Jahresrückblick Zentralschweiz: Frauen, Grüne, GLP und CVP gewinnen die Wahlen

In drei Kantonen feiern Frauen Premieren. Und der GLP gelingt das Comeback.

Lukas Nussbaumer
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Das Wahljahr 2019 begann für die Grünen höchst erfreulich. Sie konnten ihre Sitzzahl im Luzerner Kantonsrat am 31. März mehr als verdoppeln – von 7 auf 15. Nicht reüssieren konnte die Partei bei den Regierungsratswahlen – Korintha Bärtsch landete im zweiten Wahlgang hinter den bisherigen Paul Winiker (SVP) und Marcel Schwerzmann (parteilos). Dennoch war das Abschneiden der Stadtluzernerin bemerkenswert, holte sie im ersten Wahlgang doch mehr Stimmen als SP-Kandidat Jörg Meyer, der sich daraufhin zurückzog. Auch der GLP gelang der Start ins Wahljahr gut. Sie konnte ihre Sitzzahl im Luzerner Parlament um 3 auf 8 ausbauen.

Beide Parteien knüpften bei den Nationalratswahlen am 20. Oktober nahtlos an die Frühjahrserfolge an. So holten die Grünen im Kanton Zug den 2011 an die FDP verlorenen Nationalratssitz zurück.

Manuela Weichelt-Picard freut sich über die Rückeroberung des Nationalratssitzes durch die Alternativen – die Grünen in Zug.

Manuela Weichelt-Picard freut sich über die Rückeroberung des Nationalratssitzes durch die Alternativen – die Grünen in Zug.

Bild: Stefan Kaiser, 20. Dezember 2019

Die gewählte alt Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard ist zugleich die erste Frau, die den Kanton Zug im Nationalrat vertritt.

Obwaldner Nationalrätin Monika Rüegger (SVP)

Obwaldner Nationalrätin Monika Rüegger (SVP)

Bild: Pius Amrein, 23. September 2019

Frauen-Premieren gab es auch in den Kantonen Obwalden und Uri. Die Engelbergerin Monika Rüegger (SVP) ist die erste Obwaldnerin im Nationalrat.

Urner Ständerätin Heidi Z'graggen (CVP)

Urner Ständerätin Heidi Z'graggen (CVP)

Bild: Urs Hanhart

Und mit Heidi Z’graggen (CVP) aus Erstfeld vertritt erstmals eine Frau ihren Kanton im Ständerat.

In Luzern legten die Grünen beim Wähleranteil zwar kräftig zu. Doch der dritte Sitz, den die Listenverbindung SP – Grüne – GLP gewann, sicherten sich die Grünliberalen. Gewählt wurde mit Roland Fischer ein Altbekannter: Der Udligenswiler politisierte schon zwischen 2011 und 2015 in der Grossen Kammer.

Neonationalrat Roland Fischer und Lebenspartnerin Michèle Graber feiern den Sitzgewinn der GLP im Luzerner Regierungsgebäude.

Neonationalrat Roland Fischer und Lebenspartnerin Michèle Graber feiern den Sitzgewinn der GLP im Luzerner Regierungsgebäude.

Bild: Philipp Schmidli, 20. Oktober 2019

SVP und FDP büssen je zwei Mandate ein

So gross die Freude Ende Oktober im grünen Lager war, so riesig war der Katzenjammer bei SVP und FDP. Beide Parteien verloren zentralschweizweit je zwei Mandate. Bei der SVP traf es den Luzerner Felix Müri, der sein Pult im Nationalrat nach 16 Jahren räumen musste. Zudem verlor die Volkspartei im Kanton Schwyz ihren zweiten Ständeratssitz. Er ging wie der im Kanton Uri verlorene Nationalratssitz an die CVP. Dafür gewann die schon bei den Luzerner Kantonswahlen gebeutelte Partei im Kanton Obwalden mit Monika Rüegger das bisher von Karl Vogler (CSP) gehaltene Mandat.

Nicht besser erging es der FDP, die in Luzern ihren zweiten Nationalratssitz verlor – Peter Schilliger schaffte die Wiederwahl wie Felix Müri nicht. Auch im Kanton Zug verlor die FDP die Nationalratswahlen. Sie konnte das durch den Rücktritt von Bruno Pezzatti frei gewordene Mandat nicht verteidigen. Es ging an alt Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard aus dem alternativ-grünen Lager.

Trotz dieser Rückschläge erlebte die FDP auch helle Momente. Im Kanton Luzern verteidigte Ständerat Damian Müller seinen 2015 erstmals gewonnenen Sitz bereits im ersten Wahlgang, und im Kanton Zug wehrte alt Regierungsrat Matthias Michel den Grossangriff des amtierenden SVP-Finanzdirektors Heinz Tännler auf das FDP-Mandat im Stöckli im zweiten Wahlgang ab.

Andrea Gmür (CVP) gratuliert Damian Müller (FDP) zur Bestätigungswahl in den Ständerat.

Andrea Gmür (CVP) gratuliert Damian Müller (FDP) zur Bestätigungswahl in den Ständerat.

Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 20. Oktober 2019

CVP legt zu und ist wieder allein stärkste Kraft

Rein arithmetisch betrachtet, heisst die Siegerin der Herbstwahlen CVP. Sie hält neu 11 der 29 Zentralschweizer Mandate in Bern, eines mehr als bisher. Das ist umso bemerkenswerter, weil Luzern aufgrund der Bevölkerungsentwicklung eines der 10 Nationalratsmandate abgeben musste. Hinter den Christdemokraten folgen die SVP und die FDP, die 8 beziehungsweise 6 Sitze einnehmen. Die Grünen besetzen neu 2 Mandate, SP und GLP je eines. Das links-grüne Lager konnte seine Sitzzahl zwar auf 4 verdoppeln. Doch damit sind die drei Parteien noch immer weniger gut vertreten als 2011 und 2007, als sie zusammen auf fünf Mandate kamen.

Die eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober werden aber nicht nur wegen der Erfolge von Frauen, Grünen, Grünliberalen und der CVP in Erinnerung bleiben. Denn noch nie interessierten sich so viele Zentralschweizerinnen und Zentralschweizer für einen Sitz ihres Kantons im National- oder Ständerat. Für die 29 zu vergebenen Mandate gingen exakt 446 Kandidaturen ein, 150 mehr als 2015. Das hohe Interesse färbte allerdings nicht auf die Wahlbeteiligung ab. Die Quote sackte auf 48,4 Prozent ab. Vor vier Jahren gingen noch 50,9 Prozent an die Urne.