IMMENSEE: Verunfallte lebten in Luzern

Auf dem Heimweg von einem Sommerausflug haben zwei Mädchen aus dem Kanton Luzern ihr Leben verloren. Sie waren mit ihrer Tante im Auto unterwegs.

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Die Unfallstelle auf der Autobahn A4 bei Immensee. (Bild: Kapo Schwyz)

Die Unfallstelle auf der Autobahn A4 bei Immensee. (Bild: Kapo Schwyz)

Das Unfallauto, in dem zwei Personen starben, wurde regelrecht auseinandergerissen. (Bild: helinews.ch)
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Auf der A4 zwischen Goldau und Küssnacht hatte sich am 7. August ein schwerer Verkehrsunfall ereignet. Zwei Personen kamen ums Leben, zwei weitere mussten mit der Rega ins Spital geflogen werden. (Bild: Kantonspolizei Schwyz)
Es kam zu einem langen Rückstau. (Bild: helinews.ch)
Die Lenkerin des nachfolgenden Autos musste zur Kontrolle ins Spital eingeliefert werden. (Bild: Kantonspolizei Schwyz)
Das erste Unfallauto (hinten links) prallte frontal ins Heck dieses Sattelschleppers. Für zwei Personen kam jede Hilfe zu spät. (Bild: Kantonspolizei Schwyz)
Rettungskräfte kümmern sich um die Verletzten. (Bild: Geri Holdener)
Belastend: Rettungskräfte bringen die schwerverletzte Lenkerin zum Rega-Heli. (Bild: Geri Holdener)
Im Einsatz standen zwei Rettungshelikopter der Rega. (Bild: Geri Holdener)
Der geschockte Lastwagen-Chauffeur. (Bild: Geri Holdener)

Das Unfallauto, in dem zwei Personen starben, wurde regelrecht auseinandergerissen. (Bild: helinews.ch)

Ein froher Tag auf dem Mostelberg (Sattel) endet auf der Fahrt nach Hause in einer Tragödie. Drei kleine Mädchen aus dem Luzernischen, zwischen zwei und vier Jahre alt, haben sich am Freitag an einem Sommerausflug erfreut. Auf dem Heimweg geschieht das Unfassbare, am Steuer die Tante zweier Mädchen, die Grossmutter fährt voraus.

Schadenplatz digitalisiert

Die 30-jährige Tante gerät auf der A4 zwischen Goldau und Küssnacht auf den Pannenstreifen und prallt ungebremst ins Heck eines stehenden Sattelschleppers (wir berichteten). Zwei Mädchen im Alter von zwei und drei Jahren sterben noch auf der Unfallstelle, wie die Polizei mitteilte. Die Lenkerin und ein vierjähriges Mädchen kommen mit der Rettungsflugwacht ins Spital.

Doch weshalb kam es zur verhängnisvollen Kollision? Womöglich war die Tante mit den Kindern kurz abgelenkt. Die polizeilichen Ermittlungen laufen. In Zusammenarbeit mit dem Forensischen Institut Zürich, das den Schadenplatz mit einem Laserscanner digital vermessen hat. Am Computer will man den Hergang rekonstruieren. Die drei beteiligten Fahrzeuge wurden sichergestellt.

Der Platz war sehr knapp

2,50 Meter breit ist der Standstreifen auf der Autobahn A4 am Unglücksort bei Kilometer 109,6. Das entspricht der herkömmlichen Norm. Das Pannenfahrzeug darauf, ein moderner Sattelschlepper Mercedes-Benz Actros, war fast genauso breit. Das Bundesamt für Strassen rät heutzutage zu einem mindestens drei Meter breiten Pannenstreifen, unter anderem, weil Lastwagen immer mehr Platz brauchen. Diese wertvollen 50 Zentimeter fehlten am Freitagnachmittag, als die Beifahrerseite des Minivans beim Aufprall buchstäblich aufgeschlitzt wurde. Der Anblick war grausam. Die Mädchen hat es teils aus den Kindersitzen gerissen. Automobilisten stiegen aus, versuchten verzweifelt, die Kleinen zu reanimieren. Es war nichts mehr zu machen. Ersthelfer erlitten einen Schock. Kreidebleich brachte man sie weg. Die Feuerwehr hat alle Helfer und Augenzeugen zum Polizeiposten Schwyz gefahren. Dort wartete das Care-Team des Kantons Schwyz. Spezielle Betreuung brauchte die vorausfahrende Grossmutter, die den Unfall hinter ihr bemerkt und angehalten hatte.

Gaffer provozierten Unfälle

Auffallend war beim Unfall in Immensee die Unverfrorenheit gewisser Autofahrer. Sie stoppten mitten auf der Kantonsstrasse, um einen Blick zu erhaschen, zückten das Handy. Polizeisprecher Florian Grossmann: «Solches Verhalten nimmt leider überhand.» Ein Extrembeispiel war eine Lenkerin auf der A4 in Gegenrichtung, die auf der Überholspur fast im Schritttempo aus dem Wagen filmte. Die Automobilisten dahinter mussten scharf abbremsen. Die Kapo machte kurzen Prozess und sperrte darauf den linken Fahrstreifen in Fahrtrichtung Goldau. Florian Grossmann: «Wer als Gaffer die Verkehrssicherheit gefährdet, muss mit einer Anzeige rechnen.» Gleichzeitig aber lobt er die Autofahrer hinter dem Unfall. Sie haben in der Fahrbahnmitte eine saubere Rettungsgasse gebildet.

Notrufe in Kolonne

Im Stau hinter dem tödlichen Unfall wurde es am Freitagabend ebenfalls kritisch. Zwei bis drei Stunden lang steckten die Lenker fest, bis der ganze Verkehr zurück nach Goldau abgeleitet war. In der Kolonne kam es zu zwei medizinischen Notfällen.

Fehlende Medikamente

Ein Patient, der sich in der Kolonne befand, war dringend auf Medikamente angewiesen. Ein anderer Automobilist kritisiert auf der Facebook-Seite des «Boten der Urschweiz»: «Es kam keiner mit Trinkwasser vorbei, und das bei über 30 Grad.» Ein Reisecar musste fünf Stunden auf der Autobahn warten, bis er die Unfallstelle passieren konnte. In der Zwischenzeit versorgte die Feuerwehr die ­Fahrgäste mit frischem Wasser. Die Autobahn GoldauKüssnacht konnte am Samstagmorgen gegen 2.00 Uhr wieder freigegeben werden. Damit blieb der Autobahnabschnitt gut acht Stunden gesperrt.

Geri Holdener