HOCHSCHULE: «Alte Leute haben Stil und legen Wert auf Gemütlichkeit»

Leonie Lindgren hat Möbel für ältere Leute designt. Ihr Ziel: Die Stücke sollen nicht ans Spital erinnern.

Roger Rüegger
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Leonie Lindgren führt ihre Designmöbel für ältere Leute gleich selber vor. (Bild Pius Amrein)

Leonie Lindgren führt ihre Designmöbel für ältere Leute gleich selber vor. (Bild Pius Amrein)

Sie habe sich dazu entschieden, «weil diese eine grosse Zielgruppe bilden, aber von der Möbelindustrie kaum berücksichtigt werden», sagt Leonie Lindgren. «Wohnen für Junge kennt man aber fast in jedem Möbelhaus», sagt die 21-jährige Bernerin, während wir sie auf der Werkschau der Hochschule Luzern auf der Allmend besuchen.

«Halt im Alltag»

Deshalb hat sie als Bachelor-Arbeit eine Möbelserie für ältere Leute entwickelt. «Die Arbeit mit dem Untertitel ‹Halt im Alltag› befasst sich mit der Rolle des Designs im alltäglichen Leben von älteren Menschen», erklärt Lindgren, die an der Hochschule Luzern – Design und Kunst den Studiengang Objektdesign belegt hat. Für ihre Arbeit hat sie die Note 5 erhalten.

Die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe hat sie auf praktische Weise gesammelt, indem sie fünf Leute im Alter von 65 bis 80 in ihren Wohnungen und Zimmern besuchte und sich so ein Bild von deren Schwierigkeiten im Alltag machen konnte. «Dabei zeigte sich, dass einige stets nach Halt suchen und sich an Schränken, Tischen oder Stuhllehnen abstützen oder halten, wenn sie sich bewegen», sagt Lindgren. Halter oder Stützen gabs aber fast nur in den Badezimmern. Eine 80-jährige Frau inspirierte Lindgren. «Sie sagte zu mir, dass sie keine Handläufe brauche, sie könne sich an ihren Möbeln abstützen.» So hat die junge Studentin erste Skizzen angefertigt. Mit einem einfachen hölzernen Prototyp eines Stuhls besuchte sie dann ein Alters- und Pflegeheim bei Bern. Dort sammelte sie weitere Erkenntnisse.

Brett zum Schuhebinden

Das Modell, das sie schliesslich herstellen liess, besteht aus einer Sitzfläche aus Eschenholz. Der Rahmen ist eine Kombination aus Holz und Chromstahl. Der Sitz ist mit einem Keilkissen ausgestattet, beidseitig befinden sich Armlehnen aus Rundholz, die übergangslos mit einem Rohrgerüst aus Chromstahl verbunden sind. Das Besondere: Unterhalb des Sitzes befindet sich eine Abstellfläche, unter der ein Brett heraus- geklappt werden kann. Darauf kann man die Füsse abstellen und die Schuhe binden.

Im selben Design entwarf Lindgren eine Wandgarderobe, die ebenfalls aus einer Rohr- respektive Rundholzkonstruktion in einem Stück besteht. Der untere Teil dient als Handlauf, der aber auch als Halterung für Schirme verwendet werden kann. Auf Augenhöhe lassen sich beispielsweise Kleiderbügel aufhängen. Vollendet wird die Garderobe durch einen verstellbaren Spiegel.

Heutige Möbel sind eher unbeliebt

Alltagshilfen für ältere Leute sind keine Neuerfindung. Lindgren findet aber, dass die existierenden Geräte oft zu medizinisch wirken, weshalb sich viele ältere Leute damit schwertun. «Alte Leute haben Stil und legen Wert darauf, dass es bei ihnen zu Hause heimelig und gemütlich ist. Da haben Möbel, die an ein Spital erinnern, nichts zu suchen», sagt Lindgren.

Für ihre berufliche Zukunft hat sie bereits einige Ideen und Pläne. So wird sie im September ein Praktikum bei einem Designer in Zürich antreten. Später will sie ein Jahr als Schreinerin ein Praktikum absolvieren. «Ich will mehr über den Werkstoff Holz wissen und wie man ihn bearbeitet.»