KANTON: Für das Rote Kreuz in Krisengebieten

Seit Ende 2012 arbeitet Markus Cott als Integrationsbeauftragter beim Kanton. Davor war er für das IKRK tätig, unter anderem in Afghanistan.

Irene Infanger
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Markus Cott war zwölf Jahre in Krisengebieten tätig und ist jetzt Integrationsbeauftragter. (Bild: Irene Infanger / Neue SZ)

Markus Cott war zwölf Jahre in Krisengebieten tätig und ist jetzt Integrationsbeauftragter. (Bild: Irene Infanger / Neue SZ)

Markus Cott weiss, wie es sich anfühlt, an einem Ort fremd zu sein, und was man unternehmen muss, um in eine neue Kultur hineinzuwachsen. «Für meine Arbeit als Integrationsbeauftragter ist zweifelsfrei hilfreich, dass ich mich in vielen Ländern, in denen ich gelebt habe, zunächst auch erst einmal als Ausländer gefühlt habe», erklärt Cott im aktuellen Y-Magazin des Kantons Schwyz. Der 44-Jährige ist seit Anfang Dezember 2012 als Integrationsbeauftragter des Kantons Schwyz im Amt. Zwölf Jahre lang war der Bündner für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) tätig. Dabei war er gut vier Jahre in Afghanistan und zweieinhalb Jahre im Iran tätig sowie in Äthiopien, Nepal, Ruanda und Liberia. «Ich ging dort hin, wo gerade Einsätze nötig waren», so Cott. Zerstörung, Tod, Bürgerkrieg – der studierte Theologe und ehemalige Pastoralassistent erlebte vieles in diesen zwölf Jahren. «Es gab aber auch viele schöne Momente. Wenn wir es beispielsweise schafften, Familien nach vielen Jahren der Trennung wieder zusammenzuführen.» Das seien immer wieder berührende Momente gewesen, erklärt der 44-Jährige.

Kontakt zu den Einheimischen

Für Cott war es immer wichtig, in engem Kontakt mit den Einheimischen des jeweiligen Landes zu sein. «Sie verstehen es am besten, was tatsächlich geht, statt wenn man nur von aussen hineinschaut», so der Bündner. Hinzu kommt, dass die Strukturen und kulturellen Unterschiede nicht immer leicht zu verstehen sind. «Die Umgangsart der Iraner ist sehr speziell. Ich habe zwei Jahre gebraucht, bis ich gewusst habe, wie sie ‹ticken›», sagt Markus Cott mit einem Lächeln. Die komplexen Rechts- und Machtstrukturen in Afghanistan zu verstehen, sei für Nicht-Afghanen zudem auch nicht einfach. Es herrschen drei Rechtssysteme: ein staatlich modernes Recht nach europäischem Vorbild, ein von der Gesellschaft geprägtes traditionelles Recht und das islamische Recht. Von aussen betrachtet sei der Umgang mit diesen drei Rechtssystemen sehr schwer zu begreifen. Verständnisschwierigkeiten könnten deshalb leicht als Unwillen betrachtet werden. «Und leicht kann sich daran eine Kette von Missverständnissen anschliessen, die dann Entführungen und andere Gewalt nach sich ziehen», so Cott.

Die Schweiz auch vermisst

Eine Stromversorgung, die oft nicht funktioniert. Strassen, die dieses Namens unwürdig sind. «Kabul ist eine riesige Grossstadt – allerdings mit einer Infrastruktur, die völlig überfordert ist», erläutert der Schwyzer Integrationsbeauftragte seine Erfahrungen. Gerade wenn in kalten Wintertagen – Kabul liegt auf 1800 Meter über Meer – der Strom wieder ausgefallen sei, habe er die moderne Schweiz etwas vermisst. «Und was mir in Kabul sehr gefehlt hat, war die gute Luft der Schweiz», so Cott. Über der afghanischen Hauptstadt hänge im Winter ständig eine Glocke aus dickem Smog und mache das Atmen mühsam.

Verarbeitung beginnt nun

Nun ist er nach zwölf Jahren im Ausland wieder fest in der Schweiz, genau gesagt in Schwyz. «Es braucht nun Distanz und Zeit für die Verarbeitung», ist er sich bewusst. Die Frage, ob er je wieder für das IKRK tätig sein wird, stellt er sich gar nicht. «Meine jetzige Arbeit ist höchst spannend und schön», betont Cott.

Es sei in der Natur der Sache gelegen, dass er sich nach seinen Einsätzen im Ausland dem Tätigkeitsbereich Ausländer/Integration zugewandt habe. «Ich kann die Anstrengungen einschätzen, die man unternehmen muss, um sich hier in der Gemeinschaft der Schwyzer zu integrieren», erklärt Cott. Doch im Herzen sei er aber nach wie vor Theologe, in der Spannung zwischen Heimat und Ferne ...