Luzerner Volksschule
Kindergarten und Basisstufe erhalten gute Noten – fehlender Stichtag wird kritisiert

Der Unterricht für die jüngsten Schülerinnen und Schüler kommt gut an. Das zeigt eine Evaluation des Kantons. Nicht einig sind sich Kindergarten- und Basisstufenlehrpersonen beim Halbjahreseintritt.

Reto Bieri
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Seit dem Schuljahr 2016/17 müssen die Luzerner Gemeinden zwei Kindergartenjahre oder die Basisstufe anbieten. Bei Letzterer werden Kindergarten sowie erste und zweite Primar zusammen unterrichtet. In einer Evaluation hat die Dienststelle Volksschulbildung nun untersucht, wie der Eintritt der Kinder in die Schule gelingt. An den Erhebungen von Oktober 2021 bis Februar 2022 nahmen rund 1600 Personen teil. Darunter Schulleitungen, Lehrpersonen und Eltern.

Lehrpersonen und Eltern im Kanton Luzern sind zufrieden mit dem Kindergarten und der Basisstufe.

Lehrpersonen und Eltern im Kanton Luzern sind zufrieden mit dem Kindergarten und der Basisstufe.

Symbolbild: Christian Beutler / Keystone

Die Evaluation zeige, dass Lehrpersonen und Erziehungsberechtigte die Unterrichtsqualität im Kindergarten und in der Basisstufe als gut einschätzen, teilte die Dienststelle am Mittwoch mit. Altersgemischtes Lernen und Unterrichten werde im Allgemeinen gut akzeptiert. Martina Krieg, Leiterin Dienststelle Volksschulbildung, sagt auf Anfrage:

«Wir freuen uns über das gute Abschneiden, es ist ein Topergebnis.»

98,5 Prozent der Schulleitungen und 84,2 Prozent der Erziehungsberechtigten fänden es positiv, dass im Kindergarten und in der Basisstufe Kinder unterschiedlichen Alters den Unterricht besuchen. 95,9 Prozent der Lehrpersonen würden gerne altersgemischt unterrichten.

Im Kanton Luzern müssen Kinder ab dem fünften Lebensjahr in den Kindergarten oder die Basisstufe, Stichtag ist der 31. Juli. Sie können aber bereits vorher das freiwillige Kindergartenjahr besuchen. Eine Mehrheit der Schulleitungen kritisiert nun in der Evaluation, dass es für den Eintritt von unter fünfjährigen Kindern keinen Stichtag gibt. Deshalb würden die meisten Schulen selber einen Stichtag definieren, ab welchem Alter sie die Erziehungsberechtigten über die Eintrittsmöglichkeit informieren.

Grundsätzlich werde der Eintritt von unter fünfjährigen Kindern aber positiv beurteilt. Auch das Recht der Kinder, die Kindergartenstufe zwei Jahre zu besuchen, unabhängig vom Alter beim Eintritt, befürworte die Mehrheit der Befragten.

Halbjahreseintritt: Kindergarten-Lehrpersonen sind skeptisch

Umstritten ist laut der Evaluation die halbjährliche Eintrittsmöglichkeit. Eine Mehrheit der Schulleitungen und Lehrpersonen der Basisstufe befürworte den Februar-Eintritt, jene des Kindergartens lehnen sie mehrheitlich ab. Befürwortende würden argumentieren, dass die Kinder so ihrem Entwicklungsstand entsprechend eintreten können. Abgelehnt werde die Halbjahresmöglichkeit aufgrund von Schwierigkeiten beim Eintritt in eine bestehende Klasse und wegen des Mehraufwands für die Lehrpersonen, der durch das wiederholte Einführen von neuen Kindern in den Kindergartenalltag entsteht.

Angesprochen auf diesen Graben zwischen Kindergarten- und Basisstufenlehrpersonen sagt Krieg, für Letztere sei «Heterogenität» – also zum Beispiel viele Kinder mit Migrationshintergrund – sowie Kinder verschiedenen Alters selbstverständlicher als für Kindergärtnerinnen und Kindergärtner. Krieg:

«Für Lehrpersonen sind die Entwicklungsunterschiede der eintretenden Kinder eine enorme Herausforderung.»

Geplant seien aufgrund der Evaluation verschiedene Massnahmen. Wie diese konkret aussehen, bleibt allerdings unklar. «Wir wollen nicht vorgreifen, sondern Lösungen zusammen mit Partnern wie dem Lehrerinnen- und Lehrerverband, dem Schulleiterinnen- und Schulleiterverband und allenfalls Elternvereinen diskutieren», begründet Krieg.

Es gelte, Vor- und Nachteile gemeinsam abzuwägen. «Zum Beispiel, ob ein Stichtag von den Gemeinden oder dem Kanton festgelegt wird.» Weiter wolle man für die Lehrpersonen Weiterbildungen im Umgang mit Heterogenität und altersgemischtem Lernen schaffen sowie den Austausch über gelungene Praxisbeispiele intensivieren.