Jahresrückblick
Das sind unsere persönlichen Highlights aus dem Jahr 2021

Die Mitarbeitenden der Obwaldner, Nidwaldner und Urner Zeitung blicken auf das Jahr 2021 mit ihren persönlichen Geschichten zurück. Dies ist auch der Moment, um den Leserinnen und Lesern zu danken.

Florian Arnold
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Ein Brief an Sie, liebe Leserinnen und Leser (Redaktionsleiter Florian Arnold)

Redaktionsleiter Florian Arnold.

Redaktionsleiter Florian Arnold.

Wann ist dieser Lastwagen auf der A2 umgekippt? Wann stand eine ganze Siedlung in Obwalden unter Wasser? Und wann hat Nina Christen Olympiagold geholt? Zur Beantwortung dieser Fragen ist das Durchstöbern des Zeitungsarchivs Ende Jahr unausweichlich. Viel zu oft taucht eine Geschichte wieder auf, die man eigentlich schon dem Unterbewusstsein übergeben hat. Und Emotionen kommen wieder hoch.

Mich beschleicht Schauer, wenn ich die vermummten Polizisten wieder entdecke, die wegen der unbewilligten Demonstration durch Altdorf patrouillierten. Ein Gefühl von Unverständnis habe ich bei der Schlagzeile zu den «Freiheitstrychlern», die das Giswiler Altersheim besuchen, in dem davor innerhalb kurzer Zeit diverse Bewohner im Zusammenhang mit Covid-19 starben. Und den Kopf schüttle ich über das Stanser Testlabor, das offenbar gepfuscht hat. Bei diesen Ereignissen wird es wohl etwas leichter sein, sie mit dem Jahr 2021 in Verbindung zu bringen. Denn sie sind untrennbar mit der leider unvergesslichen Pandemie verbunden. Die Beispiele verdeutlichen, dass die Krise im Lokalen ihre ganz eigenen Geschichten schreibt.

«Muss es immer Corona sein?»: Diese Frage von Leserinnen und Lesern unserer Zeitung kann ich gut nachvollziehen. Kritik – ob positiv oder negativ – nehmen wir sehr ernst und sie ist die Grundlage dafür, dass wir an unserem Produkt arbeiten können. Mit den genannten Geschichten möchte ich das Verständnis dafür wecken, dass man selbst als Lokalredaktion nicht um das weltumspannende Thema herumkommt.

In der letzten Ausgabe des Jahrs möchten wir Ihnen aber nicht zu viel Corona servieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Redaktion Urschweiz, welche diese lokalen Inhalte dieser Zeitung produzieren, blicken mit ihren ganz persönlichen Geschichten auf das Jahr zurück – und dies beinahe coronafrei. Sei es mit beeindruckenden Erlebnissen oder persönlichen Glücksmomenten.

Als Leiter der Redaktion bedanke ich mich ganz herzlich für Ihre Treue. Auch im kommenden Jahr wollen wir Ihre Adresse für lokale Nachrichten, packende Geschichten und wichtige Hintergrundinformationen sein. Dies in einer leicht abgeänderten Konstellation. Der stellvertretende Redaktionsleiter Anian Heierli verlässt uns und nimmt in der öffentlichen Kommunikation eine neue Herausforderung an. Wir bedanken uns herzlich für seinen Einsatz und wünschen ihm alles Gute. Seine Nachfolge hat Philipp Unterschütz bereits angetreten. Neu im Team begrüssen wir Carmen Epp, die bereits früher Redaktorin bei der «Urner Zeitung» war.

Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute fürs neue Jahr und vor allen Dingen beste Gesundheit!

Ihr Redaktionsleiter Florian Arnold

Energiepioniere von hier (Redaktor Matthias Piazza)

Redaktor Matthias Piazza.

Redaktor Matthias Piazza.

