«Ich hatte oft richtig Heimweh»

Das Glück beim Schopf packen – dieses Talent besitzt SVP-Ständerat Peter Föhn zweifellos. Der bodenständige Muotathaler Unternehmer hat in seinem Leben viele Chancen ergriffen. Quereinsteiger in der Politik, Exot in der Wirtschaftsbranche: Föhns bisheriges Schaffen besteht aus vielen unvorhersehbaren Wendepunkten, die er für sich zu nutzen wusste.

Andrea Schelbert
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Ganz klar in Muotathal daheim: Ständerat Peter Föhn. (Bild: Andrea Schelbert / Neue SZ)

Ganz klar in Muotathal daheim: Ständerat Peter Föhn. (Bild: Andrea Schelbert / Neue SZ)

Dabei hätte sein Leben auch ganz anders ablaufen können: Föhn, der Sohn einer Bauernfamilie, wuchs zusammen mit seinen acht Geschwistern bescheiden auf. «Wir sind sehr streng erzogen worden. Man hat uns von früh auf viel Verantwortung übertragen. Schon in der ersten Klasse war ich teilweise alleine für unser Vieh verantwortlich. Es war selbstverständlich, dass wir am Morgen früh und am Abend im Stall mithelfen mussten», erzählt der 60-Jährige. Er macht auch kein Geheimnis daraus, dass es zu Hause Prügel gegeben hatte. «Wir haben eine starke Hand gebraucht und diese in unserer autoritären Mutter auch gefunden. Wir haben das unseren Eltern nie übel genommen.» Das Leben damals in Muotathal sei eben «eine andere Welt» gewesen.

Vom Lehrer zum Unternehmer

Peter Föhn wäre gerne Bauer geworden. Seine Mutter aber hatte andere Pläne. «Eines Tages nahm sie meinen Bruder Beat und mich zum Berufsberater mit», berichtet er. Nach diesem Gespräch sei die Sache klar gewesen. «Peter wird Lehrer und Beat Plattenleger», lautete der Entschluss des Berufsberaters. «Wir sind unseren Eltern dankbar, dass wir die Möglichkeit für diesen Berufsweg bekommen haben», sagt Föhn dazu. Insgesamt vier Jahre unterrichtete er an der Primarschule Wangen, später zehn Jahre in Muotathal. 1991 wurde er zum Schulverwalter des Bezirks Schwyz gewählt, wo er während zehn Jahren tätig war. 2001 folgte ein grosser Wendepunkt: Peter Föhn und seine Frau Priska (55) kauften überraschend die Möbelfabrik MAB Muotathal. «Wir haben uns ein Jahr lang Gedanken darüber gemacht. Ich habe darin die Chance gesehen, etwas mit Peter gemeinsam zu machen», erklärt Priska Föhn. Ihr Ehemann liebe Herausforderungen und sei offen für Neues. «Es wird ihm schnell langweilig, er muss immer wieder etwas anpacken», meint sie lachend.

Auch der Einstieg in die Politik war eine Überraschung. Denn, dass er eine politische Karriere machen würde, damit hatte Peter Föhn selber am wenigsten gerechnet. «Ich bin sicher kein typischer Politiker. Die erste politische Veranstaltung, die ich besucht habe, war 1995 die Nominationsveranstaltung der SVP. Damals wurde mir versprochen, dass ich nicht gewählt werden würde. Nur darum habe ich zur Kandidatur als Nationalrat ja gesagt», betont Föhn.

Anonyme Drohungen

16 Jahre lang politisierte Föhn in Bern als Nationalrat. Er, der Hardliner, ist nur ungern Kompromisse eingegangen: «Ich akzeptiere die Meinungen der anderen. Doch wenn ich meinen Mund aufmache, dann habe ich eine klare Linie. Ich politisiere relativ hart», gesteht er. Als es 2002 um die Herabsetzung des Promillegrenzwertes von 0,8 auf 0,5 ging, schlug der Muotathaler laute Töne an. Er appellierte an die Vernunft und Eigenverantwortung der Automobilisten und lehnte eine zusätzliche Einschränkung entschieden ab. Dafür wurde er teilweise scharf kritisiert. «Meine Familie wurde sogar bedroht. Für mich war das nicht so tragisch. Wenn jemand nicht mit dem Namen zu seiner Kritik stehen kann, dann wirft man das Papier am besten einfach weg. Meine Familie hatte damit aber mehr Mühe», gesteht der vierfache Familienvater. Klar ist: Peter Föhn mag keine halben Sachen. «Ich wehre mich für meine Ideale und dafür, was ich versprochen habe. Es kann mir sicher niemand den Vorwurf machen, ich hätte in Bern nichts gemacht.» Nicht immer sei das politische Parkett eine erfreuliche Sache: «In der Politik verliert man oft und muss viel einstecken. Manchmal ist es frustrierend.»

Die Familie als Stütze

Als Politiker musste Föhn aber auch oft die Abwesenheit seiner Liebsten in Kauf nehmen. Während der Session mietet der SVP-Politiker ein Hotelzimmer in Bern. «Ich hatte früher, als meine Kinder noch klein waren, oft richtig Heimweh», sagt Föhn lachend. Obwohl er in Bern von seiner Frau und den Kindern viel besucht wurde, sind ihm die Tränen gekommen, als die Familie in der letzten Session als Nationalrat überraschend im Haupteingang des Bundeshauses stand. «Die Familie ist meine Stütze, mein Fundament.»

Sein Sohn Marco war es, der ihm Ende November 2011 seine Unterstützung zugesichert hatte, als Föhn bei den Schwyzer Ständeratswahlen den Einsiedler Bruno Frick (CVP) aus dem Ständerat verwies. «Dädi, sie brauchen dich morgen wieder», soll dieser am Wahlsonntag zu Föhn gesagt haben. Der Holzbauingenieur bot seinem Vater an, ihn künftig in der Firma zu vertreten, wenn er zum zweiten Wahlgang antreten und gewählt werden sollte. Darauf ist der Politiker, der seine Familie über alles stellt, stolz. Für ihn steht auch fest, dass er noch eine weitere Legislatur als Ständerat in Bern verbringen möchte. «Danach bin ich 66, und es ist Zeit, aufzuhören.» Zuvor aber wird der Muotathaler wohl nicht darum kommen, ein Versprechen an seine Frau einzulösen. Sie träumt davon, mit ihm eine einmonatige Reise an der Ostküste Australiens zu unternehmen. «Er würde am liebsten nirgendwohin verreisen», sagt seine Frau lachend.