Erneuerbare Energie
Der Kanton Luzern will die Windkraft massiv ausbauen – jetzt legt er die Grundlage dafür vor

Der Regierungsrat legt die Teilrevision des Richtplans zum Thema Windenergie vor. Dadurch soll die Stromproduktion durch Windenergie im Kanton Luzern vervielfacht werden.

Dominik Weingartner Jetzt kommentieren
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Quelle: PilatusToday / David Migliazza

«Klimapolitik ist Energiepolitik ist Sicherheitspolitik.» Diese Worte wiederholte Fabian Peter am Mittwochmorgen mehrmals. Sie sollen zeigen, dass der Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor von der FDP nun vorwärtsmachen will mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien.

Im Fokus steht dabei die Windenergie. Bis 2050 soll die Technologie jährlich 250 Gigawattstunden Strom liefern. Das entspricht etwa dem Verbrauch von einem Viertel der Luzerner Haushalte und ist etwa 70-mal mehr, als im Jahr 2020 mit den bestehenden drei Anlagen im Kanton Luzern generiert worden ist. Um dieses Ziel zu erreichen, sind laut Fabian Peter je nach Grösse 30 bis 60 Anlagen notwendig.

Der Regierungsrat hat nun die Teilrevision des Richtplans zur Windenergie vorgestellt. Die 60-tägige öffentliche Auflage startet am 29. November, die Unterlagen sind aber schon jetzt auf richtplan.lu.ch einsehbar. Eigentlich sollte die Teilrevision schon im vergangenen Winter vorliegen, doch die Vorabklärungen beim Bund haben mehr Zeit beansprucht als erwartet.

Keine Windkraft-Gebiete in der Agglomeration Luzern

Das nun präsentierte Werk bringt wenig Neues zu Tage. Die im Richtplan eingezeichneten Gebiete entsprechen jenen aus dem Windenergiekonzept aus dem Jahr 2020. In einigen Gebieten sind bereits konkrete Projekte geplant (Stieren- und Lindenberg) oder es gibt Pläne von Energieunternehmen (Äberdingerhöchi).

Auffällig ist, dass in der Agglomeration Luzern keine Gebiete eingezeichnet sind. Hauptgrund dafür ist laut Kantonsplaner Mike Siegrist der Militärflugplatz in Emmen. Auch im Entlebuch sind vergleichsweise wenige Gebiete eingetragen. Dafür sind andere Gründe verantwortlich, wie etwa der Schutz von Moorlandschaften.

Paul Hürlimann, Leiter der Abteilung Energie und Immissionen bei der Dienststelle Umwelt und Energie, betonte die Bedeutung der Windkraft – vor allem im Winter. Während Solar und Wasser vor allem im Sommerhalbjahr viel Strom produzierten, sei es bei der Windenergie genau umgekehrt. Heute müsse die Schweiz im Winter Strom importieren. «Die Windenergie ist ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit», so Hürlimann.

Bei aller Ambition: Selber in Projekte investieren will der Kanton Luzern nicht. «Das ist nicht nötig, denn die Energieversorger sind sehr interessiert an solchen Vorhaben», sagte Fabian Peter. Bei den aktuellen Strompreisen sei dies wirtschaftlich lukrativ. «Was Investoren brauchen, ist Planungssicherheit.» Dazu leiste der Richtplan einen Beitrag.

Verfahren sollen verschlankt werden

Die Regierung will die Teilrevision des Richtplans 2023 verabschieden. Dann beugt sich der Kantonsrat über das Dossier, anschliessend muss der Bund grünes Licht geben. Doch selbst wenn die Vorlage schlank durch die Instanzen geht, ist nicht damit zu rechnen, dass danach Windenergieanlagen wie Pilze aus dem Boden schiessen. Das ist auch Fabian Peter klar: «Für eine Bewilligung braucht es mehr Schritte als einen Eintrag im Richtplan.» Der Regierungsrat sprach aber von einem «wichtigen Schritt. Wir setzen die Leitplanken für die Zukunft.»

Wie langwierig Bewilligungsverfahren sind, zeigen die geplanten Projekte auf dem Linden- und dem Stierenberg. Auch in Zukunft müssen die Gemeinden mitspielen, um Windenergieanlagen zu ermöglichen. Und erfahrungsgemäss stossen solche Projekte lokal oft auf Widerstand.

Um die Verfahren zu beschleunigen, will die Regierung noch in diesem Jahr eine Teilrevision des Planungs- und Baugesetzes in die Vernehmlassung schicken. Ziel sind schlankere Verfahren. «Heute kann man bei jedem Schritt eingreifen, das ist ein Grund für Verzögerungen», sagte Fabian Peter.

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