Geuensee
Schulhaus-Sanierung ist dringend nötig – Finanzierung wird jedoch zur Herausforderung

Die Gemeindeverwaltung von Geuensee soll in das alte Schulhaus im Dorfzentrum ziehen. Das Projekt stösst auf reges Interesse, wie ein Tag der offenen Tür zeigte – und auf kritische Fragen.

Niels Jost
Drucken
Das alte Schulhaus in Geuensee soll saniert werden.

Das alte Schulhaus in Geuensee soll saniert werden.

Bild: Boris Bürgisser (26. August 2022)

Das Wort «Bijou» ist im alten Schulhaus von Geuensee an diesem Tag der offenen Tür immer wieder zu hören. Wer ins Innere tritt, fühlt sich in die Primarschulzeit zurückversetzt: der Duft, die alte Steintreppe, das geschwungene Metallgeländer samt Holzgriff, das knarzende Parkett – alles versprüht einen gewissen Charme.

Und doch ist die fast 100-jährige Geschichte nicht spurlos am Gebäude vorbeigegangen. Die Wände sind an vielen Stellen abgeblättert, die Räume eng, die sanitären Anlagen veraltet und die elektronischen Installationen nicht mehr zeitgemäss.

Das ist dem Gemeinderat und der Baukommission nicht entgangen. Sie möchten daher das alte Schulhaus, das bis 1991 als Gemeindehaus diente, «massvoll» sanieren und die Verwaltung dorthin zurückzügeln. Das gibt zu reden. So hat die FDP-Ortspartei fehlende Fakten kritisiert und die Finanzierung in Frage gestellt (wir berichteten).

So könnte der Empfang der Gemeindeverwaltung im Erdgeschoss aussehen.

So könnte der Empfang der Gemeindeverwaltung im Erdgeschoss aussehen.

Visualisierung: PD/Amberg Architekten

Sanierung kostet 4,9 Millionen Franken

Die Fakten hat das Projektteam nun nachgeliefert. Am Freitag hat der erste von zwei Tagen der offenen Tür stattgefunden. «Die Bevölkerung soll sich selber ein Bild vom Gebäude machen», sagten Gemeindepräsident Hansruedi Estermann (Mitte) und Janine Wapf, Leiterin der Abteilung Raum, Umwelt und Immobilien.

Gemeindepräsident Hansruedi Estermann und Janine Wapf, Leiterin der Abteilung Raum, Umwelt und Immobilien, im alten Schulhaus von Geuensee.

Gemeindepräsident Hansruedi Estermann und Janine Wapf, Leiterin der Abteilung Raum, Umwelt und Immobilien, im alten Schulhaus von Geuensee.

Bild: Boris Bürgisser (26. August 2022)

Und das wollen offenbar viele. Allein am Freitagnachmittag waren mehrere Dutzend Personen vor Ort, hörten zu, begutachteten, stellten kritische Fragen. «Wie viel kostet die Sanierung?» «Ist der Ausbau des Dachstockes wirklich nötig?» «Was geschieht mit der Kita, die heute hier einquartiert ist?»

Die Verantwortlichen wussten zu antworten. Die Bauarbeiten kosten rund 4,9 Millionen Franken. Viel Geld für das 2900-Einwohner-Dorf, und ein höherer Betrag als im Aufgaben- und Finanzplan der Gemeinde ausgewiesen. Laut Estermann verschlingen allein Vorgaben bezüglich Brandschutz, Erdbebensicherheit, Energiegesetz und hindernisfreien Bauens 1,87 Millionen Franken. Hinzu kommt die aufwendige Sanierung des Dachgeschosses, die zwar optional, aber prädestiniert sei, da dadurch ein neues Sitzungszimmer für den Gemeinderat erstellt werden könne.

Der Dachstock soll ausgebaut und zu einem Sitzungszimmer werden.

Der Dachstock soll ausgebaut und zu einem Sitzungszimmer werden.

Visualisierung: PD/Amberg Architekten

Controlling-Kommission lehnt Projekt ab

Zudem handle es sich bei den 4,9 Millionen Franken um den Bruttobetrag. Davon abgezogen werden könnten, so hofft Estermann, Beiträge von der Denkmalpflege, aus dem Energiefonds und von Stiftungen. Der Gemeindepräsident macht jedoch keinen Hehl daraus, dass die Finanzierung «eine Herausforderung» wird. So hat denn auch die Controlling-Kommission einen negativen Entscheid über das Sanierungsprojekt gefällt. Estermann erklärt:

«Die Kosten sind hoch, gewisse Finanzkennzahlen können wir in den nächsten Jahren sicher nicht einhalten. Es ist die Aufgabe der Controlling-Kommission, das Geschäft aus rein finanzieller Sicht zu beurteilen.»

Er sei aber überzeugt, dass die Gemeinde durch die Sanierung des als schützenswert eingestuften Gebäudes «einen substanziellen Gegenwert» erhalte. Zumal die Umgebung neu gestaltet werden soll, samt Bouleplatz, öffentlichem WC, Sitzgelegenheiten und einem neuen Bereich für die Jubla.

Die Kita ist im alten Schulhaus einquartiert – und könnte auch dort bleiben, wenn sie möchte.

Die Kita ist im alten Schulhaus einquartiert – und könnte auch dort bleiben, wenn sie möchte.

Bild: Boris Bürgisser (26. August 2022)

Pläne gibt es ebenso für die Kita. Diese könne im Gebäude bleiben oder im nahe gelegenen Riegelhaus, das die Gemeinde ebenso kürzlich gekauft hat, ein neues Zuhause finden, sagte Janine Wapf. Die Details – auch bezüglich einer Immobilienstrategie – werde man an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 19. September erläutern, so Wapf. Zuvor lädt der Gemeinderat am 8. September zu einer Gesprächsstunde.

Zweiter Tag der offenen Tür: Samstag, 27. August, 9 bis 11.30 Uhr.