Entlebuch
Zuschauen, zuhören, selber machen: Bergkäserei Marbach eröffnet neue Erlebniskäserei

Während viele Käsereien zugehen, hat die Bergkäserei Marbach zehn Millionen Franken in ein neues Tourismusangebot samt Produktion investiert. Pro Jahr werden rund 25'000 Besucherinnen und Besucher erwartet.

Niels Jost
Drucken

Er sei «schon ein bisschen stolz», sagte Michael Jaun. Der Käsermeister führt die Bergkäserei Marbach in zweiter Generation. Seine Eltern haben 1981 im benachbarten Schangnau BE begonnen, zwei Lehrlinge waren angestellt.

Die Köpfe hinter dem Projekt (von links): Fabrikationsleiter Kurt Felder, Geschäftsführer Michael Jaun, Administrationsverantwortliche Regula Jaun und Verwaltungsratspräsident Peter Brunner.

Die Köpfe hinter dem Projekt (von links): Fabrikationsleiter Kurt Felder, Geschäftsführer Michael Jaun, Administrationsverantwortliche Regula Jaun und Verwaltungsratspräsident Peter Brunner.

Bild: Jakob Ineichen (1. September 2022)

Heute zählt das Unternehmen, das seit 2008 in Marbach beheimatet ist, 36 Teil- und Vollzeitangestellte. Und am Samstag, 3. September, öffnet nach langer Planung «endlich» die neue Produktions- und Erlebniskäserei. Es sei «schwierig, in Worte zu fassen», was dieser Schritt für sie alle bedeute, meinte Ehefrau Regula Jaun, die ebenfalls in der Geschäftsleitung sitzt.

Denn vielerorts müssen Käsereien schliessen – wegen des steigenden Milchpreises, des umkämpften Marktes und des schwachen Euros, wegen dessen der Export für ein mittelgrosses Unternehmen nicht mehr rentabel sei, wie Peter Brunner erklärte. Der Verwaltungsratspräsident sagte:

«Wir wollen weg von der Masse, hin zu mehr Regionalität und zum Tourismus.»

Um sich neu zu positionieren, hat die Bergkäserei Marbach zehn Millionen Franken investiert. Unterstützung erhielt sie vom Kanton, der Gemeinde, den Privaten und der Neuen Regionalpolitik. Beim Eingang sind ein moderner Laden und ein Bistro mit 45 Plätzen entstanden. Im hinteren Bereich können Gruppen bis zu 15 Personen selber käsen. Brunner: «Die Leute wollen selber Hand anlegen und sehen, woher die Produkte kommen, die sie sonst nur in den Regalen sehen.»

Das bisherige Gebäude wurde durch einen Anbau erweitert.
7 Bilder
Der modernere Verkaufsladen der Bergkäserei Marbach.
Die Bergkäserei Marbach verarbeitet jährlich 12 Millionen Liter Milch.
Auch ein Kunstwerk mit allen möglichen Gegenständen zur Käse-Produktion ist beim Rundgang zu sehen.
Dank Audiogeräten können Gäste selber die Informationen abrufen.
Der Rundgang ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden.
Auch Kurzfilme gibt es auf dem Rundgang zu sehen.

Das bisherige Gebäude wurde durch einen Anbau erweitert.

Bilder: Jakob Ineichen (Marbach, 1. September 2022)

Acht Franken Eintritt für Erlebniskäserei

Ein Stockwerk höher führt ein Rundgang durch den ganzen Herstellungsprozess des Käses, von der Milchproduktion über die Annahme bis zur Produktion. An verschiedenen Stationen kann Jung und Alt dank eines Audiogeräts die Informationen selber abrufen und die Ausstellung so im eigenen Tempo durchlaufen. Regula Jaun rechnet damit, dass ein Rundgang bis zu 50 Minuten dauert. Sie sagt:

«Mit der Erlebniskäserei bieten wir ein Schlechtwetterprogramm im Entlebuch. Davon profitiert der Tourismus in der ganzen Region.»

Während des Rundgangs können die Gäste einen Blick in die Käserei werfen. Selbst einen Kurzfilm und eine Kunstinstallation mit allen möglichen Gegenständen aus der Käseproduktion gibt es zu sehen. Dabei fällt auf: Die Erlebniskäserei brilliert mit viel Liebe zum Detail und einer Prise Humor, gleichzeitig wird eine etwas zu heile Welt der Landwirtschaft und Käseproduktion suggeriert.

Ziel sei es, pro Jahr rund 25'000 Besucherinnen und Besucher anzulocken, sagte Peter Brunner. Heute seien es etwa halb so viele. Der Eintritt kostet für Erwachsene – je nach Führung – acht Franken.

Zwölf Millionen Liter Milch werden jährlich verarbeitet

Keine wesentliche Veränderung gibt es bei den Herstellungsmengen. Wie heute verarbeite die Bergkäserei Marbach jährlich rund fünf Millionen Liter Milch zu eigenen Produkten, etwa den Häxenkäse, Burrata, Fondue-Mischung oder Wiesenmilchkäse. Aus weiteren sieben Millionen Litern Milch werde Käse für Emmi hergestellt, wie Fabrikationsleiter Kurt Felder sagte. Ein Widerspruch zur Philosophie, mehr auf Spezialprodukte zu setzen? «Nein», sagte Peter Brunner, «da auch für Emmi Spezialitäten wie Berner Käse produziert werden.» Von der industriellen Produktion und dem Export-Käse habe man sich gelöst. Die Partnerschaft mit Emmi sei wichtig, um die Fixkosten decken zu können, ergänzte Kurt Felder.

Das neue Reifelager der Bergkäserei Marbach, wo 13'400 Laibe lagern.

Das neue Reifelager der Bergkäserei Marbach, wo 13'400 Laibe lagern.

Bild: Jakob Ineichen (1. September 2022)

Neu verfügt die Bergkäserei Marbach über ein Reifelager. 13'400 Laibe aus 20 verschiedenen Sorten werden hier von zwei Robotern gepflegt und gedreht. Bisher reifte der Käse in externen Lagern. Dazu Michael Jaun:

«Wir möchten die ganze Wertschöpfung in der Region halten.»