Historische Senntenfahrten als Dokumentarfilm

Für den Viehhandel mit Norditalien haben Zentralschweizer Bauern über Jahrhunderte ihre Kühe über den Gotthard in den Süden geführt. Doch die Geschichten der Senntenbauern sind wenig bekannt. Dies ändert nun der historische Dokumentarfilm «Tönis Brautfahrt – Mit Senntenbauern über den Gotthard» von Claudia Steiner.

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Realisieren mit «Tönis Brautfahrt - Mit Senntenbauern über den Gotthard» ein ambitioniertes Filmprojekt: (von links) Produzent Roger Bürgler, Regisseurin Claudia Steiner und Co-Autor und Ideengeber Richard Schönbächler. (Bild: Rita Lisa Planzer)

Realisieren mit «Tönis Brautfahrt - Mit Senntenbauern über den Gotthard» ein ambitioniertes Filmprojekt: (von links) Produzent Roger Bürgler, Regisseurin Claudia Steiner und Co-Autor und Ideengeber Richard Schönbächler. (Bild: Rita Lisa Planzer)

Seit nahezu 70 Jahren recherchiert der frühere Einsiedler Landwirt, Unternehmer, Bezirks- und Kantonsrat Richard Schönbächler über das vergessene Gewerbe des Viehhandels über den Gotthard. Denn während Jahrhunderten haben die sogenannten Senntenfahrten (auch Welschlandfahrten genannt) die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in der Zentralschweiz massgebend geprägt. Neben dem Söldnertum war der Viehhandel einer der bedeutendsten Einnahmequellen der Zentralschweiz.

Historischer Dokfilm mit Liebesgeschichte

Erstaunlich ist, dass diese Senntenfahrten trotz ihrer damaligen Bedeutung weder literarisch noch historisch besonders gut dokumentiert sind. Dies soll sich jetzt ändern. Basierend auf dem immensen und beeindruckenden Material von Richard Schönbächler hat die gebürtige Schwyzerin und nun in Meggen bei Luzern ansässige Filmemacherin Claudia Steiner ein Drehbuch zum Thema verfasst. In Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma kulturwerk.ch und Roger Bürgler aus Gersau als Produzenten werden diesen Herbst die Dreharbeiten für einen historischen Dokumentarfilm zum Thema aufgenommen.

Der Film wird nebst seinem dokumentarischen Teil mit Filmaufnahmen an Originalschauplätzen und Interviews mit Historikern und weiteren Fachpersonen auch dramaturgisch attraktiv umgesetzt. Dazu greifen die Produzenten auf die Novelle «Tönis Brautfahrt» des Einsiedler Schriftstellers Meinrad Lienert zurück. Diese reizende Geschichte erzählt die Senntenfahrt einiger Einsiedler Bauern und Knechten mit rund drei Dutzend Kühen in Richtung Lombardei.

Einer der Senntenknechte namens Töni verliebt sich auf der Südseite der Alpen in das schwarzhaarige Mädchen Tschegga und nimmt es mit in seine Heimat wo die beiden heiraten. «Meinrad Lienerts Geschichte von Töni und Tschegga gibt dem Dokumentarfilm auch einen dramaturgischen Spannungsbogen und erlaubt uns, einen Teil des historischen Hintergrunds mit einer packenden Liebesgeschichte authentisch zu erzählen», erklärt Claudia Steiner das Filmkonzept.

Auf historischer Route

Für den dramaturgischen Teil von «Tönis Brautfahrt – Mit Senntenbauern über den Gotthard» stehen knapp zwei Dutzend Laiendarsteller und Statisten im Einsatz. Claudia Steiner und ihre Crew werden so viel wie möglich mit den Darstellern und den Kühen der historischen Route entlang von Einsiedeln über den Talkessel Schwyz, mit dem Nauen in Richtung Flüelen, via Andermatt über den Gotthard und durch die Leventina filmen. Und dies ab Ende September, anfangs Oktober. Genau so wie dies einst die Senntenbauern und ihre Entourage aus der Zentralschweiz machten. «Das ist natürlich eine Herausforderung», sagt Steiner. «Aber mit einer guten Planung und etwas Wetterglück können wir die Aufnahmen gut umsetzen.

Die meisten Darstellerrollen sind bereits besetzt und auch die Kühe (mit Hörnern) stehen zur Verfügung. Die Unterstützung des Filmprojekts ist gross. Dreharbeiten für diverse Innenaufnahmen dürfen zum Beispiel im Freilichtmuseum Ballenberg stattfinden, wie die Zentralschweizer Regisseurin berichtet. «Je länger ich mich mit dieser Thematik beschäftige, desto mehr sehe ich das enorme Potential hinter der Geschichte. Ich freue mich darauf, diese in einem abendfüllenden Film zu erzählen.»

Bereits als junger Bub fasziniert

Riesig Freude über die Realisierung des Filmprojekts hat auch Richard Schönbächler. «Als ich ein kleiner Bub war hat unser Grossvater jeweils die abenteuerlichen Geschichten der Einsiedler Senntenbauern erzählt. Diese haben mich zeitlebens nicht losgelassen und ich habe einfach alles gesammelt, was ich über all die Jahrzehnte entdeckt habe.» Dieses Material ist nun Basis für den Dokumentarfilm, welcher im Frühjahr 2014 in die Kinos kommen soll.

Aktuell ist das Produktionsteam noch an der Finanzierung. In einem Jahr werden dann die Dreharbeiten abgeschlossen sein und das ambitionierte Filmprojekt geht in die Postproduktion. Ziel ist, einen knapp 90-minütigen, historischen Dokumentarfilm mit einer szenischen Handlung zu schaffen, der einen Aspekt der Schweizer Handels- und Wirtschaftsgeschichte beleuchtet und auf Grund seiner literarischen Parallelgeschichte auch ein breites Publikum zu begeistern vermag.

pd/zim