Gesundheit
110'000 Luzernerinnen und Luzerner werden per Brief zur Darmkrebsvorsorge aufgerufen

Gute Vorsorge halbiert die Häufigkeit von und die Sterblichkeit an Darmkrebs. Deshalb ruft der Kanton Luzern einen Viertel der Bevölkerung persönlich zur Teilnahme an einem neu lancierten Vorsorgeprogramm auf.

Jessica Bamford
Drucken
Stuhltest zur Früherkennung von Darmkrebs.

Stuhltest zur Früherkennung von Darmkrebs.

Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 26. Februar 2016)

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten der Schweiz: Jährlich gibt es 4000 Diagnosen. 50 von 1000 Personen erkranken an Darmkrebs. Deshalb will der Kanton nun die Vorsorge verbessern.

Insbesondere ab dem Alter von 50 Jahren nimmt das Risiko stark zu. So werden im Rahmen eines Vorsorgeprogramms, alle 50- bis 69-Jährigen per Brief zur Vorsorge aufgerufen. Damit wird der Krebs laut Patrick Aepli, Chefarzt Gastroenterologie und Hepatologie am Luzerner Kantonsspital, in 70 Prozent der Fälle im Frühstadium entdeckt, was einen positiven Einfluss auf die Prognose habe. In vielen Fällen könne bereits bei ersten Anzeichen gehandelt werden, bevor Krebs auftritt.

Gestaffelter Versand verhindert Überlastung

Personen, die im Rahmen des Programms eine Abklärung machen wollen, haben die Wahl zwischen einem Stuhltest und einer Darmspiegelung. Der Stuhltest kann zu Hause gemacht werden. Die Probe wird im Labor geprüft. Wenn Spuren von Blut gefunden werden, wird man von einer Fachperson kontaktiert und das weitere Vorgehen wird besprochen.

In einem ersten Schritt werden ab Oktober die 65- bis 69-Jährigen sowie die 50-Jährigen angeschrieben. Der weitere Versand kann so entsprechend den Kapazitäten für Darmspiegelungen in Spitälern und Praxen gestaffelt werden. So soll laut Patrick Aepli verhindert werden, dass die Wartezeiten auf über ein Jahr ansteigen.

Um die Wartelisten kurzzuhalten, schlägt er eine klare Priorisierung vor:

«Alle, die keine Fälle von Darmkrebs in der Familie haben und einen gesunden Lebensstil pflegen, sollen zuerst einen Stuhltest machen.»

So könne die Anzahl nötiger Darmspiegelungen drastisch gesenkt werden und diejenigen mit hohem Risiko kommen schneller zur Untersuchung.

Wer Interesse an der Vorsorge hat, kann auch ohne Einladung auf die Warteliste. Ab sofort kann man sich bei Apotheken, Hausärztinnen oder Gynäkologen melden, die das Programm mittragen.

Test kostet weniger als 10 Franken

Die Kosten für die Untersuchung werden franchisenbefreit von der Grundversicherung übernommen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bezahlen also lediglich den Selbstbehalt. Dieser beträgt für den Stuhltest weniger als 10 Franken, für die Darmspiegelung bis zu 100 Franken. Damit wolle der Kanton sicherstellen, dass alle Luzernerinnen und Luzerner den gleichen Zugang zur Vorsorge haben. «Das ist uns ganz wichtig», so der Gesundheitsdirektor Guido Graf.

Das Programm wird den Kanton in den kommenden vier Jahren rund 400'000 Franken kosten – insbesondere die Programmsoftware sei teuer. Ist das Programm erst mal angelaufen, sollen die Kosten sinken. Graf ergänzt aber:

«Wichtig ist mir, zu betonen, dass gesamtgesellschaftlich Kosten gespart werden, wenn Darmkrebs früh erkannt wird. Ganz zu schweigen vom Leid der Betroffenen, das verhindert werden kann.»

Dass über 69-Jährige nicht am Programm teilnehmen können, liegt laut dem Programmleiter der Dienststelle Gesundheit und Sport, Roger Stutz, daran, dass die Kosten für deren Vorsorge von der Grundversicherung nicht gedeckt sind. «Auf nationaler Ebene laufen aber Diskussionen, das auszuweiten.»

Video: Tele 1