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HERRENHÄUSER: Ein herrlicher Zeuge von Macht und Wohlstand

Fast 400 Jahre alt ist das Ital-Reding-Haus an der Schwyzer Schmied­gasse. Sein offener Innenhof ist eine Besonderheit.
Das Reding-Haus an der Schwyzer Schmiedgasse vor den Mythen. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Das Reding-Haus an der Schwyzer Schmiedgasse vor den Mythen. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Wegen der mit Zürich gemeinsamen Schirmherrschaft über das Kloster Einsiedeln und des Gerangels um das Erbe der Grafen von Toggenburg kam es zum Krieg der Schwyzer und ihrer Kameraden aus der übrigen Eidgenossenschaft gegen die Zürcher. Besonders hervor tat sich in diesem Alten Zürichkrieg (1436–1450) der Anführer der Schwyzer. In Greifensee liess er gar 62 Gefangene köpfen. Die Zürcher verloren, und seither gehören March und Höfe zu Schwyz. Vor allem aber gehörten damit die von Redings definitiv zur Spitze der helvetischen Kriegsherren – und blieben es bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft. Denn dieser Wüterich von Greifensee hiess Ital Reding. Die Familie stammt wahrscheinlich von Biberegg, hatte sich in Arth und Schwyz etabliert und stellte bereits vor diesem Ital sechs Landammänner.

Einträgliche Kriegsdienste

Nach den Siegen über die Habsburger und vor allem den erfolgreichen Burgunderkriegen waren die Eidgenossen europaweit begehrte Kämpfer. Ganze Kompanien, ja Regimenter von Söldnern leisteten Dienst für fremde Fürsten, gemanagt von lokalen Herren, wie in Schwyz den von Redings, die in Flandern und Bayern, Savoyen, Österreich, Italien, Spanien und vor allem Frankreich für fremde Fürsten ins Feld zogen. Zudem waren sie Landammänner und Landvögte, besassen grosse Ländereien und heirateten reiche Damen. Mit all dem verdienten sie viel Geld und konnten sich zu Hause herrliche Häuser leisten – die von Redings in Schwyz das Grosshus, die Ital-Reding-Hofstatt und die Schmiedgasse.

Italienische Inspiration

Das Haus an der Schmiedgasse wurde von 1614 bis 1617 erbaut, vom französischen Gardehauptmann Rudolf von Reding. In sanfter Hanglage südlich des Hauptplatzes gelegen, der schöne Garten von Mauern und Türmchen eingefasst, thront dieser prächtige Herrensitz mit seinen drei (im nördlichen Teil vier) Geschossen und den markanten sieben Giebeln, früher wohl schon von weitem sichtbar als Zeuge von Macht und Wohlstand der von Redings. Von Traufseite zu Traufseite durchzieht ein Mittelgang das Haus, mit den südlich davon gelegenen Wohn- und Repräsentationszimmern. Einige sind besonders erwähnenswert. Etwa das vom Berner Architekten von Fischer designte Gartenzimmer, dann das Ostzimmer im ersten Stock mit seinem Empire-Täfer und dem eingebauten Wandaltar. Das südwestliche Eckzimmer besitzt eine schöne Felderdecke mit Régence-Bemalung, während im Esszimmer ein prunkvoller Turmofen aus dem Jahre 1690 steht. Die Schmiedgasse verfügt als einziges Schwyzer Herrenhaus über einen offenen Innenhof, wohl von italienischer Architektur inspiriert. Denn Rudolf von Reding tat in seiner Jugend Pagendienst am florentinischen Hof.

Ausgerechnet die Franzosen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts musste die Schmiedgasse einer umfang­reichen Instandstellung unterzogen ­werden. Grund: Die französische Besatzungstruppe hatte 1798 das Haus geplündert und die Innenausstattung weitgehend zerstört. Ausgerechnet Franzosen, waren doch die französische Könige über all die Jahrhunderte die wichtigsten Auftraggeber der von Redings. Einige von ihnen wurden von Frankreich geadelt und zu Grafen oder Baronen ernannt. Ein Reding fand bei der erfolglosen Verteidigung der Tuilerien gegen die Revolutionäre gar den Tod. Gelegentlich war ein französischer König knapp bei Kasse, die von Redings mussten das Soldgeld vorschiessen, um die aufgebrachten Schwyzer zu besänftigen, was die Familie manchmal an den Rand des finanziellen Ruins brachte. Doch sie blieb an der Macht und stellte in Schwyz weiterhin die führenden Persönlichkeiten. Zuletzt war das Alois von Reding. Der im spanisch-französischen Krieg verwundete Oberstleutnant kehrte 1794 nach Hause zurück, wo er zum Landeshauptmann ernannt wurde, um die Schwyzer Milizen gegen die einfallenden Franzosen zu organisieren. Der Abwehrkampf war leider vergeblich.

Förderer des Bildungswesens

Schmiedgasse-Besitzer Alois von Reding, ein Förderer des Schwyzer Bildungswesens, Initiant von Bibliotheken, Lesegesellschaften und Sparkassen, wurde dennoch später mit dem Einverständnis Frankreichs zum ersten Landammann der Helvetischen Republik ernannt. Ein Jahr danach bereits, 1802, trat er nach einem Disput mit Napoleon von der Bühne der Schweizer Politik ab. Noch verschiedentlich von den Schwyzern zu ihrem Landammann gewählt, verstarb Alois von Reding 1818 – kurz nachdem er von Frankreich in den erblichen Grafenstand erhoben worden war.

Der heutige Besitzer der Schmiedgasse war früher Zahnarzt und heisst Nikolaus von Reding. Er kann sich daran erinnern, dass die Schwyzer offenbar noch lange Zeit ihre Mühe mit den Franzosen hatten: «Als mein Grossvater eine Französin (aus dem Schweizer Uradel der de Bonstetten) heiratete und sich sein Schwiegervater hier einbürgern lassen wollte, musste er das im Solothurnischen tun, weil die Schwyzer keinen wollten, der bloss Französisch sprach.»

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