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JAGD: Andere gehen bleifrei auf die Pirsch

Zug und Luzern sind gerade daran, ihre Jagdvorschriften zu revidieren. Was auffällt: Beide Kantone lassen es weiterhin zu, dass mit Blei geschossen wird. Dabei geht der Trend in die ganz andere Richtung.
Carlo Schuler
Treibjagd im Gebiet Krienseregg: Hier darf noch mit Blei gejagt werden. (Bild: Nadia Schärli (20. Oktober 2017))

Treibjagd im Gebiet Krienseregg: Hier darf noch mit Blei gejagt werden. (Bild: Nadia Schärli (20. Oktober 2017))

Carlo Schuler

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Im Kanton Zug wird im Verlaufe des Jahres 2019 die totalrevidierte Jagdverordnung in Kraft treten. Einzelne geänderte Bestimmungen wie jene über die Munitionsarten gelten bereits seit Februar 2017. Auch der Kanton Luzern ist gerade daran, die Jagd neu zu regeln. Diese Woche hat der Luzerner Kantonsrat das neue Jagdgesetz nach erster Beratung mit 108 zu 0 Stimmen gutgeheissen. Eine wichtige Änderung aber werden die neuen Vorschriften weder im Kanton Zug noch im Kanton Luzern enthalten: ein definitives Verbot von bleihaltiger Munition.

Blei wirkt schon in geringen Mengen toxisch

Wird damit eine gute Gelegenheit verpasst? Der Trend geht jedenfalls in die andere Richtung. 3 von 16 Bundesländern in Deutschland verbieten die bleihaltige Jagd. Vorreiter in den USA ist Kalifornien. In der Schweiz hat noch kein Kanton ein generelles Bleimunitionsverbot für die Jagd. Beim Bund und in den Kantonen Graubünden und St. Gallen gibt es aber Bestrebungen in diese Richtung.

Das kommt nicht von ungefähr: Blei ist ein gefährliches Umweltgift, das schon in geringen Mengen toxisch wirkt. Or­ganische Bleiverbindungen sind krebserregend. Blei wird durch Nahrung und Atemluft aufgenommen und reichert sich im menschlichen Organismus an.

Vom Bund ist die Verwendung von bleifreier Munition nur für die Wasserwildjagd vorgeschrieben. Das gilt auch für Zug, daran änderte die im Frühjahr in Kraft getretene Teilrevision der kantonalen Jagdverordnung nichts. Immerhin seien aber Modalitäten geschaffen worden, damit auch bei den übrigen Jagden bleifreie Munition verwendet werden könne, erklärt Priska Müller vom Amt für Wald und Wild des Kantons Zug. Damit werde die Möglichkeit geschaffen, um auf Neuentwicklungen im Bereich Munition reagieren zu können.

Im Kanton Luzern haben die Umweltverbände in der Vernehmlassung das generelle Verbot von bleihaltiger Munition gefordert. Die Luzerner Regierung findet aber in der Botschaft zum neuen Gesetz, dass ein generelles Verbot «zurzeit noch nicht angebracht» sei. Die Bleimunition zeichne sich durch sehr gute ballistische Eigenschaften aus. Sie töte rasch und erfülle die Sicherheitsanforderungen im Jagdbetrieb, insbesondere in Bezug auf mögliche Abpraller. «Nicht jede bleifreie Munition, die bereits auf dem Markt erhältlich ist, erfüllt diese Kriterien gleich gut», so die Regierung. SP-Sprecher Hasan Candan verwies in der Debatte vergeblich darauf, dass für die Verminderung des Tierleids nicht die Art der Munition, sondern deren Form entscheidend sei.

Unbestritten ist, dass durch die Jagd Blei in die Natur gelangen kann. Solche Metallkörper würden im Boden jedoch meist mit einer inaktiven Partikelschicht überzogen, so dass kein gelöstes Blei in die Umgebung gelange, erklärt Martin Baumann vom Bundesamt für Umwelt (Bafu). Problematisch werde es dann, wenn sich das Blei unter der Einwirkung von Säure löse. Ein Beispiel dafür sei die Bleivergiftung von Greifvögeln wie Adler oder Bartgeier. Wenn diese Tiere die Eingeweide eines mit bleihaltiger Jagdmunition erlegten Wildtieres fressen, dann löse sich dieses Blei durch die Magensäure. Dies könne zur Vergiftung der Vögel führen.

«Ich schiesse nur noch bleifrei»

Blei ist heute sowohl in der Schrot- als auch in Kugelmunition zu finden. Schrotflinten werden auf der Jagd für einen Einsatzbereich von maximal 30 bis 35 Metern verwendet. David Clavadetscher von Jagd Schweiz geht davon aus, dass ein Grossteil der Jägerschaft bei der Kugelmunition in Zukunft umstellen werde, sofern dies nicht bereits geschehen sei. Auch für Alfred Meier, Präsident des Zuger Patentjägervereins, ist klar, dass «bleifrei» sich für die Kugelmunition durchsetzen wird. Bleifrei für die Rehjagd ist seiner Meinung nach aber noch nicht möglich, weil bleifreie Schrotmunition nicht die gleiche Wirkung habe wie jene mit Blei. In Zukunft werde es aber sicher bessere bleifreie Schrotmunition geben. Alfred Meier geht davon aus, dass Bundesbern in einigen Jahren im Bereich der Kugelmunition «Bleifreiheit» vorschreiben werde. «Ich habe selber umgestellt und schiesse nur noch bleifrei. Es funktioniert.»

Es ist absehbar, dass das Thema «Bleifreie Jagd» in nicht allzu ferner Zukunft erneut zur Debatte stehen wird. Im Kanton Luzern hatten die Umweltverbände im Rahmen der Vernehmlassung bleifreie Munition gefordert. «Dass der Kanton dieser Forderung nicht nachkommen wollte, bedauern wir sehr», erklärt Samuel Ehrenbold, Geschäftsführer von Pro Natura Luzern. «Bei einer nächsten Gelegenheit werden wir die bleifreie Jagd erneut verlangen.» Marc Germann vom WWF Zentralschweiz sagt, dass eine bleifreie Jagd technisch durchaus machbar sei, auch wenn es mehr koste. «Wir werden an dem Thema dranbleiben», kündigt er an.

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