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INNOVATION: Preis für «feinfühligen» Motor

Jenny Science gewinnt den Innovationspreis der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz. Die Firma aus Rain beliefert auch Swatch und Samsung.
Alois Jenny demonstriert die Funktionsweise eines Linearmotors. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Alois Jenny demonstriert die Funktionsweise eines Linearmotors. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Maurizio Minetti

Begonnen hat alles mit einem tragischen Unfall: 1987 wurde ein velofahrender Schüler in Werthenstein von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Er hatte zum Abbiegen angehalten, wurde aber in der Nacht bei Regen übersehen, weil sein Velo kein Standlicht hatte. Was heute weit verbreitet ist, gab es damals noch nicht. Der Elektroingenieur Alois Jenny aus Rain machte sich in der Folge Gedanken über die Sicherheit beim Velofahren – und erfand 1992 einen Dynamo, der auch im Stillstand Licht spendet.

Vom Dynamo zur Hightech-Firma

Heute ist Alois Jenny Inhaber der Jenny Science AG in Rain, die den diesjährigen Innovationspreis der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz gewonnen hat. Der mit 10 000 Franken dotierte Preis gilt als wichtige Anerkennung für innovative Firmen.

Mit Dynamos hat Jennys Firma aber nichts mehr zu tun, genauso wenig mit Laborgeräten, die Alois Jenny zu Beginn seiner Karriere ebenfalls hergestellt hat. «Das waren die wilden Jahre des jungen Ingenieurs. Der Lerngewinn aus diesen Entwicklungen hat uns zu dem geführt, was wir heute sind: eine international tätige Hightech-Firma», sagt Alois Jenny.

Heute produziert Jenny Science mit 18 Angestellten elektrische Linearmotor-Schlitten, die in verschiedensten Industriemaschinen Anwendung finden. Diese werden unter anderem in der Uhrenindustrie eingesetzt, um Zifferblätter und Zeiger zu montieren. Swatch ist denn auch der grösste Schweizer Kunde von Jenny. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die Inspektion von bereits produzierten Geräten. «Der koreanische Smartphone-Anbieter Samsung und der schweizerisch-kalifornische Zubehörhersteller Logitech verwenden Linearmotoren von uns, um Tablets respektive die Optik der Computermäuse zu prüfen», erzählt Alois Jenny.

Ein Linearmotor, der Kräfte spürt

Die Jury der Industrie- und Handelskammer hat Jenny Science für die Entwicklung eines Linearmotor-Schlittens namens «Elax» ausgezeichnet. Dieser funktioniert wie eine Magnetschwebebahn, ist aber natürlich viel kleiner: Er erlaubt es durch seine magnetische Vortriebskraft, eine Bewegung sehr schnell und präzis auszuführen und – das ist das Innovative daran – diese gleichzeitig zu kontrollieren. Der bewegliche Schlitten aus eloxiertem Aluminium «spürt» sozusagen, wenn etwas nicht stimmt, sich also zum Beispiel ein Bauteil verklemmt hat oder fehlt. Jenny illustriert diese Präzision anhand einer kleinen Vorführung: Der Schlitten wird für die Betätigung eines Bürohefters (Bostitch) missbraucht. Der Motor erkennt dabei, ob ein Papier eingelegt ist oder nicht. Die Umsetzung dieser patentierten Kraftfunktion erfolgte rein in Software, durch Ingenieure im eigenen Hause. Diese Kombination von aktiver Bewegung mit gleichzeitiger Kontrolle sei weltweit einmalig, das hätten Patentrecherchen ergeben, sagt Jenny. «Dabei sind unsere Schlitten aufgebaut wie Lego. Kunden können sie beliebig verschrauben und ganze Robotersysteme bauen», ergänzt Tamara Kuster, die im Familienbetrieb für Marketing, den Verkauf in den USA und Administration zuständig ist.

Starker Franken belastet

Jenny Science erwirtschaftet mehr als die Hälfte des Umsatzes im EU-Raum und ist direkt betroffen von der schlagartigen Frankenaufwertung im Januar. «Als Erstes haben wir die Preise in der EU erhöht und diese gleichzeitig in der Schweiz gesenkt», so Alois Jenny. Als weitere Massnahme will der 57-Jährige die Expansion in neue Märkte vorantreiben. So sind die USA seit längerem im Fokus, und bei Johnson & Johnson in Chicago steht ein erster Grossauftrag vor dem Abschluss. Auch in Südkorea bestünden «berechtigte Hoffnungen auf steigenden Absatz».

Eine mögliche Auslagerung der Produktion ist derzeit kein Thema. «Aber letztlich wird es sich weisen, ob man in der Schweiz noch industrielle Arbeitsplätze will oder nicht», räumt Jenny ein. «Gut gemeinte, emotionale Beteuerungen zu Gunsten des Standorts helfen da wenig. Ohne Gewinne keine Investitionen, keine neuen Arbeitsplätze, keine Steuern. Also keinen Nutzen für Wohlstand und Umwelt», so Alois Jenny.

Fokussiert bleiben

Ziel des Unternehmens ist es, langfristig mit dem neuen Linearmotor-Schlitten rund 10 Prozent des weltweiten Marktes abzudecken – das würde der Produktion von 22 000 Stück pro Jahr entsprechen. Heute verlassen jährlich 3000 Stück den Produktionsstandort in Rain. Die Firma wird in Zukunft vor der Herausforderung stehen, die geforderte Qualität auch bei höherem Volumen zu garantieren. Alois Jenny spricht von «präziser Handwerksarbeit», die mit entsprechender Leidenschaft und Begeisterung auch Freude bereitet. «Wir müssen auch künftig die Disziplin haben, fokussiert zu bleiben und unsere Kräfte auf diejenigen Problemlösungen richten, die den Kunden den grössten Erfolg und Nutzen versprechen», resümiert der preisgekrönte Unternehmer.

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