JAGD: Zentralschweizer Jäger müssen künftig zum Schiesstest

Auch die Zentralschweizer Jäger müssen in Zukunft nachweisen, dass sie treffsichere Schützen sind. Das verlangt eine Verordnung des Bundes.

Thomas Heer
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Bald müssen sich die Jäger regelmässigen Kontrollen unterziehen. (Bild: Keystone)

Bald müssen sich die Jäger regelmässigen Kontrollen unterziehen. (Bild: Keystone)

Für viele Jägerinnen und Jäger sind es die schönsten Wochen des Jahres. Die Zeit während der Herbstjagd, die in Luzern am vergangenen Dienstag begann und am 15. Dezember ausklingen wird. Gemeinsam mit ihren Freunden ziehen die rund 1800 Luzerner Jäger hinaus in die Wälder, in die gepachteten Reviere, um Reh, Fuchs oder Hirsch nachzustellen.

Was für den Tennisspieler sein Racket und den Golfer der Schläger, ist die Waffe das Unverzichtbare für den Jäger. Im Gegensatz zum Racket und Golfschläger gehen aber von einer Büchse oder der Flinte ein weitaus grösseres Gefahrenpotenzial aus. Immer wieder sorgen die Jäger für Schlagzeilen, wenn ihnen im Umgang mit der Waffe Fehler unterlaufen. Unvergesslich bleibt der Fall des mehrfachen Tour de France-Siegers Greg LeMond. An einem Frühlingstag im Jahr 1987 wurde der damals noch nicht ganz 26-Jährige bei einem Jagdunfall von seinem Schwager lebensgefährlich verletzt. Auch nach der Operation hatte der Radprofi noch über Jahre mit rund 30 Schrotkugeln in seinem Körper weiterzuleben. Fälle wie LeMond sind Gift für die Reputation der Jäger und ein gefundenes Fressen für all jene Kreise, welche die Jagd einschränken (siehe Kasten) oder gar ganz abschaffen wollen.

Kantone überprüfen Zielsicherheit

Die Jäger tun also gut daran, dass sie gegenüber der Öffentlichkeit ein möglichst positives Image rüberbringen. Eine Kernkompetenz eines Weidmannes ist der sichere Umgang mit der Waffe. Folgerichtig hat der Bund bei der Revision der eidgenössischen Jagdverordnung diesbezüglich die Weichen gestellt. Künftig müssen die Jäger nachweisen können, dass sie in der Lage sind, ihre Schüsse auch zielsicher abzugeben. Die Kantone sind für die Umsetzung zuständig. In Luzern wird die entsprechende Verordnung im kommenden Jahr in Kraft treten.

Was sagen die Jäger selber zur neu geschaffenen Regelung? CVP-Kantonsrat Urs Kunz aus Luthern ist Pächter in einem Hinterländer Revier. Er sagt: «Ich denke, dass das grundsätzlich in Ordnung ist.»

Bisher freiwillig zur Prüfung

Auch Otto Holzgang, im Kanton Luzern Leiter der Abteilung Natur, Jagd und Fischerei, begrüsst das neue Regime: «Der Umgang mit einer Jagdwaffe ist mit einer hohen Verantwortung verbunden. Dabei geht es aber nicht nur um die Treffsicherheit.» Holzgang weist darauf hin, dass der Jäger vor der Schussabgabe folgende Punkte schnell und sicher checken muss: Gibt es einen Kugelfang, und stimmt die Distanz? Gefährde ich keine Personen? Und: Darf das anvisierte Tier überhaupt geschossen werden?

Bis in die Gegenwart haben die meisten Jäger einen freiwilligen Schiessnachweis erbracht. Dieses Attest sagt aber nichts über die Fähigkeiten des Geprüften aus. Künftig, und für den Kanton Luzern heisst das ab der Jagdsaison 2015/2016, muss der Weidmann nachweisen können, dass er auch treffsicher ist. In der Praxis sieht das folgendermassen aus: Der Jäger gibt insgesamt acht Schüsse ab, je vier mit Schrot sowie vier mit Kugeln. Letztere werden aus einer Distanz von 100 Metern auf eine Zehner-Scheibe geschossen. Als Treffer gelten Achter, Neuner und Zehner. Mit der Flinte schiesst der Jäger aus 30 Metern auf ein bewegliches Ziel, zum Beispiel eine Tontaube. Mit sämtlichen acht Schüssen hat der Schütze einen Treffer zu verzeichnen. Ansonsten gilt die Prüfung als nicht bestanden. Allerdings stehen dem Jäger beliebig viele Versuche offen. Will heissen: Wohl auch der Unbegabteste wird irgendeinmal acht Treffer vorweisen können. Ist das richtig? Reinhard Schnidrig, eidgenössischer Jagdinspektor, bejaht: «Mit der neuen Verordnung wollen wir bezwecken, dass der Jäger regelmässig mit der Waffe übt.»

Test mindestens alle zwei Jahre

Das Attest muss laut Bund periodisch vorgelegt werden. Entsprechend werden sich auch die Jäger in den anderen fünf Zentralschweizer Kantonen künftig regelmässigen Kontrollen unterziehen müssen. Schnidrig erläutert, was das für die Betroffenen bedeutet: «Es wird wohl keinen Kanton geben, wo zwischen den Tests mehr als zwei Jahre verstreichen werden.»