JOSEF REICHMUTH, OBERARTH: «Ich will kein Biomissionar sein»

Josef Reichmuth war bis vor kurzem CVP-Kantonsrat. Der Biobauer hat dieses Amt abgegeben. Jetzt widmet er sich einer ganz andern Aufgabe.

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Sepp und Regina Reichmuth inmitten ihrer Gemüsefelder auf dem Biohof Fluefeld in Oberarth. (Bild Erhard Gick/Neue SZ)

Sepp und Regina Reichmuth inmitten ihrer Gemüsefelder auf dem Biohof Fluefeld in Oberarth. (Bild Erhard Gick/Neue SZ)

Josef Reichmuth, sind Sie ein Exot?
Josef Reichmuth: So habe ich mich auch schon gefühlt. Heute aber eigentlich sehr selten. Am ehesten vielleicht noch unter Berufskollegen, da wird man manchmal als Exot betrachtet. Das hat sich aber inzwischen gelegt. Bei den Konsumenten wird man als Biobauer eher als innovativ betrachtet.

Sie sind auf Ihrem Hof recht engagiert. Jetzt haben Sie sich als Zentralschweizer Vertreter bei Bio Suisse wählen lassen. Weshalb haben Sie sich für dieses Amt interessiert?
Reichmuth: Ich war immer ein aktiver Mensch, nicht nur auf meinem Betrieb, auch für die Allgemeinheit. Ich habe mich schon als Kantonsrat für die bäuerliche Bevölkerung eingesetzt. Ich habe dieses Mandat abgegeben und mir etwas Luft verschafft. Ich habe mir vorgestellt, dass ich eher etwas zurücklehnen möchte. Ich erhielt eine Anfrage für dieses Amt. Nach reiflicher Überlegung sagte ich zu. Ich wollte eine zusätzliche Herausforderung nebst der Arbeit auf dem bäuerlichen Betrieb. Zudem fühlte ich mich fit genug, mich dieser neuen Herausforderung zu stellen.

Was möchten Sie bei Bio Suisse bewirken?
Reichmuth: Ich kann, da ich erst gewählt wurde, noch nicht konkret festlegen, welche Arbeit mich da erwartet. Meine wichtigsten Anliegen möchte ich im Bereich Praxis einbringen. Konkret heisst das, ich möchte Richtlinien, welche die Produktion eines biologischen Produkts überhaupt zulassen. Ich will keine Bestimmungen, die praxisfremd sind und damit die Produktion hemmen oder verhindern.

Was heisst in Ihren Augen Bio oder biologische Produktion?
Reichmuth: Ich beginne beim Menschen, nicht nur bei Tieren und Pflanzen. Für die Menschen, die auf dem Biobetrieb arbeiten, muss es auch stimmen. Sie müssen in einem guten Klima arbeiten können. Bei den Pflanzen und Tieren heisst die Devise ganz klar: nur mit der Natur arbeiten. Das Pflanzen- und Tierwohl hat oberste Priorität.

Gegenüber der «Schweizer Bauernzeitung» sagten Sie, dass Sie keinesfalls für Bio missionieren wollen. Braucht es heutzutage nicht den Kick für Konsumenten, den Missionar eben für den Umstieg?
Reichmuth: Ich meine mit missionieren, dass ich nicht auf die Leute losgehen will, um sie zu Bioprodukten überreden. Ich will vielmehr mit gutem Beispiel, mit dem Produkt, die Leute überzeugen. Sie sollen ohne Zwang und Überredungskunst begreifen, dass es sich um ein besseres und vor allem naturnahes Produkt handelt. Darum führen wir auf unserem Betrieb immer wieder «Tage der offenen Tür» oder andere Projekte durch, um Leute auf den Betrieb zu holen. Hier können sie vor Ort sehen, was Bio bedeutet, dass diese Produkte hier wachsen und biologische Produktion auch funktioniert.

Was hat Sie seinerzeit bewogen, Ihren Betrieb auf Bio umzustellen?
Reichmuth: Wir sind damals in den Direktverkauf eingestiegen. Wir haben schnell begriffen: Wer Chancen im Direktverkauf haben will, muss ein speziell naturnahes Produkt anbieten. Nur so hat man auch eine Zukunft im Direktverkauf.

Es gibt heute viele Labels im Zusammenhang mit Bioprodukten. Verunsichert dies die Konsumenten?
Reichmuth: Ein Stück weit sicher. Es ist schwierig, in der Vielfalt die Übersicht zu behalten. Ich begreife die Konsumentinnen und Konsumenten, dass sie damit Mühe bekunden. Deshalb ist es wichtig, dass wir Direktvermarkter den Leuten offene Fragen immer beantworten.Labels sind oft eine reine Marktstrategie.

Was produzieren Sie hauptsächlich?
Reichmuth: Wir produzieren hauptsächlich Saisongemüse, Kartoffeln, Beeren. Einen Teil unseres Betriebes nutzen wir als Grünland, als Raufutterbasis für unsere Tiere der Weidemast. Ausserdem haben wir einen Hühnerstall mit 2000 Legehennen. Drei Viertel der Eier gelangen über einen Händler in den Verkauf.

Erhard Gick

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Schwyzer Zeitung