Die Korporation Giswil setzt auf ein eigenes Sonnenstromnetz. Auf dem Gütsch ob Andermatt produzieren seit bald zwei Jahrzehnten Windräder Strom. Bald sollen noch weitere dazu kommen. Der Wärmeverbund Sarnen heizt mit ausgedienten Möbeln das Kantonsspital Obwalden und weitere fast 100 Liegenschaften in Sarnen. In Büren haben zwei Nachbarn ein Wasserkraftwerk gebaut, angetrieben mit dem Wasser des nahen Bachs. Und das Abwasser aus dem Urserental treibt auf seinem Weg nach Altdorf eine Turbine an.

Der Windpark auf dem Gütsch ob Andermatt.

Der Windpark auf dem Gütsch ob Andermatt.

Bild: Dominik Wunderli (Andermatt, 22. Juli 2021)

Es sind dies nur einige Beispiele aus der vergangenen Sommerserie Energiepioniere. Sie brachte eindrücklich zu Tage, wie viel Innovations- und Pioniergeist in Nid-, Obwalden, Uri vorhanden ist. Institutionen, die öffentliche Hand, Firmen, aber auch Private aus der Region leisten ihren Beitrag zur Energiewende. Der lokale Lösungsansatz zu einem globalen Problem. Dass Ökologie und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sein muss, davon ist etwa Sämi Zgraggen überzeugt, der in Buochs eine Siedlung gebaut hat, die den Strom fast vollständig von den Solarzellen auf dem Dach und dem eigenen Flusskraftwerk bezieht.

«Ökologisch bauen rechnet sich, wenn man es längerfristig betrachtet.» Und Markus Russi, der damalige Geschäftsleiter des Elektrizitätswerks Ursern, meinte zur Vier-Millionen-Franken-Investition für die neuen Windräder auf dem Gütsch: «Wir haben die Mittel dafür. Statt das Geld zinslos auf der Bank zu horten, investieren wir in erneuerbare Energien.» Solche Energiepioniere verdienen eine eigene Serie.

Mit Stephan Eicher in der Zeitmaschine (Redaktor Philipp Unterschütz)

Philipp Unterschütz

Philipp Unterschütz

Matthias Piazza / Nidwaldner Zeitung

«So wird das sein, so muss das sein. Der Weg zu zweit ist halb so weit» – diese Songzeile hatte es uns besonders angetan. Zwar war das Lied von Stephan Eicher damals nicht mehr ganz neu, doch noch immer grölten meine Freundin und ich regelmässig im Auto diesen Titel lautstark mit. Es war unser Lied, wir fühlten uns glücklich, unbesiegbar, frei. Später, im Sommer 1991, wir hatten uns längst getrennt, veröffentlichte Stephan Eicher sein fantastisches Album «Engelberg» – und mit seiner Stimme war auch sie wieder in meinem Kopf. Und ich tat mich erneut schwer mit der Trennung.

Solch bleibende Eindrücke aus meiner Jugend zogen in meinem Kopf vorbei, als ich Ende August im renovierten Engelberger Kursaal das Konzert von Stephan Eicher besuchte. Zum 30. Jubiläum bot er uns anwesenden Fans, die mit ihm gealtert sind, eine Werkschau vom Feinsten. Und meine scheuen Blicke nach links und rechts zeigten mir, ich war nicht der Einzige, der in dieser Zeitmaschine von den Emotionen heimgeholt wurde. Da wurde gar die eine oder andere Träne zerquetscht. Was war, kommt nie wieder – aber ist im Nachhinein vielleicht noch intensiver als damals. Auf jeden Fall gehören diese zwei Stunden mit meinen Erinnerungen zu den schönsten dieses Jahres.

Und besonders freute ich mich, dass im Kursaal Engelberg wieder ein gefragter Künstler zu Gast war. Der Kursaal war einst die erste Adresse in Obwalden für internationale Grössen wie Boss Hoss, Gentleman und andere. Nun ist er renoviert und ich hoffe, dass er mit entsprechenden Engagements wieder zu einem kulturellen Hotspot wird.

