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HERRENHÄUSER: Hier lebten die mächtigsten Zuger wie Könige

Der französische König machte die Familie Zurlauben fabelhaft reich. Der Zurlaubenhof geizt deshalb nicht mit Superlativen.
Andreas Z’graggen
Der Zurlaubenhof mit der Kapelle, die dem heiligen Konrad gewidmet ist. (Bild: Andreas Z'graggen)

Der Zurlaubenhof mit der Kapelle, die dem heiligen Konrad gewidmet ist. (Bild: Andreas Z'graggen)

Hoch aufgerichtet, stolz und selbstbewusst steht er da, von einem herrlichen Garten, mächtigen Bäumen und saftigem Wiesland umgeben – der «Hof», wie das Haus eigentlich heisst, aber von den Zugern von jeher Zurlaubenhof genannt wird, nach seinem ersten Besitzer Konrad Zurlauben. Von 1597 bis 1621 arbeitete dessen Baumeister Jost Knopflin an dem Anwesen, bis das Werk vollendet war. Zurlauben hatte sich für sein Haus die denkbar schönste Wohnlage ausgesucht, mit Blick auf See und Berge. Inzwischen dürfte sie, zwischen St.-Michaels-Kirche und Hofstrasse gelegen, auch eine der teuersten in der ganzen Schweiz sein. Der Mann, als Militärunternehmer damals reichster sowie mächtigster Zuger, hatte offenbar ein Faible nicht nur für erfolgreiche Geschäfte, sondern auch für deren entsprechende Repräsentanz.

Von der Toskana inspiriert

Die herrschaftliche Anlage wird klar geprägt vom mächtigen Wohnhaus. Es verfügt über einen quadratischen Grundriss, und über dem gemauertem Sockelgeschoss erheben sich drei weitere Etagen. Wie sich das damals für ein Herrenhaus gehörte, verfügt der Zurlaubenhof über eine eigene, dem heiligen Konrad gewidmete Kapelle. Sie steht an der Nordseite des Gebäudes, bündig mit der Ostachse des 1645 erbauten, sich auf der rechten Seite befindenden Pächterhauses. Dazwischen liegt die an das Pächterhaus anschliessende Loggia, welche aussieht, als hätte sich der Bauherr von einer toskanischen Villa inspirieren lassen. Kapelle wie Pächterhaus können vom ersten Geschoss aus trockenen Fusses erreicht werden, über gedeckte Galerien. Markant abgeschlossen wird die Anlage durch ein rechtsaussen stehendes, die Ecke einer Gartenmauer bildendes Türmchen – letztes Überbleibsel einer einst die gesamte Hofstatt umfassenden, mit damals insgesamt drei Türmen versehenen hohen Mauer.

Während der Zurlaubenhof in seiner Gesamtheit noch weitgehend so erhalten ist, wie er vor 350 Jahren konzipiert worden war, erhielt der Garten seine heutige Gestalt im 19. Jahrhundert. Der Loggia vorgelagert befindet sich ein Wohngarten mit einem Springbrunnen, gegen Süden begrenzt von einem Wäldchen. Im unteren, gegen Westen gerichteten Garten wiederum wurde ein Broderieparterre angelegt, zusammen mit einem Gemüsegarten. Dieser Gartenraum wird auf der einen Seite von einer Rosenlaube und auf der anderen von einer Brombeerhecke abgegrenzt.

Der prächtigste Saal im Kanton

Das Innere des Herrschaftshauses betritt man durch ein rechteckiges Portal, geschmückt vom Allianzwappen Zurlauben-Kolin. Besonders erwähnenswert ist auf dieser Etage das Braune Zimmer mit seinem aus dem frühen 17. Jahrhundert stammenden Täfer, der Kassettendecke und dem blau-weissen Turmofen. Das Prunkstück indes befindet sich im darüber gelegenen Geschoss: der Festsaal. Es handelt sich hier um den grössten und wohl auch prächtigsten Repräsentationsraum in einem Zuger Privathaus. Ein regelmässiges, in Bogenarchitektur mit begleitenden Pilastern gegliedertes Täfer verkleidet die Wände. Unter die Arkaden sind Kriegsgestalten gemalt, die die Entwicklung der Eidgenossenschaft darstellen, während die Felder der imposanten Decke mit Putten verziert sind.

Nicht ohne Grund hängen an den Wänden 63 Porträts französischer Könige. Denn die Zurlauben machten ihr Geld vor allem im Dienste Frankreichs. 1488 eingebürgert in Zug, stiegen sie rasch zur führenden Magistratenfamilie auf. Den Grundstein legte 1567 Anton Zurlauben, der für das im Dienste des französischen Königs Karl IX. stehende Regiment der Luzerner Familie Pfyffer eine Halbkompanie aushob. In der Folge besassen auch die Zurlauben eigene Regimenter. Wie der Erbauer des Zurlaubenhofs, Konrad, der für Louis XIII. während der Bündner Wirren im Veltlin kämpfte.

Sie hatten überall ihre Hände im Spiel

Ein anderes Familienmitglied, der mit dem Grafentitel geadelte Beat Jakob Zurlauben (1665–1704), stand an der Spitze des «Deutschregiments Zurlauben». Eigens für seine Truppe wurde der «Zurlaubenmarsch» komponiert. Vor allem aber befehligten die Zurlauben von 1619 bis zum Ausbruch der Revolution das königliche Garderegiment – Frankreichs stolzeste Truppe. Man kämpfte aber auch in Diensten des Papstes, von Savoyen und Spanien, Venedig und Florenz. Zudem waren die Zurlauben Heerführer in diversen innereidgenössischen Konflikten (Kappelerkrieg, Villmergerkriege), stellten Landvögte, nahmen an 500 Tagsatzungen teil und beherrschten als Landammänner während beinahe 150 Jahren die Zuger Politik. Schliesslich kam auch die Kirche nicht zu kurz: In Rheinau und Muri wirkten Zurlauben als Äbte, während die Klöster Wurmsbach und Tänikon von Äbtissinnen aus der Familie geleitet wurden. 1799 starb der letzte Zurlauben, der General und Historiker Baron Beat Fidel Zurlauben. Er hinterliess die mit 8000 Titeln damals grösste Bücher- und Schriftensammlung der Schweiz, heute Teil der Aargauer Kantonsbibliothek. Rund 50 Jahre später wurde der Zurlaubenhof vom Zuger Joseph Mathias Damian Bossard erworben, dessen Nachkommen ihn noch immer besitzen.

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