JOSEFSTAG: «Schöne Kinder wurden Josef getauft»

Gestern war Josefstag oder Seppitag, wie er im Volksmund auch genannt wird. Ein Feiertag, der aber nicht bei allen die gleiche Bedeutung hat. Wir fragten den bekanntesten Schwyzer Josef.

Erhard Gick
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Bekannter Josef: Sepp Trütsch aus Schwyz in seinem Gasthaus Wysses Rössli.

Bekannter Josef: Sepp Trütsch aus Schwyz in seinem Gasthaus Wysses Rössli.


Wie verbrachten Sie Ihren Seppitag?

Sepp Trütsch: Mit einem speziellen Seppi-Menü, das ich mir wünschen durfte. Das geniesse ich mit meiner Frau. Wenn es das Wetter zulässt, unternehmen wir einen kleinen Spaziergang in der Natur.

Ganz allgemein betrachtet, welchen Stellenwert hat der Josefstag heute?

Sepp Trütsch: Das ist stark von der Region abhängig. Bei uns im Kanton Schwyz pflegt man den Josefstag als Feiertag. In anderen Kantonen bröckelt der Tag. Bei den Josefs steht der Tag hoch im Kurs, er wird gefeiert.

Was bedeutet Ihnen persönlich Ihr Namenstag?

Sepp Trütsch: Er ist stark von meiner Kindheit geprägt. Ich war Ministrant, und um 13 Uhr mussten wir im Josefsklösterli ministrieren. Heute ist es so, dass ich noch jedes Jahr aus der ganzen Schweiz viele Glückwünsche erhalte. Das stammt von den grossen Festivitäten, die wir früher auf der Rigi durchgeführt hatten. Bis zu 2000 Josefs und Josefinen sind jeweils auf die Kulm gekommen. Ich finde den Josefstag nach wie vor einen schönen Tag. In der Schweiz gibt es noch zahlreiche äusserst aktive Seppi-Vereine.

Das war früher ein grosses Spektakel. Erinnern Sie sich noch an den Seppi-Tag auf der Rigi?

Sepp Trütsch: Das war ein schöner Familienanlass. Alle, die man auf der Rigi traf, hiessen entweder Josef, Josefine, oder Sepp, Seffi. Josefs in den verschiedensten Variationen. Wir hatten auch berühmte Josefs auf der Rigi, etwa Sepp Vögeli, Josef Fuchs, Sepp Silberberger.

Wenn Sie einen Zeitsprung in die Vergangenheit machen: Wie ist die Bedeutung des Namens im Vergleich früher mit heute?

Sepp Trütsch: Der Tag hatte in unserer Familie eine besondere Bedeutung. In unserem Haus wohnten drei Josefs, mein Grossvater, mein Vater und ich. Das war ein bedeutender, ein richtiger Feiertag für uns. Zum Zmorge gabs feine «Züpfe». Heute hat die Wichtigkeit des Tages etwas an Bedeutung verloren, der Geburtstag ist wichtiger geworden.

Wie finden Sie es, dass heute fast niemand seine Kinder mehr auf den Namen Josef tauft?

Sepp Trütsch: (lächelt) Die Qualität wird nicht mehr erreicht. Früher hat man ein besonders schönes Kind einfach Seppli, Sepp oder Josef getauft.

Wie sind Sie als Kind mit dem Namen Josef zurechtgekommen?

Sepp Trütsch: Eigentlich ganz gut. Bloss hatten wir das Problem, dass in unserem Haus drei Josefs wohnten. Zwei von ihnen haben oft meine Post geöffnet. Das reichte mir, ich habe mich fortan Sepp genannt – und das Problem war gelöst.

Warum denn Sepp?

Sepp Trütsch: Im Kanton Schwyz nennt man die Josefs vielfach auch Seffi. In Obwalden heissen sie Sepp. Meine Mutter war eine Obwaldnerin, daher der Name Sepp. Übrigens steht auch in meinem Reisepass Josef Trütsch, genannt Sepp Trütsch.

Was glauben Sie, weshalb sind Sie zu Ihrem Namen gekommen, war er vererbt?

Sepp Trütsch: Der Name ist tatsächlich vererbt. Ich kann den Namen Josef in den Annalen der Familie weit zurückverfolgen. Der Älteste der Familie hiess immer Josef. Bei mir war noch ein zweiter Name mitentscheidend. Mein Grossvater mütterlicherseits hiess Gregor. Darum wurde ich auf den Namen Josef Gregor getauft.

Wie heissen Ihre Kinder?

Sepp Trütsch: Der älteste Sohn heisst Josef.

Andere Künstler, Prominente mussten sich gezwungenermassen einen Künstlernamen zurechtlegen. Ihr Name wurde zur Marke. Wie haben Sie das erlebt?

Sepp Trütsch: Es ist so, mein Name war Programm. Nannte man den Namen Sepp Trütsch, wurde er früher automatisch mit Volksmusik, Volkskundler in Verbindung gebracht. Das hat mir ja auch den Übernamen «Volksmusikpapst» eingehandelt. Das war natürlich ein grosser Vorteil, ich war Sepp Trütsch und benötigte keinen Künstlernamen. Die Marke Sepp Trütsch ist heute noch ein Begriff.

Wie ist das zu verstehen?

Sepp Trütsch: Geben Sie irgendwo in der Schweiz einen Brief auf und schreiben Sie nur «Sepp Trütsch» als Adresse auf den Brief. Er landet bei mir. Bei Josef Trütsch würde er mich wohl kaum erreichen. Ich kann heute noch von meiner Popularität profitieren.

Ist der Seppi-Tag überhaupt noch zeitgemäss? Müsste man den Feiertag nicht längst aufheben?

Sepp Trütsch: Dagegen würde ich mich, wenn ich könnte, vehement zur Wehr setzen. Man darf nicht einfach alle Traditionen abbauen oder aufheben. Traditionen sind etwas Lebendiges aus einer Region und müssen gepflegt werden. Wer in eine Region zieht, sollte sich als Erstes mit Traditionen auseinandersetzen. Erst dann weiss er, was es bedeutet, einheimisch zu sein.