Stephan Eicher.

Stephan Eicher.

Bild: Luzerner Zeitung

Video: YouTube

Endlich wieder Kino-Feeling (Redaktor Martin Uebelhart)

Redaktor Martin Uebelhart

Redaktor Martin Uebelhart

Eine Ewigkeit war es her, seit ich zuletzt ein Kino von innen gesehen hatte. Erst waren sie zu, dann war’s mir irgendwie zu ungemütlich. Doch jetzt kündigte sich 007 mit dem neusten Film an. Da konnte ich nicht widerstehen. So breche ich Ende Oktober ins «Moderne» nach Luzern auf. Das Zertifikat öffnet die Türe. Bewaffnet mit Popcorn und Getränk geht’s in den grossen Kinosaal. Ich lasse mich auf dem reservierten roten Sessel nieder und harre der Dinge, die da kommen. Für einen Samstagabend ist das Kino erstaunlich leer, das mag aber auch daran liegen, dass ich mir die Original-Version des Streifens gönne. Synchronfassungen sind nicht so meins.

Bond, James Bond.

Bond, James Bond.

Bild: PD

Nach einer gefühlten halben Stunde Werbung geht’s los. Bewaffnet, so zeigt es sich, sind sie auch auf der Leinwand. Bis an die Zähne sogar und Gut und Böse machen gleichermassen von ihrem Arsenal Gebrauch. Über das ganze Breitbild hinweg. So ein Kinobesuch ist halt doch etwas anderes, als einen Film auf dem heimischen 49-Zoll-Fernseher zu betrachten.

Nach guten zweieinhalb Stunden sind die letzten Explosionen und Schüsse verhallt, das Licht geht an. Zufrieden verlasse ich den Saal und trete hinaus ins regnerische Stadtleben.

Gewöhnungsbedürftige ÖV-Drehscheibe (Redaktor Markus Zwyssig)

Redaktor Markus Zwyssig

Redaktor Markus Zwyssig

Auf den 12. Dezember 2021 habe ich mich besonders gefreut. Mit dem Fahrplanwechsel wurde den Urnerinnen und Urnern ein neues Zeitalter im öffentlichen Verkehr versprochen. Mehr Bus und Zug und dank Intercity-Halten, schnellere Verbindungen nach Norden und Süden. Doch der neue Urner Kantonsbahnhof musste ohne Fest für die Bevölkerung in Betrieb genommen werden.

Schade, denn das hätte sicherlich dazu beigetragen, dass die Urnerinnen und Urner den Kantonsbahnhof besser kennen gelernt hätten. Denn jetzt geht es wohl vielen wie mir. Sie stehen ein bisschen ratlos der neuen betongrauen ÖV-Drehscheibe gegenüber. Vieles ist noch gewöhnungsbedürftig. So insbesondere der neue Einsteigeort für den Tellbus. Zahlreiche Pendlerinnen und Pendler, die regelmässig nach Luzern fahren, sind frustriert, denn sie können nicht mehr beim Telldenkmal einsteigen. Auch die Halte bei der Talstation der Eggberge-Bahn fallen weg. Verliererin ist auch die Gemeinde Flüelen, denn der dortige Bahnhof verliert mehr und mehr Bedeutung.

Der neue Kantonsbahnhof in Altdorf.

Der neue Kantonsbahnhof in Altdorf.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 11. Dezember 2021)

Trotzdem ist es wichtig, dass sich die Halte der Busse und Züge künftig auf den Kantonsbahnhof konzentrieren. Nur mit einer einzigen ÖV-Drehscheibe gibt es genügend Argumente für einen IC-Halt in Uri. Jetzt müssen die Urnerinnen und Urner den Tatbeweis erbringen und das Angebot auch nutzen. So bleibt es auch in Zukunft bestehen.

