«Ich möchte einen Dschungel haben»

«Ein buntes Wirrwarr», so bezeichnet Ramona Jost ihren Garten. Die 48-jährige Ostdeutsche setzt auf Vielfalt und Zufall, zieht aber auch klare Grenzen.

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Wild, aber nicht verwildert: Ramona Jost in ihrem Garten in Triengen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Wild, aber nicht verwildert: Ramona Jost in ihrem Garten in Triengen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Ihr Flair für Gartenarbeit wurzelt in ihrer Heimat, in der ehemaligen DDR. «Damals gab es nicht viel zu kaufen, deshalb hat man das Gemüse selber angebaut. Ich bin mit einem Garten aufgewachsen», erzählt Ramona Jost. Was vor der Wende in einem Dörfchen nahe Dresden begann, setzt sich heute oberhalb des Dorfzentrums von Triengen fort. Dort lebt Ramona Jost seit fünf Jahren mit ihrem Mann Thomas sowie den zwei Kindern (17 und 19 Jahre alt) auf einem ehemaligen Bauernhof. Das Anwesen umfasst zirka 5000 Quadratmeter. Heil- und Gewürzpflanzen, Blumen, Kräuter, Gemüse, Beeren und Obstbäume leben hier in einer bisweilen zufälligen Gemeinschaft. «Es ist ein buntes Wirrwarr, vieles hat der Wind hergetragen. Wachsen lasse ich zunächst einmal alles, später entscheide ich, was bleibt und was via Kompost wieder in den natürlichen Kreislauf zurückkehrt», erzählt die 48-Jährige. Ergänzend zur Pflanzenwelt residieren auf dem Grundstück zwei Schafe, zwei Geissen, rund 15 Hühner, ein Hahn und diverse Laufenten.

Kritik an den grossen Gartencentern

Ramona Jost setzt also auf Vielfalt. Und das in Eigenregie. «Was man heute in den grossen Gartencentern findet, grenzt ja eher an Einfalt», findet sie. Viele einheimische Blumensorten würden so in Vergessenheit geraten. Dem will sie entgegenwirken, deshalb spriessen bei ihr auch Cosmeen, die Jungfer im Grünen oder der einjährige Rittersporn. Auf einer Holztafel hat sie dabei – für jeden vorbeiziehenden Wanderer ersichtlich – ein Zitat des deutschen Philosophen Ernst Jünger niedergeschrieben: «Das Wirkliche ist ebenso zauberhaft, wie das Zauberhafte wirklich ist.» Auf ihren Garten und in eigene Worte übertragen, bedeutet dies: «Die Natur ist schön, so wie sie ist und der Pflanzenreichtum ist schier unbegrenzt, auch ohne unser Zutun.»

Kein Gift und kein Wasser

Ramona Jost erklärt, dass sie weder Pestizide gegen Schädlinge, noch Fungizide gegen Pilze verwendet. Ein Schädling könne einer gesunden Pflanze nichts anhaben. Jost giesst nicht einmal Wasser. «Pflanzen müssen selber einen Weg zum Wasser finden», sagt sie. Grundsätzlich helfe sich die Natur gegenseitig. «Die Laufenten fressen derweil die Schnecken. Die Schafe und die Geissen betätigen sich als Landschaftspfleger. Und um die Blattläuse kümmern sich die Marienkäfer.» Angefressene Blätter stören sie dabei nicht im Geringsten. «Einige Insekten benötigen Pflanzenmaterial für ihre Nester.»

Die Gärtnerin mag es natürlich, sie beteiligt sich gerne als Zuschauerin an den natürlichen Prozessen. Es kommt nie zum Stillstand, Veränderung ist erwünscht. «Eigentlich möchte ich einen Dschungel», sagt sie mit einem Lachen. Das heisst aber nicht, dass ihr wilder Garten verwildert – im Gegenteil: «Ich bin täglich mit Gartenarbeit beschäftigt, das Wachstum bei den feucht-warmen Verhältnissen ist sehr gross.» Ramona Jost sorgt für Rahmenbedingungen, sie stärkt Pflanzen bei Bedarf mit eigens hergestellter Pflanzenjauche, sie stutzt und jätet, wo es nötig ist. Ampfer oder Disteln sind beispielsweise eher ungebetene Gäste, weil sie innert kürzester Zeit grosse Flächen überwuchern.

Blumenkranz für den Wochenmarkt

Ganz freien Lauf lässt Ramona Jost ihrem Garten also nicht. Auch weil sie einen persönlichen Nutzen aus ihm ziehen will. Jost arbeitet nach dem Vorbild der Permakultur. Das heisst: «Ich schaffe für meinen Garten ein gutes Klima und nutze dessen Ressourcen möglichst effizient und nachhaltig.» Sie verwendet Essenzen von Heilpflanzen als Zusatz für den Tee oder verarbeitet sie zu einer Creme. Sie baut Gemüse für den Eigenbedarf an. Sie produziert Blumenkränze, welche sie ebenso wie Kräuter an Samstagvormittagen am Wochenmarkt in Sursee zum Verkauf anbietet. «Ich bin stets auf der Suche nach Pflanzen, die ich ohne grossen Aufwand anbauen kann», erklärt sie. Die Idee der Selbstversorgung – das passt zum Ursprung ihrer Leidenschaft für den Gartenbau, so kennt sie es aus ihrer Kindheit in der DDR. Leben kann Ramona Jost vom Ertrag ihres Trienger Gartens allerdings nicht. Deshalb bietet sie verschiedene Kurse und Gartenberatungen an. Zudem ist die gelernte Coiffeuse auf der Suche nach einer Stelle im Bereich alternative Gärten.

Stephan Santschi / Neue LZ

Aufruf

Haben Sie auch einen speziellen Garten und kennen jemanden, der einen solchen hat? Melden Sie sich mit einem Gartenbild unter kanton@luzernerzeitung.ch oder 041 429 51 51.