Kommentar
Trotz Teilnahme-Rekord für die Luzerner Kantonsratswahlen: Stresstest steht den Parteien erst bevor

Noch nie interessierten sich so viele Luzernerinnen und Luzerner für einen Sitz im 120-köpfigen Kantonsrat. Das ist hocherfreulich. Die grosse Herausforderung für die Parteien folgt allerdings erst im nächsten Jahr.

Lukas Nussbaumer
Lukas Nussbaumer
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Der Luzerner Kantonsrat an seiner letzten Session im vergangenen Jahr im Regierungsgebäude in Luzern.

Der Luzerner Kantonsrat an seiner letzten Session im vergangenen Jahr im Regierungsgebäude in Luzern.

Bild: Pius Amrein
(28. November 2022)

Die Wählerinnen und Wähler im Kanton Luzern haben bei den Kantonsratswahlen vom 2. April eine Auswahl, die so gross ist wie nie zuvor: 347 Frauen, 521 Männer und eine non-binäre Person kämpfen um die 120 Sitze im Kantonsparlament. Das entspricht gegenüber den letzten Wahlen einer Steigerung um 8,4 Prozent.

Die rekordhohe Zahl von Frauen und Männern, die in die Legislative wollen, ist aus drei Gründen erfreulich. Erstens ermöglicht sie den Wählenden eine echte Auswahl, und zwar in allen Wahlkreisen. Zweitens zeigt sie das ungebrochen hohe Interesse an der Politik, das im Kanton Luzern schon immer ausgeprägt war. Und sie stellt – drittens – den Parteien ein gutes Zeugnis aus. Schliesslich müssen die Parteiverantwortlichen bei der Rekrutierung von Kandidatinnen und Kandidaten viel Freizeit opfern und Überzeugungsarbeit leisten.

Alles gut also in der Luzerner Parteienlandschaft? Eine definitive Antwort auf diese Frage lässt sich erst 2024 geben. Dann, wenn es um die Suche von Kandidierenden für die Gemeinderäte geht. Personen für ein zeitintensives und hohen emotionalen Belastungen ausgesetztes Exekutivamt zu finden, ist nämlich viel schwieriger, als jemanden für einen vergleichsweise weniger anstrengenden Posten in der Legislative zu gewinnen. Zumal sich in jüngster Zeit die Rücktritte von Gemeinderatsmitgliedern wegen Überlastung häufen und es bei der Bestimmung der nachfolgenden Person oft nur stille statt echte Wahlen gibt.