Das Geschenk, das zunächst keines war (Redaktor Lucien Rahm)

Redaktor Lucien Rahm

Redaktor Lucien Rahm

Eine Woche ist es her, seitdem sich viele wieder fleissig beschenkten und beschenken liessen. Einem Bekannten von mir fehlte es hingegen an der nötigen Geduld. Er machte sein grosses Geschenk schon Wochen vor Weihnachten, indem er seiner Partnerin unwissentlich zur Schwangerschaft verhalf. Ausnahmsweise sei ein einziges Mal auf Schutzvorkehrungen verzichtet worden – ein einziges Mal, das sich als das Mal zu viel erwies. Wie es bei Geschenken idealerweise der Fall ist, sorgte auch dieses für grosse Überraschung, als das Paar schliesslich davon Kenntnis hatte. Und wie bei Geschenken bisweilen halt auch der Fall, sorgte es nicht für grosse Freude (zumindest vorerst).

Im Gegenteil: Der Bekannte habe zunächst tagelang erlebt, wie sein Bewusstsein das künftige Vatersein – ein Schwangerschaftsabbruch schien keine Option zu sein – auszublenden versuchte. Sein Alkoholkonsum habe in jener Zeit stark zugenommen. Alles sei ihm unwirklich erschienen, eine Art Traumzustand habe geherrscht. Nur, dass das Vaterwerden eben kein akuter Traum von ihm war.

Aufgrund seines Alters, das noch nicht allzu fortgeschritten ist, hätte er für die nähere Zukunft eigentlich gänzlich andere Pläne gehabt. Ein (womöglich leider auch nur kurzer) Moment der Unvorsichtigkeit hat diese nun umfassend umgestaltet. Dank ausreichender Flexibilität hat sich der Bekannte mittlerweile aber mit seiner künftigen Rolle abgefunden, gar von Vorfreude ist die Rede – sodass die Angelegenheit doch noch zum Geschenk im positiven Sinn werden kann.

Denke stets bergauf (Stagiaire Florian Pfister)

Stagiaire Florian Pfister

Stagiaire Florian Pfister

Lange habe ich überlegt, über welche Erfahrung des ablaufenden Jahres ich an dieser Stelle berichten will. Ich habe mich nicht für das lustigste, das eindrücklichste oder das emotionalste Erlebnis entschieden. Sondern für eine Situation, wie sie wohl schon jeder erlebt hat. An jenem Morgen war ich im Zug von Obwalden her so in die Serie auf meinem Smartphone vertieft gewesen, dass ich glatt vergessen hatte, umzusteigen – und nein, es war nicht Squid Game. Dabei hätte ich ich es pünktlich nach Hause und somit zur Arbeit schaffen wollen.

So ratterte der Zug schon weiter, als ich endlich realisiert hatte, dass ich hätte aussteigen sollen. Ich verliess ihn bei der nächsten Haltestelle, Hergiswil Matt. Etwas wütend auf mich selbst war ich zwar, aber was soll’s. Ich hätte nun eine halbe Stunde in der Kälte sitzen und die Serie weiterschauen können. Doch ich dachte, ich müsse die Zeit besser nutzen. Da wurde mir die Schönheit der Natur ein weiteres Mal bewusst. Der Pilatus wirkte majestätisch, auch wenn ihn die Wolken etwas einhüllten. Das Glück war mir hold, hatte ich an jenem Tag meine Kamera dabei. Ich lief etwas nach oben, um freie Sicht auf den Berg zu bekommen. Klick. Es entstand eines meiner Lieblingsfotos.

Dieses Bild ist an jenem Tag entstanden.

Dieses Bild ist an jenem Tag entstanden.

Bild: Florian Pfister

Begegnungen der dritten Art (Redaktor Christian Tschümperlin)

Redaktor Christian Tschümperlin.

Redaktor Christian Tschümperlin.

