Kommentar «Chefsache»
Ob mit oder ohne Fleisch: Fröhliche, tolerante Weihnachten

Ein Stück Filet oder lieber geschmorten Kürbis fürs Festtagsmenu? Die Wahl trifft jede und jeder selber, auch wenn ein bewusster Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen natürlich wichtig ist. Was sich Fleischesser aber inzwischen teilweise anhören müssen, das ist schlicht inakzeptabel.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Bei Metzgermeister Fritz Keller läuft das Weihnachtsgeschäft wie eh und je.

Bei Metzgermeister Fritz Keller läuft das Weihnachtsgeschäft wie eh und je.

Bild Eveline Beerkircher (Kriens, 19. Dezember 2022)

Fondue Chinoise, Braten, Filet im Teig. Keine Überraschungen, was in den Luzerner Metzgereien für die Festtage hauptsächlich über den Ladentisch geht. Der Pro-Kopf-Fleischkonsum in der Schweiz über die letzten zehn Jahre ist gemäss Bund beinahe unverändert. Die von unserer Zeitung befragten Metzger sehen es indes so: «Die Kunden essen lieber etwas weniger Fleisch, dafür aber deutlich bewusster.»

Ein Leser fährt uns für die Metzgerei-Berichterstattung an den Karren, das sei «verantwortungslos» und journalistisch unhaltbar. Ein weiteres Beispiel: Nachdem die Schwyzer Skirennfahrerin und bekennende Tierfreundin Corinne Suter sagte, dass sie gerne Fleisch esse und dieses gut für ihren Energiehaushalt als Spitzensportlerin sei, wurde sie postwendend angegriffen. Sie sei eine «Egoistin», hiess es etwa oder sie solle doch den Begriff «Fleisch» durch «Tiere» ersetzen.

Was spricht gegen ein vegetarisches, wunderbares Tomaten-Tatar oder einen geschmorten Knirps-Kürbis anstelle von Rindfleisch? Nichts. Rein gar nichts. Ja, das globale Klima geht uns alle an, wir stehen für die nachkommenden Generationen in der Verantwortung. Und entsprechend ist auch beim Fleischkonsum ein bewusster, haushälterischer Umgang wichtig. Aber was Fleischessern oder nur schon dem Thema Fleisch hier inzwischen an Intoleranz, ja Militanz entgegenschlägt, ist schlicht inakzeptabel. Das geht hin bis zur ideologischen Verblendung – eine gefährliche Entwicklung.

Freuen wir uns stattdessen lieber auf fröhliche und entspannte Festtage, an denen auf den Tellern landet, was jede und jeder persönlich mag. Freuen wir uns, dass wir in einer freien Gesellschaft leben, in der wir Toleranz als eines der höchsten Güter pflegen dürfen. Ihnen allen, liebe Leserinnen und Lesern, wünsche ich ein wunderbares, geselliges Weihnachtsfest.

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