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HERRENHÄUSER: Ein «Bauernhaus» für den Urner Adel

Beim Bau ihres Stammsitzes übte sich die Familie von Beroldingen in Bescheidenheit. Das hinderte ihre Sprösslinge aber nicht, grosse Karrieren zu machen.
Andreas Z’graggen
Das Schlösschen Beroldingen oberhalb Bauen. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Das Schlösschen Beroldingen oberhalb Bauen. (Bild: Andreas Z’Graggen)

«Die ganze Familie hatte gemeinsam eine Altardecke gestickt, sie sollte immer noch dort sein.» Mit «dort» ist das Schlösschen Beroldingen gemeint. Und die das sagt, ist Gräfin Sibylle von Wrangel, geborene von Beroldingen. Die inzwischen beinahe 90-jährige Dame erinnert sich immer noch mit grosser Freude daran, wie sie erstmals 1930 auf Beroldingen war und dabei die Decke auf den Altar legen durfte. 400 Jahre alt war damals der gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute Familiensitz – gelegen am Weg von Seelisberg nach Bauen, mit grossartiger Sicht auf den Urnersee, die fraglos spektakulärste Lage eines Schweizer Herrenhauses.

Vom Bischof persönlich geweiht

Erstmals schriftlich erwähnt werden die Beroldingen 1257, als es um eine Urner Sippenfehde ging. Etwas später tauchen sie als Gotteshausleute des Zürcher Fraumünsterklosters auf, das in Uri über Grundbesitz verfügte. Heinrich von Beroldingen, erster Urner Landammann seines Geschlechts, besiegelte 1444 nach der fürchterlichen, von den Eidgenossen verlorenen Schlacht von St. Jakob an der Birs den Frieden mit dem französischen Dauphin. Und sein Enkel Andreas, Führer der Urner in den Burgunder- und Schwabenkriegen, erwarb sich Verdienste um die Einnahme der Mailänder Festung Bellinzona, womit der Gotthardweg definitiv in die Hand der Innerschweizer geriet. Der berühmteste von Beroldingen und der wohl erfolgreichste Urner Kriegsherr war allerdings dessen Sohn Josue (1495–1563). Er kämpfte in Marignano, war Oberst der päpstlichen Garde in Bologna, wurde vom Papst in der Sixtinischen Kapelle zum Ritter geschlagen und vom Habsburger Kaiser Karl V. in den erblichen Adelsstand erhoben. Dieser Josue war es, der dort, wo wahrscheinlich bereits im 13. Jahrhundert die Beroldingen über ein Haus verfügten, das Schlösschen erbaute, samt Kapelle zu Ehren der Heiligen Thomas und Laurentius, in Erinnerung an Josues Pilgerfahrt nach Jerusalem und geweiht, als grosse Ehre, vom Konstanzer Bischof.

Mehr bäuerlich als herrschaftlich

Vielleicht war das Schlösschen einst ein Wohnturm. Doch sofern der bestehende Mauergrundriss gesamthaft ursprünglich ist, entspricht er eher einem Steinhaus der Oberschicht als einem Adelsturm. Dass dem Gebäude wohl keine Verteidigungsaufgabe zukam, zeigt die geringe Mauerstärke. Genaueres weiss man nicht, da es 1671 teilweise einstürzte und hundert Jahre später einer eingehenden Renovation unterzogen wurde.

Das Innere des dreigeschossigen Gebäudes besteht aus verhältnismässig kleinen Räumen von eher bäuerlichem als herrschaftlichem Charakter. Erwähnenswert sind das ursprüngliche Geländer der zweiläufigen Treppe, ein grün-weisser Kachelofen von 1783 sowie das Stübli, wo jeweils der Kaplan nächtigte, der laut einer Anordnung von Josue von Beroldingen neunmal im Jahr in der Kapelle die Messe lesen musste.

Dessen Sohn Sebastian machte das Stammhaus der Familie zum unveräusserlichen Fideikomiss – der Besitz musste für alle Zeiten in der Familie bleiben. Zudem machte er die Auflage, dass der Ertrag aus der Landwirtschaft jeweils dem jüngsten im Lande wohnenden Sohn zufallen sollte. Das Fideikomiss gibt es noch, verwaltet vom Kanton Uri, doch 1780 ist mit Johann Balthasar letztmals ein von Beroldingen als Besitzer des Herrenhauses erwähnt. Seit 1801 sind die Beroldingen in Uri ausgestorben.

Einer der Söhne des Josue indes, Johann Peregrin, wanderte aus und begründete den thurgauischen, später deutsch-österreichischen Familienzweig. Von 1622 bis 1869 waren die von Beroldingen Besitzer des Thurgauer Schlosses Gündelhart. Paul Joseph Reichsgraf von Beroldingen wurde 1806 königlich württembergischer Gesandter am Wiener Hof, während Joseph Ignaz für Württemberg an Napoleons Russland-Feldzug teilnahm und später als Botschafter wirkte.

Gräfin stellt Zustupf in Aussicht

Wo es überall noch von Beroldingen gibt, weiss niemand genau. Einer lebt anscheinend in Paraguay, in Berlin führt eine Cristina Conde de Beroldingen das dortige spanische Kulturinstitut, und die jetzige Bewohnerin des Schlösschens Beroldingen, die Künstlerin Rosmarie Glenz, berichtet, dass gelegentlich eine Priska von Beroldingen mit ihren Kindern aus Oregon zu Besuch kommt. Die in Stuttgart lebende Gräfin Sibylle von Wrangel würde gerne nochmals den zauberhaften Sitz ihrer Vorfahren besuchen. Doch das ist ihr aus gesundheitlichen Gründen verwehrt. Hingegen beabsichtigt sie, dem «Schlössle», wie sie es nennt, nach ihrem Ableben etwas zukommen zu lassen: «Mein Mann und ich besassen im Tessin eine Ferienwohnung. Die habe ich verkauft. Den Erlös vermache ich Beroldingen.»

HINWEIS:
Weitere Porträts zu dieser Serie auf www.luzernerzeitung.ch/serien

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