Ausgerechnet diejenigen, die sich für den Herdenschutz einsetzen, laufen Gefahr, sich einem Rechtsstreit auszusetzen», sagt Vorsteher Benno Reichlin auf Anfrage. Gemäss dem kantonalen Ordnungs­bussengesetz wird ein Verstoss gegen die Leinenpflicht mit einer Busse von 100 Franken bestraft. Käme es zu einer Anklage, zum Beispiel durch einen gebissenen Wanderer, müsste sich der Halter vor Gericht verantworten. Dabei ginge nationales Gesetz dem kantonalen eigentlich vor. Den zuständigen kantonalen Behörden ist der Widerspruch bekannt, sagt Reichlin. Die Forderung nach einer Änderung müsse jedoch aus der Politik kommen.

Im Jahr 2014 haben zwei Kantonsräte eine Interpellation eingereicht, um zu klären, inwiefern das kantonale Hundegesetz auch für Herdenschutzhunde gilt. Die Antwort des Regierungsrates stellte klar, dass die Herdenschutzhunde «vollständig dem strengen kantonalen Hundegesetz» unterstehen. Es untersagt, dass Hunde unbeaufsichtigt öffentlich umherlaufen dürfen. Zwar seien Alpweiden nicht als öffentlicher Grund zu betrachten. Dennoch müsste sich ein Halter rechtlich dafür verantworten, wenn sein Herdenschutzhund einen Schaden anrichtet, so der Regierungsrat. Er müsste nachweisen, dass er die nötigen Sorgfaltspflichten eingehalten hat. Dazu gehöre die Auszäunung von öffentlichen Wanderwegen oder das Aufstellen von Informationstafeln, welche auf die Präsenz von Herdenschutzhunden hinweisen. Seither ist das Thema auf der politischen Agenda im Zusammenhang mit Herdenschutzhunden nicht mehr aufgetaucht. Vorstösse zur Abschaffung der Leinenpflicht für alle Hunde wurden letztmals im Jahr 2015 eingereicht.

Drei Betriebe setzen Schutzhunde ein

Bisher ist es in Schwyz noch zu keiner Meldung wegen Personenschäden durch Herdenschutzhunde gekommen, wie Kantonstierarzt Andreas Ewy sagt. Allerdings: «Herdenschutzhunde sind stark auf den Schutz von Schafen ausgerichtet», erklärt er. Dabei unterscheiden sie weniger zwischen vier- und zweibeinigen potenziellen «Eindringlingen». Allerdings werde heute in der Ausbildung der Herdenschutzhunde vermehrt auf den Umgang mit Menschen geachtet, weiss Ewy.

Insgesamt drei Schwyzer Landwirtschaftsbetriebe halten aktuell Herdenschutzhunde. Die kantonale Bauernvereinigung hat im Vorstand bereits darüber gesprochen, dass man eine Gesetzesänderung anstreben müsste, erklärt Präsident Albin Fuchs (CVP). Dabei ginge es nicht um eine generelle Abschaffung der Leinenpflicht, sondern um eine Ausnahmeregelung für Herdenschutzhunde. Bis dahin müssen die Halter von Herdenschutzhunden weiter mit dem Risiko leben, dass sie angeklagt werden könnten.

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