Kommentar
Militärweiterbildung an der Uni Luzern: Führungskompetenzen nutzen ist richtig, aber die erwirbt man nicht nur in der Armee

Führungskräfte der Armee können an der Uni Luzern einen CAS erwerben, der ihnen bei der beruflichen Karriere helfen soll. Dass in der Armee erlernte Kompetenzen in der Zivilgesellschaft genutzt werden, ist sinnvoll.

Dominik Weingartner
Dominik Weingartner
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Die Schweizer Armee hat auch schon schlechtere Zeiten erlebt, was ihr öffentliches Bild angeht. Durch den Krieg in der Ukraine rückt ihr Nutzen wieder stärker ins Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger. Und jetzt will Armeechef Thomas Süssli die Rolle des Militärs als Kaderschmiede für die Schweizer Wirtschaft reaktivieren.

Gemeinsam mit der Universität Luzern bietet die Armee ihren Führungskräften eine Weiterbildung an, welche die Militärangehörigen als CAS auch für ihre berufliche Karriere nutzen können. Es ist fraglos sinnvoll, in der Armee erworbene Fähigkeiten für die Zivilgesellschaft zu nutzen. Und gerade im Militär können junge Erwachsene ziemlich schnell in Führungsverantwortung kommen, oftmals früher als in der Wirtschaft.

Wo Synergien Sinn ergeben, soll man diese nutzen. Das ist beim neuen CAS an der Universität Luzern der Fall. Aber dass die Armee wieder die zentrale Rolle bei der Rekrutierung von Schweizer Führungskräften spielt, wie es Süssli vorschwebt, ist weder realistisch noch nötig. Denn Führungskompetenzen erwirbt man nicht exklusiv beim Dienst an der Waffe. Auch in der Privatwirtschaft können junge Menschen in Führungsverantwortung hineinwachsen.

Dass der Chef einer Bank zwangsläufig auch im Militär ein hohes Tier sein muss, wie das im 20. Jahrhundert noch der Fall war, ist nicht mehr zeitgemäss. Die Milizarmee ist nach wie vor gut in der Bevölkerung verankert. Eine stärkere Militarisierung der Zivilgesellschaft braucht die Schweiz darum nicht.

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