Positives Ergebnis 2021
Luzerner Kantonsspital erholt sich von Corona – und rüstet sich für zweite Welle

Nach einem 53-Millionen-Franken-Verlust im Vorjahr ist das Luzerner Kantonsspital 2021 finanziell wieder auf Kurs. Doch die Unsicherheiten nehmen zu – unter anderem bei Bauprojekten und bei der Rekrutierung von Fachkräften.

Alexander von Däniken
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Im Zusammenhang mit der Pandemie und dem Luzerner Kantonsspital (Luks) von turbulenten Zeiten zu sprechen, wäre untertrieben. 3309 Personen sind zwischen März 2020 und April 2022 am Luks wegen des Coronavirus stationär behandelt worden. Knapp 140'000 Impfungen sind in den Impfzentren des Spitals durchgeführt worden.

Das Luzerner Kantonsspital in Luzern, links das Zentrum.

Das Luzerner Kantonsspital in Luzern, links das Zentrum.

Patrick Hürlimann

Zwischenzeitlich musste das Luks nicht dringende Eingriffe verschieben und einige Patientinnen sowie Patienten blieben aus Angst vor einer Ansteckung Terminen fern. Die Folge: Das Spital schrieb 2020 einen Verlust von 53,2 Millionen Franken. Der Kanton Luzern musste deshalb dem grössten nichtuniversitären Spital der Schweiz finanziell unter die Arme greifen. Nun zeigt sich: 2021 als zweites Coronajahr hat beim Luks weniger Narben hinterlassen. Dies erklärten Verwaltungsratspräsident Ulrich Fricker, CEO Benno Fuchs und Michael Döring, Leiter Pflege und Soziales, am Dienstag vor den Medien.

Corona

Während draussen auf dem Gelände des Luzerner Kantonsspitals in Luzern der Testcontainer abgebaut wurde, sagte Benno Fuchs im Sitzungszimmer der Geschäftsleitung:

«Die Pandemie hat uns auch letztes Jahr beschäftigt, aber nicht mehr im gleichen Ausmass wie 2020.»

Das Personal sei nach wie vor gefordert gewesen. Das bestätigte Michael Döring. Man habe aber dank Einsatz und Flexibilität sowie technischen Möglichkeiten die Ausnahmesituation bewältigen können. «Wir haben zum Beispiel die Kontakte zwischen Patienten und Angehörigen über Tablets hergestellt, als Besuche eingeschränkt waren», so Döring.

Für den Herbst gebe es zwei Szenarien, für beide sei das Luks gerüstet. Flache die Pandemie weiter ab, dann konzentriere man sich auf die Kernarbeit. Bei einer Verschärfung der Situation gebe es genügend Ressourcen für den Non-Covid- und den Covid-Bereich. «Wir wissen, wie es geht», so Döring.

Finanzen

Nicht verlernt hat das Spital auch das Erzielen eines Gewinns. Ein Plus von zwei Millionen Franken für 2021 ist zwar angesichts der hohen anstehenden Investitionen nicht viel, zauberte CEO Benno Fuchs aber angesichts der Verluste 2019 und 2020 ein Lächeln ins Gesicht. «Wir haben im Vergleich zum Vorjahr wieder mehr stationäre Fälle verzeichnet, davon von mehr Zusatzversicherten. Heraus sticht aber vor allem das starke Wachstum im ambulanten Bereich.» Mit rund 976'000 Kontakten nähert sich das Spital der Millionengrenze. Erstmals verzeichnete das Spital über eine Milliarde Franken Umsatz – dank des Zusammenschlusses Mitte 2021 mit dem Spital Nidwalden.

Investitionen in Neubauten

Trotz der wieder besseren Zahlen muss das Luzerner Kantonsspital in den kommenden Jahren noch rentabler werden. Schliesslich sind bis 2038 bauliche Investitionen von rund 1,7 Milliarden Franken geplant. Sei es in Luzern mit dem Neubau von Kinderspital und Frauenklinik oder in Sursee und Wolhusen mit den Spitalneubauten.

Entsprechend ist die Aktienkapitalerhöhung von rund 25 Millionen Franken durch den Kanton Luzern dieses Jahr laut Fuchs weiterhin notwendig. Zumal in letzter Zeit das Baumaterial knapper und wohl auch teurer werde, was sich unter Umständen auf Bauplanung und -kosten auswirken könne.

Gruppenwachstum

Bauliche Investitionen sind zudem in Stans geplant. Und mit dem Kanton Obwalden laufen Gespräche über eine Integration des Spitals in Sarnen. «Das wird sich aber noch über Jahre hinziehen», so Fuchs. Weitere Zusammenschlüsse in der Zentralschweiz – etwa mit Uri und Zug – sind laut Verwaltungsratspräsident Ulrich Fricker nicht geplant: «Wir pflegen mit diesen Spitälern bereits eine enge vertragliche Zusammenarbeit.»

Fachkräftemangel

Diese Zusammenarbeit dürfte zum Beispiel im Kampf um Fachkräfte weiterhin nötig sein, wie Fricker anfügte. Er wie auch Benno Fuchs und Michael Döring beruhigten zwar, dass es im Luks keinen akuten Notstand gebe und auch eine weitere Coronawelle bewältigt werden könne. Das gelinge aber nur mit besserer Rekrutierung und bessren Arbeitsbedingungen. «Der Fachkräftemangel wird sich weiter verschärfen», so Döring.

Lohn und Prämien

Dieses Jahr wird das Luks den Angestellten in der Pflege und in pflegenahen Berufen eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 2,6 Prozent gewähren. Bereits kommuniziert worden sind Zeitgutschriften fürs Umkleiden oder die Nachtarbeit. «Diese Zeitgutschriften konnte die Mehrheit des Personals auch einlösen», sagte Döring auf Nachfrage. Laut Fricker ist der Saldo innert Jahresfrist zudem gesunken.

Belohnt werden Angestellte mit einer Prämie von bis zu 1500 Franken, wenn sie neue Kolleginnen oder Kollegen vermitteln können. Zudem wurde ein pensenabhängiger Gutschein von bis zu 500 Franken ausgestellt.