Höhronen-Funkturm stand nur 13 Jahre lang

Die Neue SZ berichtet in einer Serie über die neue Schwyzer Kantonsgeschichte. Dort drin stehen auch Skurriles und Eigenartiges.

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Der 45 Meter hohe Höhronen-Funkturm fällt am 9. November 2004. (Bild: Bert Schnüringer/Neue SZ)

Der 45 Meter hohe Höhronen-Funkturm fällt am 9. November 2004. (Bild: Bert Schnüringer/Neue SZ)

Eigentlich besteht sie aus lauter grossen und umfassenden Kapiteln, die «Geschichte des Kantons Schwyz». Beim genauen Durchlesen allerdings stösst man auf allerhand interessante Details, wovon hier einige geschildert werden sollen.

  • Da wäre zunächst die Geschichte des Höhronen-Turms. Die damalige PTT (Post, Telefon, Telegraf) projektierte diesen Funkturm für Telefonie, Fernsehsignale und Richtstrahlverbindungen schon ab dem Jahr 1977. Aus landschaftsschützerischen Gründen erwuchs dem Projekt auf der Krete des Höhronen jedoch heftiger Widerstand. Die PTT musste den Bau bis vor Bundesgericht erstreiten, das 1989 zu Gunsten des Turms entschied. Das 70 Meter hohe Bauwerk wurde 1991 erstellt, war aber nie voll ausgelastet: Statt wie vorgesehen 18 mögliche Parabolspiegel trug der Turm 1996 nur deren drei. Und schliesslich überholte die neue Glasfasertechnik die Installationen am Turm. Der Turm war überflüssig geworden. 2004, im Alter von nur gerade 13 Jahren, liess ihn die Swisscom, die Nachfolgerin der PTT Telecom sprengen.
  • Im Band über die Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert berichtet der Historiker Philippe Bart über die Schwyzer Kantonsbevölkerung jener Zeit: «Im Jahr 1600 lebten vielleicht 15 000 Menschen im heutigen Kantonsgebiet, hundert Jahre später waren es etwa 21 000, während die erste einigermassen zuverlässige Volkszählung von 1743 knapp 26 000 Personen erfasste.»
  • Der gleiche Historiker berichtet über grosse Dorfbrände im Kanton Schwyz und nennt die Jahrzahlen: Dorfbrände ereigneten sich in Einsiedeln 1509, 1577, und 1680, in Brunnen 1620, in Schwyz 1642, in Arth 1719 und 1759, in Immensee 1720 und in Lauerz 1764. «Brandursache war meist Nachlässigkeit im Umgang mit offenen Feuerstellen oder mit Kerzen und Laternen in Haus und Stall. Konnte ein Brand nicht innerhalb weniger Minuten gelöscht werden, dehnte er sich in den dicht besiedelten, mehrheitlich aus Holzbauten mit Schindel- oder Strohbedachung bestehenden Dörfern rasch auf benachbarte Häuserzeilen aus», steht in der Kantonsgeschichte.
  • In einem Kapitel über den gesellschaftlichen Wandel berichtet der Historiker Beat Frei auch über Kinderarbeit im Kanton Schwyz: «In den Baumwollspinnereien in Siebnen, Nuolen und Einsiedeln war 1858 die Hälfte, in jenen von Wangen, Bäch und Wollerau ein Drittel der Belegschaft unter 16 Jahre alt. Die Strohweberei Lachen beschäftigte im gleichen Jahr für das Anfertigen von sogenannten Kleinigkeiten Kinder von 6 bis 12 Jahren. Pater Theodosius Florentini, der in Brunnen eine Baumwollweberei führte, übernahm gegen ganz billige Entschädigung Kinder aus Waisenhäusern, die er die eine Hälfte des Tages unterrichtete und die andere in der Fabrik arbeiten liess. Im Benziger Verlag in Einsiedeln wurden 1858 bei der Anfertigung von Heiligenbildern Kinder zum Kolorieren verwendet.»
  • Hüte zum Sonnenschutz, «Schiinhüte», seien im 17. und 18. Jahrhundert zum Sonnenschutz an der Landsgemeinde unverzichtbar gewesen, berichtet die Kantonsgeschichte. Darum wurde jedem an der Versammlung teilnehmenden Landmann jeweils als «Schiinhuetgeld» 15 Schilling bezahlt, berichtet der Historiker Oliver Landolt.


Bert Schnüriger/Neue SZ