Gesundheitsversorgung
Spatenstich zum neuen Spital Wolhusen ist erfolgt: Angebot bleibt ohne Intensivstation

Das Luzerner Kantonsspital Wolhusen feiert sein 50-Jahr-Jubiläum. Zu diesem Anlass begannen die Bauarbeiten für den Neubau.

Livia Fischer
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Helm auf den Kopf, Spaten in die Hand: Am späteren Mittwochnachmittag gaben sechs Vertreterinnen und Vertreter des Luzerner Kantonsspitals (Luks) sowie Mitte-Regierungspräsident und Gesundheitsdirektor Guido Graf den Startschuss für den Spitalneubau in Wolhusen. Genau 50 Jahre nachdem die Einrichtung als «Kreisspital Wolhusen» eröffnet wurde.

Spatenstich zum neuen Spital (von links): Florentin Eiholzer (Leiter Gruppenbereich Betrieb und Infrastruktur), Virginie Schubert (Leiterin Regionen), CEO Benno Fuchs, Ute Buschman (Leiterin Standort Wolhusen), Verwaltungsratspräsident Ulrich Fricker, Regierungspräsident Guido Graf und Vize-Verwaltungsratspräsident Peter Schilliger.

Spatenstich zum neuen Spital (von links): Florentin Eiholzer (Leiter Gruppenbereich Betrieb und Infrastruktur), Virginie Schubert (Leiterin Regionen), CEO Benno Fuchs, Ute Buschman (Leiterin Standort Wolhusen), Verwaltungsratspräsident Ulrich Fricker, Regierungspräsident Guido Graf und Vize-Verwaltungsratspräsident Peter Schilliger.

Bild: PD

Die erste Baustelle ist die Errichtung des Werkhofgebäudes, das zusammen mit 190 Parkplätzen für Mitarbeitende neben dem Tennisplatz im Osten des Geländes entsteht. Besucherinnen und Besucher können ihr Auto künftig rund ums Areal abstellen. In einer zweiten Phase wird die jetzige Parkfläche dem Neubau des zweistöckigen, 120 Meter langen Hauptgebäudes weichen, das 2027 in Betrieb genommen werden soll. Anschliessend wird das alte Spital mit der abgenutzten Fassade rückgebaut und die Parkanlage entsprechend erweitert.

Leistungsangebot wird dem Parlament Ende 2023 vorgelegt

«Es war ‹en huere Chrampf› bis zum Spatenstich», sagte Guido Graf und sprach dabei insbesondere die lange und hitzige Diskussion in der Politik rund ums künftige Leistungsangebot an. Umso mehr freue er sich, dass dieser nun endlich erfolgen konnte.

Kritisiert wurde in den vergangenen Monaten vor allem der Wegfall der Intensivstation. Doch die Regierung bleibt dabei: Es wird stattdessen eine Intensivüberwachungspflege mit voraussichtlich sechs Plätzen geben. «Das ist kein böser Wille, aber wir können nicht mehr alles überall anbieten, dafür haben wir die Fachkräfte gar nicht», so Graf.

Das geplante Leistungsangebot wird der Regierungsrat dem Parlament im Rahmen der Versorgungsplanung Ende 2023/Anfang 2024 zur Genehmigung vorlegen. Dieses Mitspracherecht forderte im Juni die Mehrheit des Kantonsrats, woraufhin das Parlament eine entsprechende Motion von SP und Mitte überwies.

Graf rechnet nicht mehr mit viel Gegenwind zur Intensivüberwachungspflege. Er habe die Debatte während der Maisession, als mehrere Vorstösse zum Luks Wolhusen besprochen wurden, als ruhig wahrgenommen. Die grosse Mehrheit des Kantonsrats sei mit den aktuellen Plänen zufrieden, darum gehe er davon aus, dass sie das Parlament absegnen werde.

Wichtigste Player trafen sich zum ersten runden Tisch

Am Dienstagabend fand der erste runde Tisch mit Vertreterinnen und Vertretern des Gesundheitsdepartementes, des Luzerner Kantonsspitals, der Gemeinden, der Hausärzteschaft sowie des Komitees Pro Spital Wolhusen und allen Fraktionsvorsitzenden statt. Das Zusammenkommen gründet auf einer SP-Motion, die von allen Parteien unterstützt und im Mai überwiesen wurde.

Was genau beim Treffen besprochen wurde, verriet Guido Graf nicht. Nur so viel: «Wir sind gut unterwegs.» Die nächste Runde findet am 27. August statt. Wie viele Runden es brauche, bis das gegenseitige Vertrauen wieder aufgebaut sei, schaue man vorzu.

