HERRENHÄSUER: «Schumi» beim Holzhof als Käufer abgeblitzt

Aristokraten, Bauern, aber auch Spekulanten lebten im stolzen Holzhof bei Neuenkirch. Das Gut von 1330 ist einst fast zum «Bundesratssitz» geworden.

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Der Holzhof bei Neuenkirch wird im Jahr 1330 erstmals schriftlich erwähnt. (Bild: Andreas Z'Graggen)

Der Holzhof bei Neuenkirch wird im Jahr 1330 erstmals schriftlich erwähnt. (Bild: Andreas Z'Graggen)

«Ein in der lucernischen Grafschaft Rothenburg, zwey Stund von der Stadt Lucern gegen Abend liegendes Gut, allwo die Herren von Sonnenberg ein feines Lust- und Campagne-Haus vor weniger Zeit erbaut hatten.» Das schrieb 1758 der Kupferstecher David Herrliberger, und mit «Gut» war der Holzhof gemeint. Der Herrensitz steht links der alten Strasse von Luzern nach Basel, im äussersten Zipfel der Gemeinde Emmen, leicht erhöht und mit grossartiger Aussicht auf den Pilatus und die den Luzerner Hausberg flankierenden Voralpen. Besitzer des Holzhofs ist Alois Niederberger, der die Liegenschaft vor wenigen Jahren vom Vater, auch ein Alois, erworben hat und dort, zusammen mit seiner Frau und den nach wie vor rüstigen Eltern, einen 22 Hektaren grossen Landwirtschaftsbetrieb führt.

Armenanstalt geplant

1906 hatte die Familie Niederberger, aus Wolfenschiessen stammend, den Holzhof erworben. Das feierte man 50 Jahre später mit einem grossen Fest, zu dem die Niederbergers Nachkommen der früheren Besitzer einluden. Nicht vertreten, weil längst ausgestorben, war die Familie Cloos, die ersten aristokratischen Besitzer der 1330 erstmals erwähnten Liegenschaft. Sie stellten im 16. und 17. Jahrhundert als Vertreter Luzerns 14 Mal den Rothenburger Landvogt. Wahrscheinlich war es ein Cloos, der den Holzhof an die Familie von Sonnenberg verkaufte, die dort kurz vor 1758 jenes Landschloss baute, wie es heute noch dasteht: in seiner barocken, französischem Vorbild nachempfundenen Eleganz. Die von Sonnenberg, von denen einer nach wie vor Schloss Chastelen bei Alberswil besitzt, hatten ihr Geld unter anderem in Diensten Frankreichs erworben, wo es Johann Thüring von Sonnenberg bis zum Feldmarschall brachte.

Kurz danach ging der Holzhof an Walther Ludwig Amrhyn, Rats- und Salzherr und später mehrfach Schultheiss von Luzern. Die Amrhyn - auch sie besitzen noch immer ein Schlossgut, in Buholz - verkauften den Holzhof um 1799 an eine weitere Luzerner Aristokratenfamilie, die Schwytzer von Buonas. 1838 gab es ein Projekt, den Landsitz in eine Armenanstalt umzuwandeln, was aber von der Gemeine Emmen abgelehnt wurde.

Philipp A. von Segesser als Besitzer

Acht Jahre später erwarb Philipp Anton von Segesser, eigentlich Segesser von Brunegg, den Holzhof, sein berühmtester Besitzer und einer der bedeutendsten Luzerner. Von Segesser war Regierungsrat, Nationalrat und wäre 1881 beinahe Bundesrat geworden. Vor allem aber war er einer der wichtigen Vordenker des katholischen Konservativismus. Mit seinen politischen Schriften galt von Segesser als Zeitkritiker von europäischem Rang, mit seiner vierbändigen «Rechtsgeschichte der Stadt und Republik Luzern» als bedeutender Historiker. Allzu oft war der Herr Nationalrat wohl nicht auf seinem Landsitz, wo sich seine Frau langweilte und sich in einem Brief an ihren Mann überdies über die prosaischen Seiten des Landlebens beklagte: «Auf dem Holzhof geht es nicht ganz so, wie es sollte. Die Knechte sind beim schönsten Wetter vor 9 Uhr nicht aus dem Hause zu bringen, sie verlangen schon zum Znüni einen halben Schoppen Schnaps.»

Nur noch zwei statt vier Türme

1874 veräusserte Philipp Anton von Segesser den Holzhof an einen Herrn Wandeler, später geriet die Liegenschaft in die Hände von Spekulanten, die alles versilberten, was nicht niet- und nagelfest war, weshalb Josef Maria Niederberger 1906 einen zwischenzeitlich ziemlich heruntergekommenen Landsitz erwarb.

Im Innern erinnert nur ein schöner Turmofen an die einst vornehme Einrichtung; die alten Decken und Fussböden waren verkauft worden; das Sgrafitto, mit dem die Fassade geschmückt war, ist verschwunden; die umgebende Mauer wurde teilweise abgebrochen, zwei der vier Ecktürme sind nicht mehr vorhanden; von der Allee, die noch im vorletzten Jahrhundert vom Herrensitz nach Norden führte, ist nichts mehr zu sehen.

Renovation läuft

In den letzten Jahren hat die Familie Niederberger viel investiert in den Holzhof und seine Umgebung, und zurzeit ist der Besitzer Alois Niederberger-Jenni dabei, das Landschloss einer Renovation zu unterziehen. Dem engagierten Bauern ist sein Holzhof, wie schon dem Vater, ans Herz gewachsen. Wegen der Renovation vorübergehend mit seiner Familie in eines der beiden Nebenhäuser gezogen, sagt er: «Wir tun alles, was in unseren Möglichkeiten liegt, um die Liegenschaft zu erhalten.» Daher widerstand die Familie auch der Versuchung, ihren Herrensitz zu verkaufen. So wurde zum Beispiel vor einigen Jahren dem Autorennfahrer Michael Schumacher kundgetan, sich besser nach einer anderen Bleibe umzusehen.

Weitere herrschaftliche Landsitze auf www.luzernerzeitung.ch/serien