U20-Kolumne
Der «Corona-Hund» – eine vom Unglück begünstigte Rasse

In unserer U20-Kolumne schreibt Kanti-Schülerin Anna Disler über Hunde, die sich Frauchen und Herrchen während der Pandemie zulegten.

Anna Disler, Schülerin Kanti Sursee
Anna Disler, Schülerin Kanti Sursee
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Ein Hund im Wald.

Ein Hund im Wald.

Symbolbild: Boris Bürgisser (28. Dezember 2021)

Familienzuwachs, aber nicht erst neun Monate nach dem Lockdown. Das gab es in den Jahren 2020 und 2021 massenweise. Meistens bellt und wedelt er. «Jöööö, so süess.» Spätestens wenn die Erziehung zum Thema wird, ist’s dann plötzlich nicht mehr so süss. Dann bellt und knurrt er ganz böse. Geld für die ausgefallensten Spielzeuge ist vorhanden. Aber für die Hundeschule reicht es dann nicht mehr. Würde ja auch noch Zeit kosten. Der Online-Kurs ist günstiger.

Die relativ neuartige Rasse «Corona-Hund» ist öfter auf dem Spaziergang anzutreffen. Meist schon von weitem problemlos akustisch, optisch sowie olfaktorisch zu erkennen: «Aaaanouk, hiiiiier» oder «Luuudwig, nein! Nein! Ich habe NEIN gesagt!» Da das Auge ja bekanntlich «mitsieht», sind gewisse Herrchen, Frauchen und Hundchen mit Pelzkragen und Swarovski-Halsband unterwegs. Für das gelungene «Finish» sorgt eine atemberaubende Parfumwolke, die den Vorbeilaufenden die Sinne trübt. Nach der ersten Woche mit Vierbeiner im Haus wird den Leuten plötzlich bewusst, dass der Hund doch zu viel Zeit braucht, zu viel Dreck macht und zu unerzogen ist.

Am bitteren Ende fühlt sich niemand verantwortlich, wenn der Hund, auch wenn er gut aussieht, verhunzt ist. Aus dem lieben, kuscheligen Hundi wird ein böses, unerzogenes Biest. Aber es musste ein Rottweiler sein. Wenn schon, denn schon.

Unerfreuliche Nebenwirkungen erzeugen diejenigen «Hundebesitzer auf Zeit», die durch ihre Hunde-Kauf-Aktion den illegalen Welpenhandel im Ausland unterstützen. Hunde, die wie in der Sardinenbüchse in Käfigen das Licht der Welt erblicken und eine fürchterliche Welpenzeit durchleben müssen. Genau deswegen sind Schweizer Tierheime überfüllt. Denn wenn der Süden ruft und der alljährliche, traditionelle Stau vor dem Gotthard ansteht, darf Hundi keinen Aufwand mehr machen. Am besten bringt man ihn ins nächste Tierheim. Ist am einfachsten.

Hinweis: Anna Disler ist 15 Jahre alt und Schülerin an der Kantonsschule Sursee. In der U20-Kolumne äussern sich jeweils alle zwei Wochen Lernende von Kantonsschulen zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.