Kanton Luzern
Sommerferien für 22 Polizeiposten wegen Überlastung – SP kritisiert «selbstverschuldeten» Personalmangel

Viele Einsätze sowie Grossveranstaltungen im Kanton Luzern binden diesen Sommer Kräfte der Polizei. Deshalb wird das Angebot reduziert. Für Sempach fühlt es sich wie ein «schleichender Abbau» an.

Jessica Bamford
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Grossveranstaltungen – hier das Luzerner Fest 2017 – binden im Sommer die Kräfte der Polizei.

Grossveranstaltungen – hier das Luzerner Fest 2017 – binden im Sommer die Kräfte der Polizei.

Bild: Dominik Wunderli

Die Luzerner Polizei ist seit Wochen überlastet. «Wir mussten unseren Leuten Ferien und freie Tage streichen», sagt Polizeisprecher Christian Bertschi. Grund dafür sei, dass viele Grossanlässe stattfänden, bei denen die Luzerner Polizei für die Sicherheit zuständig sei. «Wir spüren einen Nachholeffekt. Feste, die wegen der Coronapandemie ausgefallen sind, werden nun teilweise nachgeholt und kommen zu den übrigen geplanten Veranstaltungen hinzu.»

Auch internationale Anlässe führen zu viel Aufwand, wie es in einer Mitteilung der Luzerner Polizei heisst: WEF, die Ukraine-Konferenz in Lugano und die WTO-Konferenz in Genf. Bei diesen Anlässen ist Unterstützung durch Luzerner Polizistinnen und Polizisten gefordert.

Aufgebot von internationalen Anlässen kamen kurzfristig

Dass die Belastung im ersten Jahr ohne Coronaeinschränkungen grösser wird als gewohnt, war eigentlich zu erwarten. Erste Massnahmen hat die Polizei deshalb laut Bertschi bereits getroffen. So wurden vor rund zwei Wochen Ausbildung und Weiterbildung sistiert sowie die Anzahl Schwerverkehrs- und Parkplatzkontrollen reduziert.

«Wir haben aber erst vor wenigen Tagen erfahren, wie viele unserer Leute an den Konferenzen benötigt werden.» Da sei klar geworden, dass noch weitere Massnahmen notwendig sind, «um die Polizeipräsenz ausserhalb der Posten aufrechtzuerhalten und den Polizisten die nötige Erholung zu ermöglichen», erklärt Bertschi.

Zwei von drei Polizeiposten betroffen

Als letzte Massnahme wurde deshalb die temporäre Schliessung von 22 Polizeiposten beschlossen. Geplant ist, dass ab Montag bis längstens Ende August das Angebot reduziert wird. «Wenn möglich, öffnen wir die Posten schon früher wieder», betont Bertschi. Folgende Gemeinden sind betroffen:

  • Beromünster
  • Dagmersellen
  • Entlebuch
  • Eschenbach
  • Escholzmatt
  • Hitzkirch
  • Horw
  • Luzern Bahnhof
  • Luzern Reussbühl
  • Malters
  • Meggen
  • Pfaffnau
  • Reiden
  • Root
  • Rothenburg
  • Ruswil
  • Schötz
  • Sempach
  • Sörenberg
  • Triengen
  • Wolhusen
  • Zell
Auch der Polizeiposten im Bahnhof Luzern bleibt über die Sommermonate geschlossen.

Auch der Polizeiposten im Bahnhof Luzern bleibt über die Sommermonate geschlossen.

Bild: Luzerner Polizei

Weil die Entscheidung sehr kurzfristig gefallen ist, wurden nicht alle Gemeinden im Voraus informiert. Einzig die Polizeiregionen Willisau und Entlebuch wurden anlässlich einer Infoveranstaltung über die Option einer temporären Schliessung orientiert. Diesen Umstand kritisiert Roland Studer, Gemeindeschreiber von Eschenbach: «Die betroffenen Gemeinden sollten vor der Zeitung und der Bevölkerung informiert werden.» Für den Ressourcenmangel habe man hingegen gewisses Verständnis.

Auch der Sempacher Stadtrat Hanspeter Achermann hat aus den Medien von den Plänen erfahren und steht der Schliessung «sehr kritisch» gegenüber. «Ich habe das Gefühl, es ist ein schleichender Abbau.» Achermann spielt damit wohl auf die längerfristigen Pläne des Kantons an, die Hälfte der Polizeiposten zu schliessen. Sehr viele der Posten, die ab Montag geschlossen sind, sollen bis 2030 abgebaut werden. Der Polizeisprecher verneint einen Zusammenhang aber:

«Diese Schliessungen haben überhaupt nichts mit der geplanten Umstrukturierung zu tun.»

Dass gerade diese Posten betroffen sind, habe mit den Öffnungszeiten zu tun. «Es hätte wenig Sinn ergeben, Posten zu schliessen, die lange Öffnungszeiten haben», sagt Bertschi.

Schulwege werden trotz Schliessung gesichert

Ein Entscheid überrascht vor dem Hintergrund der Polizeiposten-Debatte: Die Standorte Dagmersellen, Reiden und Pfaffnau sollen über den Sommer alle geschlossen werden, obwohl Sandra Cellarius, Gemeindepräsidentin von Pfaffnau, wiederholt betont hat, dass es wichtig ist, in der Nähe der Klinik St.Urban einen Polizeiposten zu haben. Der nächste offene Posten befindet sich ab Montag in Willisau. Bertschi betont, dass dies für die Versorgung der Psychiatrie keinen Unterschied mache, weil bei entsprechenden Notrufen sowieso stets die nächste Patrouille eingesetzt werde.

Der Sempacher Stadtrat Achermann betont auch, dass ihm «die Sicherung der Schulwege auf Beginn des neuen Schuljahres ein grosses Anliegen» sei. Bertschi erklärt, dass die Polizei versucht die Leistungen, welche für die Sicherheit der Bevölkerung relevant sind, aufrechtzuerhalten. So etwa auch die Sicherung von Schulwegen. «Das hat für uns Priorität.»

In einer Mitteilung kritisiert die SP das Vorgehen scharf. Der Personalmangel sei «selbstverschuldet», und dass während der Vernehmlassung des neuen Polizeiposten-Konzepts viele der gefährdeten Posten temporär geschlossen werden, sei ein «undemokratischer Affront».

Geöffnet bleiben folgende Posten:

  • Luzern Hirschengraben
  • Ebikon
  • Emmen
  • Emmenbrücke Sprengi (Verkehrspolizei)
  • Hochdorf
  • Kriens
  • Schüpfheim
  • Sursee
  • Weggis
  • Willisau