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«Ich bin als Sportlerin geboren»

Jessica Gismondi (22), Bodybuilding-Meisterin
Interview Turi Bucher
Jessica Gismondi (22), Schweizer Meisterin im Bodybuilding aus Obernau. (Bild: PD)

Jessica Gismondi (22), Schweizer Meisterin im Bodybuilding aus Obernau. (Bild: PD)

Vor dem Interview: eine junge, selbstbewusste Frau, die äusserlich eine gute Figur macht. Nach dem Interview: eine junge, selbstbewusste Frau, die nicht nur äusserlich eine gute Figur gemacht hat. Jessica Gismondi ist 22-jährig, aufgewachsen und wohnhaft in Obernau. Bald wird sie von ihren Eltern weg in eine eigene Wohnung zügeln. Sie arbeitet in einem 80-Prozent-Pensum als kaufmännische Angestellte. Und vor allem ist sie Schweizer Bodybuilding-Meisterin in der Bikini-Klasse.

Jessica Gismondi, Sie sehen ja meinen Bauch. Bier trinke ich kaum, aber viele Süssigkeiten esse ich. Was soll ich tun?

Jessica Gismondi: Nun, Sie und ich, wir haben vielleicht nicht dieselben Ziele. Die Ernährung ist das A und O. Ich esse alle zwei, drei Stunden Gemüse und Fleisch. Aber am Abend verzichte ich auf Kohlenhydrate und Süssigkeiten. Desserts vor dem Schlafengehen das ist eine Katastrophe. Es ist generell nicht förderlich, direkt vor dem Schlafen noch was zu essen.

Wir sind froh, insbesondere die männlichen Vertreter der Redaktion, dass Sie uns Bikini-Bilder zur Verfügung gestellt haben. Denn zwei Tage nach Ihrem Wettkampf in Mailand wollten Sie für unsere Fotografin nicht mehr im Bikini posieren. Wieso eigentlich?

Gismondi: Ich habe halt meine eigenen Ansprüche. Am Tag X bin ich in Topform. An den letzten zwei Tagen vor dem Wettkampf esse ich nur noch Reiswaffeln, getrunken wird kaum noch. Gleich nach dem Wettkampf, um die Mitternachtszeit, wird dann sofort «gefressen» und getrunken. Sobald ich nach dem Wettkampf trinke, sammelt sich das Wasser wieder im Körper und ich habe nicht mehr dieselbe Härte wie zuvor.

Was haben Sie denn gleich nach dem Wettkampf gegessen?

Gismondi: Als Vorspeise Carpaccio, dann einen Teller Pasta und eine Pizza. Zum Dessert Tiramisu.

Und was haben Sie heute zum Frühstück gegessen?

Gismondi: Pouletaufschnitt, ein Stück Käse und Dinkelbrot. Dieses Brot ist das gesündeste. Man muss halt alles in Massen geniessen. Auch ich habe ab und zu gern Süssigkeiten. Aber zwei Tage vor dem Wettkampf beginnt bei mir die sogenannte Aufladephase. Das heisst, vier Tage vorher werden keine Kohlenhydrate mehr gegessen, und zwei Tage vor dem Event kommen in Form von Reiswaffeln wieder viele Kohlenhydrate dazu.

Wie sind Sie eigentlich zum Bodybuilding-Sport gekommen?

Gismondi: Ich habe zuvor Jiu-Jitsu-Kampfsport betrieben und in dieser Zeit beim Snowboarden einen Speichen-Ellenbruch am Handgelenk erlitten. Kampfsport mit einer eingebundenen Hand, das sah nicht so gut aus. Weil mich Muskeln und der Körperkult schon das ganze Leben lang faszinieren, habe ich den Wechsel zu den Bodybuildern gemacht.

Was sagt Ihr Freund dazu?

Gismondi: Er macht auch Bodybuilding. Das ist am besten so. Mein Partner muss einfach wissen, dass ich am Abend im Fitnesscenter bin, da liegt daheim rumliegen und kuscheln nicht drin. Jetzt ist zwar Sommerpause, da trainiere ich nur fünf statt sieben Mal. Im August sind wir in den Ferien, wahrscheinlich in Gran Canaria. Das Hotel muss natürlich ein Fitnesscenter haben.

Die Bikini-Klasse darf sich sehen lassen, andere Klassen sind zum Hingucken für viele nicht mehr besonders ästhetisch. Gehen Sie auch in diese Richtung?

Gismondi: Drinliegen würde alles, auch bei mir. Aber für mich stimmt es so, wie es jetzt ist. Ich bleibe in der ­Bikini-Klasse.

Wie sieht eigentlich ein Wettkampftag aus?

Gismondi: Die Übernachtung am Wettkampfort ist bezahlt, wenn man vom Veranstalter eingeladen wird. Wenn man sich selber anmeldet, muss man auch selber für die Unterkunft sorgen und aufkommen. Meistens zahlt man ein Startgeld zwischen 100 und 300 Franken. Bei grösseren Anlässen reise ich am Vortag an, dann heisst es warten, warten, warten. Wenn ich um 18 Uhr meinen Auftritt habe, kann es sein, dass ich den ganzen Tag am Meer bin. Baden kann ich allerdings nicht mehr, da ich bereits ein Tanning (Bräunungsdusche, Anm. der Red.) auf der Haut habe. Der Auftritt selber dauert dann zwischen fünf und zehn Minuten.

Ihre grössten Erfolge als Bodybuilderin bisher?

Gismondi: Sicherlich die Goldmedaille an den Schweizer Meisterschaften vom Mai und die Silbermedaille im Jahr zuvor. An der EM im italienischen Sapri erreichte ich ausserdem Rang 3.

Ihr peinlichster Vorfall an einem Wettkampf?

Gismondi: In Sapri ist mir der Schuh kaputtgegangen, als ich auf die Bühne lief. Immerhin hat es keine Abzüge gegeben, weil die Juroren gesehen haben, dass ich mich bemüht habe, sozusagen auch beim Laufen mit dem kaputten Schuh eine gute Figur zu machen.

Welches ist das schönste Kompliment, das Sie bekommen haben?

Gismondi: Das Beste, was man als Bodybuilderin hören kann, ist: Du hast dich verändert, du hast mehr Schultervolumen, dein Hinterteil ist grösser geworden. Dann fühle ich mich für meinen Ehrgeiz belohnt.

Wo sehen Sie sich in zwanzig Jahren?

Gismondi: Ich lebe jetzt, plane nicht so weit voraus. Ich denke an den Weltmeistertitel. Für mich ist es wichtig, im Job und im Sport vorwärtszukommen. An Kinder denke ich jetzt noch nicht. Ob ich 20 oder 40 bin, ich will in Topform sein. Ich bin sozusagen als Sportlerin geboren worden.

Was antworten Sie einem, der übers Bodybuilding lästert?

Gismondi: Jeder soll seine eigene Meinung haben dürfen. Aber man sollte nur über etwas urteilen, wovon man eine Ahnung hat.

Was verpasst man denn, wenn man kein Bodybuilding betreibt?

Gismondi: Mir gefällt es nicht, wenn junge Leute nur in den Ausgang gehen, nur rumliegen, nur Alkohol trinken, nur auf den Freitag hin leben. Bodybuilding ist Lebensqualität, ist, sich gesund zu präsentieren. Man muss halt bereit sein, es mit Freude anzupacken. Die Muskeln muss man sich zuerst erarbeiten, die kann einem niemand hinterher tragen.

INTERVIEW TURI BUCHER

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