Der Unbekannte am Tresen macht einen sympathischen Eindruck, scheint ein Frauenschwarm zu sein. Wahrscheinlich ein typischer Hobby-Kletterer aus der Zentralschweiz. Ich geselle mich zu ihm und freue mich auf ein angenehmes Gespräch über Kletterrouten unter dem Mythen. Doch dann beginnt der Mann zu sprechen. Staaten seien keine Staaten, sondern Spaghetti-Vertriebsgesellschaften mit Holding-Sitz auf dem Inselstaat Honolulu. Und Spritzen keine Spritzen, sondern Mäusefallen aus dem Himalaja. Der Reichsbürger wird mir unheimlich. Ich verabschiede mich in die zweite Beiz.

An der Tür stellt sich ein Gast vor. Stolz darauf, dass er seinen Vornamen mit einem bekannten Wilderer aus Südafrika teilt. Die Heuschrecken-Plagen seien nah, sein Mutterschiff aber auch. Die Schweiz befindet sich mitten in der vierten Welle. Da hilft nur eins, der Gang in die dritte Beiz.

In wohligem Qualm wird da seit Äonen die Weltverbesserung verhandelt. Ich trete ein. Sie sei die erste im Dorf gewesen, die sich das Gift gespritzt habe, meint die Wirtin. Der Körper sei kein Tempel und nur wer sich Gift spritze, komme in den Ameisen-Himmel. Der geistige Graben verläuft quer durchs Dorf.

Und so bin ich froh, am nächsten Morgen Kraft tanken zu können in den Bergen. Ich helfe im Service eines Alprestaurants aus. Und plötzlich wird mir klar: Die in meinem Erlebnis nur indirekt genannten Verschwörungstheorien stammen bloss aus einem Albtraum. Und die Menschen, die in meinen Augen von einem anderen Planeten stammen könnten, waren vielleicht nur Poltergeister, die den Politgeist vertreiben wollen.

Mit Teamgeist erreicht man Grosses (Praktikant Manuel Kaufmann)

Praktikant Manuel Kaufmann

Praktikant Manuel Kaufmann

Gerade in diesen schwierigen Zeiten scheint es mir wichtiger denn je, den eigenen Körper in Form zu halten und soziale Kontakte zu pflegen. Kaum etwas eignet sich dazu besser, als Mitglied eines Sportvereins zu sein. Als langjähriges Mitglied des Engelberger Sportclubs schätzte ich es sehr, als wir nach zwei abgebrochenen Fussballsaisons im Sommer einen weiteren Anlauf nehmen konnten, den Aufstieg von der vierten in die dritte Liga zu schaffen. Die Herbstrunde hätte besser nicht laufen können.

4.-Liga-Spiel zwischen dem Engelberger SC und dem FC Sachseln. Manuel Kaufmann hinten rechts.

4.-Liga-Spiel zwischen dem Engelberger SC und dem FC Sachseln. Manuel Kaufmann hinten rechts.

Bild: Jakob Ineichen

Mit neun Siegen aus neun Spielen wurden wir Herbstmeister. Schade nur, dass wir die Aufstiegsrunde, für die wir uns damit qualifizierten, im Frühling wieder mit null Punkten starten müssen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir den Aufstieg mit dieser starken und eingespielten Truppe meistern. Eines ist klar: Die Gegner werden im Frühling nicht mit Freude ins Klostertal hochfahren, um gegen den ESC zu spielen. Es war in diesem Jahr mein Highlight zu sehen, was mit einem guten Teamgeist erreicht werden kann.

Der gute Teamgeist beschränkt sich überdies nicht nur auf den Sport. So schlüpfte das ganze Team nach gewonnenem Spitzenkampf in Ebikon in die Lederhosen und fuhr gemeinsam mit dem Mannschaftsbus ans Oktoberfest in Ennetbürgen. Gehört in der vierten Liga eben auch dazu.

