IMMOBILIEN: Urner Bauwirtschaft steckt in der Krise

Nach acht Jahren meldet die Schweizer Baubranche erstmals sinkende Umsätze im Baugewerbe. Die Zentralschweiz ist zum Teil stark betroffen.

Bernard Marks
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Am Tourismusresort in Andermatt wird noch gebaut. Aber ins­gesamt hat die Baubranche im Kanton Uri zu wenig Aufträge. (Bild Urs Hanhart)

Am Tourismusresort in Andermatt wird noch gebaut. Aber ins­gesamt hat die Baubranche im Kanton Uri zu wenig Aufträge. (Bild Urs Hanhart)

Waren all die Warnungen vor einer Immobilienblase übertrieben? Denn nach acht Jahren Boom reisst das Wachstum in der Schweizer Baubranche offenbar ab. Die Umsätze im Baugewerbe sanken im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent auf 18,9 Milliarden Franken. Dies geht aus der neusten Untersuchung des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) hervor, der dazu bei 1582 Schweizer Baufirmen die Umsatzzahlen nachfragte. «Wir führen das darauf zurück, dass die Kapazitäten zum Bauen nicht mehr vorhanden sind», sagt dazu Silvan Müggler, Volkswirtschafter beim Schweizer Baumeisterverband. «Es fehlt an Platz und Möglichkeiten zum Bauen.» Müggler geht aber davon aus, dass sich die Bautätigkeit in der Schweiz auf hohem Niveau einpendeln wird.

Urner Baubranche leidet

Baufirmen in den Zentralschweizer Kantonen sind von dieser Entwicklung unterschiedlich stark betroffen. Hier melden Bauunternehmen sehr heterogene Umsatzentwicklungen für das Jahr 2012. «Insgesamt ist das Auftragsvolumen im Bauhauptgewerbe in der Zentralschweiz zwar stabil», sagt Müggler. Das gesamte Auftragsvolumen liege im Bauhauptgewerbe bei 860 Millionen im Jahr 2012. Das entspreche lediglich einem Minus von 1 Prozent. Das Bauhauptgewerbe gilt als Indikator für die Entwicklung der Geschäftstätigkeit der Baubranche, denn es macht knapp einen Drittel des gesamten Auftragsvolumens im Baugewerbe aus. Im Durchschnitt schlagen sich die Baufirmen in der Zentralschweiz daher nicht schlecht. Doch in manchen Regionen ist der Markt stark unter Druck geraten. «Wir haben ein massives Auftragsproblem in Uri», bestätigt Kurt A. Zurfluh, Geschäftsführer des Zentralschweizerischen Baumeisterverbände (ZBV). In Uri ist laut Zurfluh der Baumarkt im Jahr 2012 regelrecht eingebrochen.

Nur Zug und Nidwalden im Plus

Das lassen auch die Zahlen des SBV erahnen. Danach liegt das Auftragsvolumen der Urner Baufirmen allein im Bauhauptgewerbe für Wohnungen 15 Prozent tiefer als im Vorjahr, bei rund 15 Millionen Franken. Im Kanton Luzern verbuchen die Baufirmen ein Minus von 10 Prozent. Das Auftragsvolumen sank hier auf 300 Millionen Franken. Im Kanton Zug lief es für die ortsansässigen Baufirmen offenbar sehr gut. Denn dort stiegen die Umsätze in der Baubranche 2012 um 24 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Nidwalden mit einem Plus von 7 Prozent. Katerstimmung herrscht aber auch in den Kantonen Schwyz und Obwalden. Dort verbuchten Baufirmen im Jahr 2012 ein schmerzhaftes Minus im Auftragsvolumen von 18 respektive 15 Prozent.

Tourismusregionen stark betroffen

Keinen Boom gibt es im Zweitwohnungsbau. Die Auftragseingänge im Wohnungsbau sind in den Tourismuskantonen Wallis, Graubünden und Tessin gesunken, im Berner Oberland nur leicht gestiegen. Die Einsprachenflut der Initianten der Zweitwohnungsinitiative – nach eigenen Angaben haben sie rund 2000 Einsprachen gegen Baugesuche im Alpenraum eingereicht – zeigt ihre Wirkung. In Graubünden nahm der Wohnungsbau 2012 um 6 Prozent ab, im Wallis um 8 Prozent und im Tessin sogar um 25 Prozent. «Die Zentralschweiz ist von den Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative nicht so stark betroffen», kommt Müggler zum Schluss. Das bestätigt auch Zurfluh. «Doch das könnte sich in den kommenden Jahren ändern», denkt Zurfluh. Denn in Andermatt und Engelberg sind zwar die raumplanungsrechtlichen Spielregeln bekannt, jedoch birgt die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative noch ein paar «Knacknüsse», sagt Zurfluh.

Intakte Aussichten für den Sommer

Obwohl die Bauvorhaben für das erste Quartal 2013 durchaus Optimismus widerspiegeln – in diesem Zeitraum verzeichnete die Branche schweizweit 8 Prozent mehr Auftragsvolumen –, dürfte dieses Jahr nicht viel besser als 2012 ausfallen, so die Ansicht des SBV. «Die Aussichten in Luzern und Zug sind positiv, weil die Auftragsbücher gut belegt sind, aber in Uri und in Obwalden geht das Auftragsvolumen weiter zurück», so Zurfluh.