HERGISWIL: Generationenwechsel zwischen Dampfern und «Raketen»

Damian Müller (30) löst Beat Fuchs als Präsident der Dampferfreunde ab. Geld sprach die GV für die Aufrüstung von zwei Schiffen.

Christoph Riebli
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Fuhren stilgerecht zur Generalversammlung vor: die Dampferfreunde gestern beim Verlassen des Dampfschiffs «Stadt Luzern» in Hergiswil. (Bild Pius Amrein)

Fuhren stilgerecht zur Generalversammlung vor: die Dampferfreunde gestern beim Verlassen des Dampfschiffs «Stadt Luzern» in Hergiswil. (Bild Pius Amrein)

«Aus den Dampfschiffen sollen keine ‹Marsraketen› werden.» Und: «Dem hätten die Vereinsgründer nie zugestimmt.» Man solle sparen für die nächste grosse Sanierung und nicht in die laufenden Betriebskosten der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) eingreifen. So lauteten zwei kritische Voten an der gestrigen 43. Generalversammlung der Dampferfreunde Vierwaldstättersee im Hergiswiler Loppersaal. Grund für den kurzen Aufruhr war die geplante Aufrüstung der Dampfschiffe DS «Schiller» und DS «Gallia» mit einem Dieselgenerator zur Stromerzeugung.

Vorteil: Mit dem Generator lässt sich der Treibstoffverbrauch um die Hälfte reduzieren, was die Differenz der Betriebskosten im Vergleich zu den modernen Motorschiffen verringert. Zudem würde die fahrplanmässige Einbindung der Dampfer durch die SGV verbessert – das Hauptziel des Vereins, der sich für die Erhaltung der fünf Schiffe einsetzt, die er in den 1970er-Jahren vor ihrer Verschrottung bewahrte. Trotz Gegenantrag wurde das 400 000-Franken-Geschäft von den 800 Dampferfreunden grossmehrheitlich gutgeheissen. Ein Check wurde an SGV-Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter überreicht.

Erfolgreiche «Gratwanderung»

Unter einen Hut gebracht hat die unterschiedlichen Befindlichkeiten im Spannungsfeld zwischen technischen Neuerungen und der mit den Dampfschiffen verbundenen Nostalgie der abtretende Präsident, Beat Fuchs. Zusammen mit seinen Vorstandskollegen führte er auch die Verhandlungen zum Weiterbetrieb der Schiffe mit der SGV. «Es ist eine Gratwanderung», betonte Fuchs gestern während der Diskussion zur technischen Aufrüstung der alten Dampfer. Für sein leidenschaftliches Engagement in den letzten 15 Jahre gabs für Fuchs von der Versammlung Standing Ovations und die Ehrenmitgliedschaft.

In seinem letzten Rechenschafts­bericht bezeichnete der vormalige Nidwaldner Regierungsrat das Jahr 2014 als «Jahr der Neuausrichtung». Einerseits wurde mit der SGV im letzten Herbst eine partnerschaftliche Vereinbarung abgeschlossen und damit die Erhaltung der Dampfschiffe längerfristig sichergestellt. Andererseits entschloss sich Fuchs, sich nach dem 40-Jahre-Jubiläum des Vereins und der abgeschlossenen Gesamtsanierung des DS «Unterwalden» auf die Nachfolgersuche zu machen.

30-Jähriger übernimmt Ruder

Sowohl die eingesetzte Kommission wie auch die Versammlung wurden fündig: Einstimmig wurde gestern der 30-jährige Seetaler und FDP-Kantonsrat Damian Müller als Präsident gewählt – der Generationenwechsel im Vorstand ist eingeläutet. «Es ist wichtig, dass man sich zurückbesinnt, was in den letzten 43 Jahren für Herausforderungen auf die Dampferfreunde zugekommen sind», meinte Müller. Es sei aber auch wichtig, andere Generationen anzusprechen, gerade was die Mitgliederbasis betreffe, um diese noch ausbauen zu können (aktuell ca. 11 000 Mitglieder). «Die Herausforderungen werden nicht kleiner. Im Gegenteil. Sie werden mit der Entwicklung der Technik immer grösser.» In der Tourismusregion Zentralschweiz müsse man deshalb zusammenarbeiten, damit die Dampfschiffe erhalten blieben.

«Es ist die Kombination von Natur und Landschaft, die man auf dem historischen Schiff erfährt», erklärt er seine Faszination für die Seegefährte. Zu sehen, wie ein Dampfschiff betrieben werde, sei unheimlich faszinierend. «Schon als kleiner Bub, als ich zum ersten Mal ins Herz eines Dampfers sah, erging es mir so», erinnert er sich an einen Familienausflug in den 1980er-Jahren. Die anhaltende Leidenschaft, wie sie der Vorstand besitze, sei notwendig, um auch die Mitglieder «zum Mitziehen» zu bringen.
 

Christoph Riebli

 

Verein geht es finanziell gut

Geschäfte cri. Wie Kassier Werner Meier ausführte, steht es prächtig um die Finanzen der Dampferfreunde. Mit Rückstellungen aus der Jahresrechnung 2014 von 300 000 Franken belaufen sich Vermögen und Reserven auf etwas mehr als 3 Millionen Franken.
Sämtliche Vorstandsmitglieder wurden für zwei Jahre wiedergewählt, die langjährigen Mitglieder Martin Rist und Jörg Hartmann verabschiedet, Letzterer als Ehrenmitglied. Nebst Damian Müller wurde Lukas Blätter (42), Jurist aus Zürich, neu in den Vorstand gewählt.