1. August bleibt in Erinnerung (Redaktorin Kristina Gysi)

Redaktorin Kristina Gysi

Redaktorin Kristina Gysi

Viele Erinnerungen an die 1.-August-Feiern meines bisherigen Lebens habe ich nicht. Da gibt es jene, in der ich zum ersten Mal einen in der Dunkelheit funkelnden Feuerwerksvulkan gesehen habe und mich fragte, warum man den Himmel mit Raketen bombardiert, wenn es doch diese angenehm vor sich hinzischenden Wunderkerzen in Menschengrösse gibt. Und auch aus den Teenagerjahren ist betreffend Nationalfeiertag kaum was hängengeblieben. Ob das meiner unpatriotischen Haltung oder lustigmachenden Flüssigmitteln verschuldet ist, weiss niemand so genau. Doch dieses Jahr war es anders.

Ein Tag, an dem sich Wolken zwischen den Felshängen türmten und der Himmel beinahe pausenlos weinte. Ein Tag, an dem die berühmte Wiese auf dem Rütli ganz den Frauen gehörte. Frauen, die in bunten Pelerinen und mit Sonnenhüten über das nasse Gras tanzten, lachten, sprachen, feierten. Und ein Tag, an dem sich zwei Bundesrätinnen unter die Leute mischen konnten, was in diesen Zeiten leider kaum noch selbstverständlich ist.

Das Rütli war dieses Jahr in Frauenhand.

Das Rütli war dieses Jahr in Frauenhand.

Urs Flüeler / Keystone (Rütli, 1. August 2021)

Es war ein Anlass, der zeigte, dass die Frauen in der Schweiz bereit sind, für sich einzustehen. Dass 50 Jahre Frauenstimmrecht kein Grund sind, um «einfach mal zufrieden zu sein». Dass Gleichberechtigung nicht im Ermessen einiger Weniger liegt, sondern in der Zufriedenheit des grossen Ganzen. Das Frauenrütli 2021 war viel mehr als ein Fest der Symbolik. Es war das Fest einer grossen Bewegung, die noch lange nicht zum Stillstand kommt. Und für die es alle braucht. Denn die Gleichstellung der Geschlechter endet nicht beim Genderstern. Das wäre ja viel zu einfach.

Systemtreue Lügenpresse (Reporter Urs Hanhart)

Reporter Urs Hanhart.

Reporter Urs Hanhart.

Besonders beeindruckt, wenn auch in negativem Sinne, hat mich in diesem Jahr die Anti-Corona-Kundgebung in Altdorf vom 11. April. Dort war ich für unsere Zeitung als Fotograf im Einsatz.

Der Regierungsrat hatte die Veranstaltung verboten. Trotzdem fanden sich rund 500 Massnahmen-Kritiker, die praktisch durchs Band sämtliche Corona-Regeln missachteten, beim Telldenkmal ein, um ihrem Ärger Luft zu verschaffen. Anfänglich verlief das Ganze noch gesittet. Aber im Verlaufe der Zeit begannen einige Teilnehmer die Polizei zu provozieren, indem sie bis auf wenige Zentimeter an die Gesetzeshüter heranrückten und diese mit übelsten Schimpfworten eindeckten. In der Folge kam es zu einem kurzen Tränengas-Intermezzo.

Corona-Kundgebung in Altdorf.

Corona-Kundgebung in Altdorf.

Bild: Urs Hanhart / Urner Zeitung

Besonders sauer aufgestossen ist mir, dass auch wir Medienleute von einigen extra aus dem «grossen Kanton» angereisten und mit Bomberjacken sowie Kampfstiefeln ausgestatteten Corona-Skeptikern angepöbelt wurden. Worte wie «systemtreu» und «Lügenpresse» wurden uns an den Kopf geworfen, weil wir uns an die Maskenpflicht hielten. Ich dachte mir nur: Was hätte wohl Wilhelm Tell, der bekanntlich Gessler in der Hohlen Gasse zur Strecke gebracht haben soll, zu solchen Hohlköpfen gesagt?