Multifunktionale Räume geplant

Der Schwerpunkt des neuen Spitals wird auf der Orthopädie liegen, verbunden mit einem ausgebauten Rehabilitationszentrum. Weiter beinhaltet das Angebot eine stationäre und ambulante Grundversorgung mit je zwei Operationssälen. Die ärztlich begleitete Geburtshilfe wird es weiterhin geben, ebenso eine Gynäkologieabteilung sowie eine Notfallversorgung rund um die Uhr.

So soll das neue Spital mit der erweiterten Parkanlage aussehen.

So soll das neue Spital mit der erweiterten Parkanlage aussehen.

Visualisierung: PD

Während das Luks Wolhusen heute rund 110 Betten – unter anderem in Form von Mehrbettzimmern – anbietet, werden es künftig deren 80 sein, konzipiert als Einzelzimmer. «Dies ist nicht nur eine Luxusfrage, sondern vereinfacht auch die Belegung in einem kleinen Spital wie Wolhusen stark», erklärte Vize-Verwaltungsratspräsident und FDP-Nationalrat Peter Schilliger. Der Udligenswiler betreut im Gremium das Baudossier.

Von den 80 Betten sind je 20 für Behandlungen und Eingriffe im Bereich der Grundversorgung sowie für orthopädische Eingriffe vorgesehen. Die andere Hälfte ist für Reha-Patientinnen und -Patienten gedacht. Das Luks plant mit flexiblen Belegungsoptionen, um «Handlungsspielraum bei möglichen Belegungsspitzen zu erhalten». Zudem ist eine Erweiterung um 20 Betten bei einem allfälligen späteren Bedarf möglich. Laut Schilliger käme in einem solchen Fall ein drittes Stockwerk obendrauf.

Überhaupt solle das Spital möglichst flexibel gebaut werden, um auf spätere Anpassungen reagieren zu können. Heisst: Die Räume sollen so eingerichtet werden, dass sie nicht nur für etwas Bestimmtes genutzt werden können. «Laien sehen diese Multifunktionalität nicht, Patientinnen und Patienten werden nicht das Gefühl haben, in einem Provisorium behandelt zu werden», versicherte Schilliger.

Betrieb des Spitals ist defizitär

Am angepassten Angebot, das die Regierung im April kommunizierte, hat sich also nichts verändert. Gesundheitsdirektor Guido Graf resümiert: «Ich bin zufrieden, dass die Weichen für den Spitalneubau nun gestellt sind und danke den Luks-Verantwortlichen, dass sie den von der Politik eingeschlagenen Weg mittragen.» Ein Dankeschön sprach er auch an die zahlreichen Fachkräfte aus, die täglich eine «hervorragende Arbeit» leisteten. «Ich bin stolz auf die Versorgung auf der Luzerner Landschaft.»

Dem Regierungsrat sei es «ein grosses Anliegen, den Betrieb unbedingt langfristig sicherzustellen», betonte Graf. Finanziell lohnt sich dies zwar nicht, denn mit über 120 Millionen Franken Investitionskosten verursacht das neu geplante Spital viel höhere Anlagenutzungskosten gegenüber heute. Doch weil das Spital Wolhusen für die Gesundheitsversorgung in der ganzen Region eine grosse Bedeutung habe und viele Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffe, sei der Kanton bereit, das zu erwartende Defizit von jährlich rund 10 Millionen Franken über gemeinwirtschaftliche Leistungen auszugleichen.

«Im Nachhinein könnte man immer vieles besser machen»

Guido Graf begleitete das Projekt Neubau Spital Wolhusen seit dessen Beschluss im Jahr 2011. Vor einigen Wochen sagte er noch, er würde es gerne als Gesundheitsdirektor zu Ende bringen. Seit er im Juli bekannt gab, dass er nicht mehr zur Wiederwahl antreten wird, ist klar, dass dies nicht Realität wird. Traurig zeigte er sich jedoch nicht darüber; das gesamte Projekt habe auch «extrem viel Arbeit» bedeutet. Er sei einfach froh, habe er beim Spatenstich dabei sein können. «Den wollte ich unbedingt noch machen.»

Angesprochen auf seine oft kritisierte Kommunikation im Zusammenhang mit dem Spitalneubau sagte Graf: «Im Nachhinein könnte man immer vieles besser machen, selbst ein Guido Graf. Alles lief aber auch nicht falsch.»

Video: Tele 1