Kandidatur entfacht «Sesselkleberdebatte»

Der Schwyzer CVP-Ständerat Bruno Frick kandidiert für eine weitere Legislatur. Nicht alle parteikollegen sind damit einverstanden.

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Der Schwyzer CVP-Ständerat Bruno Frick. (Bild: Archiv Neue SZ)

Der Schwyzer CVP-Ständerat Bruno Frick. (Bild: Archiv Neue SZ)

Niemand hatte etwas gewusst. Keiner hatte geahnt, dass an der Delegiertenversammlung der CVP Schwyz plötzlich Worte wie «Sesselkleber» oder «HG» (Handgranate) fallen würden. Doch plötzlich verkam der Saal im «Wyssen Rössli» in Schwyz am Donnerstagabend zur rhetorischen Kampfzone. Unter dem Traktandum «Verschiedenes» trat Stefan Pfyl, Rechtsanwalt in Schwyz und Leiter des dreiköpfigen Nominationskomitee, vor die rund 100 Versammelten.

Heftige Attacke

Gleichentags hatte der Einsiedler Ständerat Bruno Frick (57) - er politisiert seit 20 Jahren im «Stöckli» - angekündigt, er stelle sich für eine weitere Legislaturperiode zur Verfügung. Diese Meldung aus dem Klosterdorf animierte Pfyl zu einer heftigen Attacke: «Mit Erstaunen stelle ich fest, dass sich Bruno Frick über die Interessen der Partei hinwegsetzt und die unwahre Behauptung verbreitet, es gebe keine anderen Kandidaturen.» Dabei habe die CVP Parteileitung den Beschluss gefasst, «20 Jahre sind genug». Pfyl kann sich deshalb nicht vorstellen, «wer für einen Sesselkleber einen Wahlkampf führen und gegen diesen Slogan ankämpfen will». Das Nominationskomitee habe zudem noch nicht Gespräche mit allen möglichen Kandidaten geführt. Es gehe ihm um die langfristige Personalplanung, um den Aufbau von neuen, starken CVP-Persönlichkeiten.

Frick wehrt sich

Der völlig überraschte Frick konterte und erklärte, er habe sein Vorgehen am letzten Dienstag mit der Parteileitung abgesprochen. Als Sesselkleber sieht er sich nicht. Im Ständerat brauche es erfahrene und neue Kräfte. Man habe immer gesagt, er leiste ausgezeichnete Arbeit und schätze ihn. «Und dann heisst es aus heiterem Himmel, 'Bruno Frick, du musst gehen', weil der Vorstand in alter Zusammensetzung sich einmal so geäussert hat. Davon habe ich erst im Nachhinein über Umwege erfahren.»

Das könne er nicht annehmen, es sei nicht fair, «quasi aus dem Hinterhalt die Delegiertenversammlung zu überrumpeln, eine HG zu werfen und sich dann wieder in Deckung zu begeben». Und: «Was die CVP nicht brauchen kann, sind Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit».

Parteileitung respektiert Entscheid

Eher ungelegen kommen Fricks Ambitionen für eine sechste Legislatur in Bern der Parteileitung. «Wir informierten Bruno Frick im Februar 2010, dass die Frage seines Rücktritts im Raum steht», sagt CVP-Kantonalpräsident Andreas Meyerhans. Will die CVP-Spitze den erfahrenen Politfuchs abservieren? «Es geht um übergeordnete Ziele wie Personalplanung und Nachwuchsförderung», sagt Meyerhans. Die Parteileitung respektiere aber Fricks Entscheid. «Letztlich wird am 4. April die Mitgliederversammlung entscheiden», sagt Meyerhans.

Kari Kälin

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